06.08.2008 - Antwort von Prof. Dr. Gerd Litfin: http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2008/ ... lekeating/
Sehr geehrter Herr Regierungsdirektor Friebe,
anbei schicken wir Ihnen hiermit (mit Verzögerung bedingt durch Sitzungs- und Urlaubszeiten) die Antwort des zuständigen Fachverbandes.
Dieser kommt zu folgendem Resultat: Die Ergebnisse von Hafele/Keating befinden sich erstens – innerhalb der Fehlergrenzen der damaligen Uhren – in Übereinstimmung mit den Vorhersagen aus Spezieller und Allgemeiner Relativitätstheorie. Zweitens wurden sie immer wieder mit wachsender Genauigkeit bestätigt. Es gibt nicht den leisesten Zweifel, dass die Ergebnisse der Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie falsch sein könnten. Zusammenfassend stellt der Fachverband damit fest: Die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie ist in tausenden von Hochpräzisions-Experimenten immer besser bestätigt worden. Viele Technologien des täglichen Lebens funktionieren nur, weil die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie richtig berücksichtigt wurde. Es kann keinen Zweifel an der Gültigkeit dieser Theorien im Rahmen der heutigen Messgenauigkeit geben.
Es wäre in der Tat hoch interessant zu erfahren, wie Ekkehard Friebe und G.O. Mueller vergeblich darum gebeten haben, welche Mitglieder des Fachverbandes Gravitationsphysik in diesem (nicht mitgelieferten) Prüfungsbericht noch 2008 der Auffassung waren, „es kann keinen Zweifel an der Gültigkeit dieser Theorien im Rahmen der heutigen Messgenauigkeit geben“.
Inzwischen wurde nämlich von hochqualifizierten Wissenschaftlern des CERN und auch von allen etablierten Medien bekannt gegeben, dass es sehr wohl Zweifel an der Gültigkeit der Theorie geben darf – wie die Kritiker übrigens es seit 100 Jahren sagen. Zweifel und Hinterfragung dieser Theorie sind ja auf einmal salonsfähig und "politically correct" über Nacht geworden.
Es wäre für die Öffentichkeit legitim und äußerst interessant nach der überraschenden Entwicklung der CERN-Forschung zu erfahren, welche Wissenschaftler bei der DPG noch 2008 der Meinung waren, dass die Theorie über alle Zweifel erhaben ist, oder? Oder trauen sich diese Wissenschaftler heute wie damals nicht, ihre eigenen Auffassungen unter ihren eigenen Namen zu schreiben, zu begründen und zu verantworten?
Wo bleibt also dieser Prüfungsbericht des Fachverbandes Gravitationsphysik?
Wie viele und welche Mitglieder waren beteiligt?
Warum wurde der Bericht 2008 mit der Antwort nicht mitgeliefert?
Warum hat Prof. Dr. Wolfgang Sandner bei der 2. Anfrage 2010 nicht einfach den Bericht aus dem Jahr 2008 seines Gravitationsverbands ausgegraben und als Beantwortung der Anfrage geschickt? Die Prüfung der Anfrage hatte nun mal angeblich schon einmal stattgefunden.
Die Grundlagenforschung in der Physik kostet den Steuerzahlern Jahr für Jahr öffentliche Gelder in Milliardenhöhe. Die Steuerzahler haben also sehr wohl einen Anspruch darauf zu erfahren, welche führende Wissenschaftler und Entscheidungsträger noch 2008
(und vielleicht heute noch?) die Auffassung vertreten, dass es „nicht den leisesten Zweifel gibt“, dass die Ergebnisse der Relativitätstheorie falsch sein könnten. Halten dann die Wissenschaftler, die diese Auffassung vertreten, etwa die Mitarbeiter des CERN auch für „cranks“?
Wo bleibt also der von Präsidenten der DPG zitierte Prüfungsbericht des Gravitationsverbandes, der zwischen Mai und August 2008 („mit Verzögerung bedingt durch Sitzungs- und Urlaubszeiten“) auf diese klare Festellung gekommen ist?. Haben die Unterzeichner heute ihre Meinung darüber revidiert, dass es doch Zweifel an der Relativitätstheorie geben darf, oder bestehen sie immer noch darauf, dass es nicht den leiseste Zweifel geben kann? Ich glaube schon, dass die DPG zur Weitergabe dieses Berichts verpflichtet ist: Das öffentliche Bildung- und Forschungssystem ist keine private Veranstaltung. Oder doch?
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
