Highway hat geschrieben:Eine Masse rotiert auf einer senkrecht zur Erde stehenden Kreisbahn (Looping) um das Zentrum Z. Die Gewichtskraft (grün) soll gleich groß der Zentripetalkraft (rot) sein.
Frage: Wieso fällt die Masse am höchsten Punkt nicht einfach zur Erde?
Das macht sie auch, wenn die Geschwindigkeit zu gering ist!
Nehmen wir an, es handelt sich um eine senkrecht rotierende Gondel, in welcher eine 100 kg schwere Person sitzt.
Diesem senkrecht rotierenden Karussell verleihen wir einen Radius von 10 m.
Die Fallbeschleunigung betrage 9,81 m/s².
Und die Geschwindigkeit v soll am höchsten Punkt etwa 10 m/s betragen.
Die Forderung, die Gewichtskraft möge gleich groß der Zentripetalkraft sein, ist verfehlt, weil hier die Gewichtskraft F_g bereits ein Teil der Zentripetalkraft F_zpetal ist. Die Zentripetalkraft ist stets die Summe aller hier auftretenden Kräfte. Dazu gehört auch die Kraft, mit welcher die Gondel gegen die Masse der Person gedrückt wird, weil sie ihr ständig die inertiale, tangentiale Bewegung abschneidet. Diese Kraft wollen wir Normalkraft F_n nennen. Sowohl die Gewichtskraft F_g als auch die Normalkraft F_n zeigen hier nach unten!
F_res = F_zpetal = F_n
oben + F_g = F_n
oben + mg
F_n
oben + mg = mv²_
oben/r
F_zpetal = mv²
oben/r
F_n
oben = mv²
oben/r-mg
Diese Normalkraft ergibt auch das Gewicht, das der Insasse der Gondel fühlt. Errechnet sich diese Kraft negativ, weil die Geschwindigkeit zu klein ist, heißt das, dass die Person aus der Gondel fällt und ihr die Gondel folgt... Wer das mit den gegebenen Größen durchrechnet, wird feststellen, dass in diesem Beispiel die Geschwindigkeit oben noch mindestens ca. 9,905 m/s betragen muss, damit die Person in der Gondel bleibt. Bei dieser Grenzgeschwindigkeit beträgt die F_n Null, d.h. die Person fühlt sich in diesem Moment am obersten Punkt schwerelos. Und das wird so mancher schon in einer Achterbahn_Looping gespürt haben.
Highway hat geschrieben:Gleiche Bedingung wie im vorhergehenden Beispiel. Masse, Bahngeschwindigkeit usw. ist alles identisch. Insbesondere sind Gewichtskraft und Zentripetalkraft gleich groß. Geänderte Situation: Die Masse befindet sich am tiefsten Punkt der Kreisbahn.
Frage: Wieso ist die Masse dort scheinbar schwerelos?
Diese Frage ist von vornherein falsch gestellt, weil die Masse hier auf keinen Fall schwerelos wird! Diesen Zustand hatten wir am oberen Punkt, unten tritt genau das Gegenteil ein. Die gleiche Bedingung kann auch nicht vorliegen, weil unten die Geschwindigkeit stets höher sein wird als am oberen Punkt. Aber ignorieren wir das der Einfachheit halber. Die Rechnung ist nicht viel anders, nur zeigen hier die Normalkraft F_n nach oben und die Gewichtskraft F_g nach unten. Demnach:
F_res = F_zpetal = F_n
unten - F_g = F_n
unten - mg
F_n
unten - mg = m v²
unten/r
F_zpetal = mv²
unten/r
F_n
unten = mv²
unten/r+mg
Wer's durchrechnet, wird feststellen, dass bei v=9,905 m/s am unteren Punkt keinesfalls Schwerelosigkeit auftritt, sondern die Person sich schwerer vorkommen wird, weil Gewichtskraft und Normalkraft zueinander wirken und der Druck zwischen Gondel und Person sich erhöht. Das kann mehrere g ausmachen.
Eine Achterbahn muss man daher so konstruieren, dass am oberen Punkt noch eine ausreichende Geschwindigkeit vorliegt und andererseits am unteren Punkt g's auftreten, die ein Mensch noch aushalten kann.
Das kann man alles vom rotierenden BS aus mit einer einzuführenden Zentrifugalkraft rechnen, wobei an der in diesem BS ruhenden Gondel bei jeder Umdrehung die Erde mit ihrer Gravitation vorbeikommt. Das macht die Sache nicht unbedingt viel einfacher.
Und auf die Fatasiephysik des Herrn Pernes gehe ich nicht ein, er kann ja diese Rechnung selbst auf seinen Motorradkäfig anwenden, um zu erfahren, dass die Zentrifugalkraft nicht die Rolle hat, die er ihr zuschreibt.
Grüße
Harald Maurer