Chief hat geschrieben:Nein! NICHTS kann wegdiskutiert werden.
Natürlich nicht. Da friert vorher die Hölle ein, ehe Du einen Irrtum eingestehst!
Hannes hat geschrieben:Die Diskussion hat sich hauptsächlich an der Zeichnung Fendt`s entzündet,
wo bei dem Karussell die Gondeln mit der Achse des Karussells mechanisch durch
Ketten verbunden sind und trotzdem keine Vektoren eingezeichnet sind. Wären keine mechanischen Verbindungen wie bei einem rutschenden Transportgut eines LKW s vorhanden, könnte man eventuell von Scheinkräften sprechen. Durch die Verbindung übt die Masse aber eine Kraft aus, die auch durch Vektoren dargestellt werden muss. Ohne Verbindung wäre die Bezeichnung Scheinkraft akzeptabel.
Ich bitte dich, für diesen Fall eine abschließende Stellungnahme abzugeben.
Das Auftreten von Trägheitskräften hat überhaupt nichts mit Ketten oder Seilen oder sonstigen mechanischen Verbindungen zu tun, sondern bloß damit, dass in beschleunigten Bezugssystemen die Trägheit wirksam wird und Bewegung, bezogen auf das Bezugssystem nach Newtonschem Bewegungsgesetz nur dann erklärbar wird, wenn man dafür eine Trägheitskraft einführt. Ob die Brille am Armaturenbrett lose liegt und wegrutscht oder an der Wagenwand klebt, ist einerlei, man sagt im Auto eben, da ist die Zentrifugalkraft im Spiel. Es ist aber ein Spiel von Trägheit (Newton I) und der Wagenwand, die sich in den Weg stellt. D.h. die Kraft, die auf die Brille zu wirken scheint, ist nicht vorhanden. Woher denn auch? Bei einer Gondel am Karussell ist es ganz dasselbe. Reißt die Kette, fliegt die Gondel vom rotierenden BS gesehen nach "außen". Wohin sonst? Die tatsächliche Kraft, die an der Gondel angreift und ihr träges Beharren verhindert, geradlinig davon zu fliegen, ist die Zentripetalkraft. Und selbstverständlich ist die Darstellung von Fendt daher völlig richtig. "Zentrifugalkraft" oder auch die Beschleunigungs-Reaktionskraft nach Mach sind quasi Erklärungshilfen, aber auch mathematische Kunstgriffe, um Newtons Bewegungsgesetze in jedem Bezugssystem, eben auch in beschleunigten anwenden zu können. Denn in beschleunigten BS gelten sie eigentlich nicht. Das ist der ganze Zauber. Missverständnisse entstehen leider dadurch, dass manche Autoren die Zentrifugalkraft als Reaktionskraft nach Newton III bezeichnen, was eben völlig falsch ist. Im Karussell gibt es diese Reaktionskräfte natürlich auch, denn zieht eine vom Zentrum ausgehende Zentripetalkraft die Gondel nach innen, so zieht die Gondel über das Seil
an das Zentrum zurück. Beide ziehen aneinander, und das ist ein Newtonsches Kräftepaar- eben eine Wechselwirkung, die z.B. bei Himmelskörpern dazu führt, dass sie beide den gemeinsamen Schwerpunkt umkreisen.

Eine Reaktionskraft auf eine Zentripetalkraft ist also auch eine Zentripetalkraft, die entgegen gesetzt wirkt, denn jeder Körper zieht den anderen zum Schwerpunkt des Systems, und welcher nun welchen umkreist, entscheiden die Massenverhältnisse. Diese newtonschen Kräftepaare gibt es in jedem Bezugssystem. Die Trägheitskraft wird hingegen nur im rotierenden BS zusätzlich (!) eingeführt. Aus den schon genannten Gründen.
Wenn man also z.B. sagt, die Gewichtskraft wird auf der rotierenden Erdoberfläche durch die Zentrifugalkraft vermindert, dann ist das völlig in Ordnung, aber man muss dazu wissen, dass es die Kraft im Sinne einer von der Erde abstoßenden Kraft nicht gibt, sondern es die Trägheit des Körpers ist, die tangential von der Erdkrümmung wegführt. Und daher nennt man die scheinbare Kraft zu Recht "Scheinkraft". Weil's nicht so ist, wie's aussieht.
Du wirst bei Fendt keinen Fehler finden. Seine Darstellungen entsprechen präzise der heute geltenden Physik bzw. der Mechanik. Und die steht auf dem Fundament Newtonscher Gesetze. Darüber kann und sollte man nicht streiten. Ob diese Gesetze bei hohen, "relativistischen" Geschwindigkeiten modifiziert werden, wie Einstein dies meinte, darüber kann man eher streiten. Und die ART ist ein ganz anderes Kaliber und hat in der Debatte gar nichts verloren.
Grüße
Harald Maurer