fb557ec2107eb1d6 hat geschrieben:
Zur Belebung der Diskussion sind vlt. die folgenden Anmerkungen hilfreich.
Lege ich einen Stahlwürfel mit der Masse von 1kg auf eine ebene Tischplatte, dann bleibt er im Laborbezugssystem (Tisch) in Ruhe. Auf den Würfel wirkt eine Gravitationskraft von 9,81 kg m / s². Da der Würfel nicht in den Tisch einsinkt und in Richtung Erdmittelpunkt beschleunigt, muss auf ihn eine entsprechende Gegenkraft wirken. Der Tisch ist eine "Zwangsbedingung" und die Gegenkraft eine "
Zwangskraft". Wir haben ein statisches Kräftegleichgewicht.
Man möge sich nun die folgenden Fragen stellen und ggf. auch beantworten:
- Wodurch unterscheidet sich die Gravitatiosnkraft von der Zwangskraft (abgesehen von der Richtung)?
- Wodurch unterscheidet sich eine Trägheitskraft (Scheinkraft) von einer Zwangskraft?
- Wodurch unterscheidet sich die Gravitationskraft von einer Trägheitskraft (Scheinkraft)?
Wer sich diese offensichtlich zielgerichteten Fragen überlegt, kommt zu folgenden Antworten:
Der jeweilige Unterschied hängt vom speziellen Fall ab.
Bei dem hier diskutierten speziellen Fall eines Kreisbahn-Umlaufs einer Masse gilt, wenn man die Wikipedia-Definition der Zwangskraft (Zwangskraft steht senkrecht zur Bahnkurve, Masse wird auf Bahnkurve gehalten) zugrunde legt:
1. Bei Kreisbahn ist die Gravitation eine Zwangskraft, da sie senkrecht zur Bahnkurve wirkt, und verhindert, daß die Masse von der Bahn nach aussen abweicht.
2. Bei Kreisbahn ist auch die dabei auftretende Trägheitskraft, also die Zentrifugalkraft, eine Zwangskraft, da sie senkrecht zur Bahnkurve wirkt, und verhindert, daß die Masse nach innen von der Bahn abweicht.
Die Zentrifugalkraft ist demnach als Zwangskraft hier keine Scheinkraft.
3. Bei Kreisbahn sind Gravitationskraft und Zentrifugalkraft zueinander entgegengesetzt gerichtet und im Gleichgewicht. Deshalb müssen beide Kräfte von der gleichen Kategorie sein: Echte, reale physikalische Kräfte vom Typ Zwangskraft. Eine Scheinkraft ist deshalb hier auszuschließen.
Als weiteren Beweis für die gleichrangige Bedeutung von Zentripetalkraft und Zentrifugalkraft als Zwangskräfte bei Kreisbahn ist ihre gleichbleibende, von der Zeit unabhängige Größe, so daß sie keine Arbeit verrichten, beim Kreisumlauf also die Energie gleichbleibt.
Dies alles gilt für alle Bezugssysteme.
Die drei Fragen von fb557… sind deshalb mit der logischen Konsequenz zu beantworten, daß es bei einem Kreisbahn-Umlauf keinen Unterschied zwischen der Gravitationskraft und der Zentrifugalkraft hinsichtlich ihrer Bedeutung als echte, reale, physikalisch zwingend erforderliche Zwangskräfte gibt.
Die Zentrifugalkraft ist deshalb keine Scheinkraft, sondern eine echte, reale, physikalisch zwingend erforderliche Zwangskraft wie die Zentripetalkraft bzw. die Gravitationskraft auch.
Vielen Dank, fb557…, für Deine wirklich hilfreichen Anmerkungen: Sie haben eine deutliche logische Konsequenz zugunsten der Zentrifugalkraft und gegen die Scheinphysik von Ernst und Co.
Diese faire Argumentationshilfe von seiten eines Relativisten verdient Respekt und Anerkennung.
Zum Dank dafür will ich hier (als Revanchehilfe) noch festhalten:
fb557ec2107eb1d6 hat geschrieben:
Im ruhenden Labor messe ich mit der Federwaage die Gravitationskraft. Im Sessel des Karussells messe ich mit der Federwaage die Summe aus Gravitationskraft und Zentrifugalkraft (nicht Zentripetalkraft). Warum soll also die Zentrifugalkraft weniger real sein, als die Gravitationskraft? Ich kann sie rein messtechnisch nicht unterscheiden.
Und hierzu die sehenswert dümmlich-arrogante Antwort von Ernst:
Ernst hat geschrieben:
Nanu. Bei Dir erstaunt mich solche Ungereimtheit, um nicht zu sagen physikalische Unbedarftheit. Es sollte physikalisch etwas Bewanderten wohl bekannt sein, daß die Gravitation eine eingeprägte Kraft liefert, die im Falle der Planetenrotation in Form der Zentripetalkraft auftritt. Die Zentrifugalkraft dagegen gehört in die Kategorie der Schein- bzw. Trägheitskräfte, die real nicht existierend als Berechnungsterm in beschleunigten Bezugssystemen verwendet werden. Und da meinst Du, so ein Rechenterm wäre real und ließe sich messen? Trägheitskräfte sind naturgemäß nicht meßbar. Trägheitskräfte sind nämlich mathematische Ausdrücke, welche mit realer Kraft nichts gemeinsam haben. Sie besitzen insbesondere auch keine Reaktionskräfte. Alles 1x1 der Mechanik.
Wie ersichtlich, sind die Anmerkungen von fb557… auch als geistreiche Revanche an Ernst für dessen dümmlich-arrogante „Belehrungen“ anzusehen. Auch dafür sei fb557… gedankt.
Mit freundlichen Grüßen
L. Pernes