Trigemina hat geschrieben:Faber hat geschrieben:Die Rechnung führt vor, dass eine Schar äquidistanter Geraden, die parallel zur t-Achse im ungestrichenen System (x-t-Ebene) liegen auf eine Schar äquidistanter Geraden parallel zur t'-Achse im gestrichenen System (x'-t'-Ebene) abgebildet wird.
Was nützen äquidistante Teilstrecken, wenn darauf Ereignisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden?
Ich spreche nicht von Teilstrecken, sondern von Geraden. Die Geraden [ x_k , t ] sind Kurven in Parameterdarstellung in der x-t-Ebene (Der Parameter koinzidiert mit t). Eine jede Gerade repräsentiert eine Markierung. Fragt nun jemand, wo ist die Markierung M7 zum Zeitpunkt t = 9, dann suchen wir den Schnittpunkt der der Geraden [ x_7 , t ] und einer Parallelen zur x-Achse durch den Punkt t = 9 auf der t-Achse, fällen das Lot auf die x-Achse und finden x = x_7.
Trigemina hat geschrieben:Lies lieber mal bei Wiki nach wofür ein solches Minkowski-Diagramm gedacht ist. Es dient der formelfreien Erklärung für bewegte Systeme und fasst die 3 Raumkomponenten zu einer einzigen zusammen.
Nun, wir haben hier nur eine einzige Raumkomponente, nämlich x bzw. x'. Daher wäre das Minkowskidiagramm hier durchaus übersichtlich.
Trigemina hat geschrieben:Weisst du überhaupt dass wir uns im Garagensystem immer noch in Newtons Welt befinden? Auch dort können sich Ereignisse an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeitpunkten abspielen.
Natürlich weiß ich das.
Also: Wir haben (punktförmige) Objekte in der Raumzeit. Um deren Positionen vollständig anzugeben, müssen wir die Positionen für alle Zeiten angeben. In der x-t-Ebene erscheint dann ein jedes Objekt als eine Kurve.
Unsere äquidistanten Markierungen auf unserer x-Achse sind Objekte in der Raumzeit. Um deren Positionen vollständig anzugeben, müssen wir die Positionen für alle Zeiten angeben. In der x-t-Ebene erscheint dann eine jede Markierung als eine Gerade, parallel zur t-Achse, da die Markierungen sich nicht räumlich, d.h. in x-Richtung bewegen.
Die Kurven der Objekte nennt man nun Weltlinien.
Die Weltlinie der k-ten Markierung lautet in Parameterdarstellung:
M_k(τ) = [ x(τ), t(τ) ]
Hier gilt voraussetzungsgemäß: x(τ) = const. = x_k
M_k(τ) = [ x_k, t(τ) ]
Den Kurvenparameter τ kann man frei wählen. Der Bequemlichkeit halber wähle ich τ = t:
M_k = [ x_k, t ]
Da Sie nun die Unsitte eingeführt haben, solcherlei zu schreiben ...
K2: [ l, l/c ]
... übernehme ich diese Schreibweise:
M_k: [ x_k, t ]
Dementsprechend lautet der Ausgangspunkt meiner Rechnung für die Abstände Tor-Detektor:
K1: [ 0, t ] (hinteres Garagentor)
K2: [ l, t ] (Detektor in der Mitte der Garage)
K3: [ 2*l, t ] (vorderes Garagentor)
oder z.B. auch:
K1: [ -l, t ] (hinteres Garagentor)
K2: [ 0, t ] (Detektor in der Mitte der Garage)
K3: [ l, t ] (vorderes Garagentor)
Dies bedeutet, dass meine Rechnung Abstände für alle Zeiten liefert. Hätten wir es mit zueinander bewegten Objekten zu tun, dann ergäbe meine Rechnung zeitabhängige Abstände. Da wir das nicht haben, ergibt meine Rechnung konstante Abstände.
Sie hingegen rechnen nicht mit Weltlinien, die alle Zeiten berücksichtigen, sondern Sie rechnen mit willkürlich gewählten Punkten. Daher erhalten Sie ein willkürliches Ergebnis.
Der Abstand zweier Objekte in der Raumzeit ist allgemein zeitabhängig. Man erhält den Abstand für einen festen Zeitpunkt, indem man die beiden Weltlinien in der x-t-Ebene einträgt, und dann ein Lineal parallel zur x-Achse anlegt, so dass es durch den gewünschten Zeitpunkt auf der t-Achse verläuft.
Sie aber verwenden unterschiedliche Zeitpunkte, d.h. Sie legen Ihr Lineal willkürlich (und trickreich) schief in die Zeichnung. Es ist so, als hätten Ihrer Meinung nach zwei Parallelen beliebig viele Abstände. Man könne das Lineal in beliebigem Winkel anlegen. Ein so gemessener Wert sei ein Abstand.
In gewisser Weise ermitteln Sie einen "Abstand". Der von Ihnen ermittelte "Abstand" ist der räumliche Abstand zweier ungleichzeitiger Ereignisse in der x-t-Raumzeit. Man kann ihn als einen speziellen mathematischen Abstand im Vektorraum bezeichnen. Es handelt sich aber nicht um den physikalischen Abstand im Sinne von "Abstand zweier Objekte im Raum".
Der Ausgangspunkt Ihrer Rechnung ...
K1: [ 0, 0 ] (hinteres Garagentor)
K2: [ l, l/c ] (Detektor in der Mitte der Garage)
K3: [ 2*l, 0 ] (vorderes Garagentor)
... enthält konkret die Zeitdauer l/c, die die Lichtblitze benötigen. Bremst man aber die Lichtblitze, indem man sie durch ein Medium schickt, dann ändern sich Ihrer Rechnung nach die Abstände. Das kommt dadurch, dass Ihr Lineal dann verdreht wird. Ein solches Ergebnis ist physikalisch absurd. Außerdem liefert Ihr Ansatz verschiedene Ergebnisse in Abhängigkeit von der Position der Garage in bezug auf den Ursprung der x-Achse. Das aber sollte keine Auswirkung auf Vorgänge in der realen Welt haben.
Gruß
Faber
