Bruno hat geschrieben:Moin scharo,
lass dich nicht von Ernst und Faber beirren:
Hören Sie nicht auf Bruno, scharo. Unten folgt der Beweis.
Bruno hat geschrieben:Diese Zusatzkräfte, nämlich die Führungskraft Kf =- mbf und die Corioliskraft KC =-mbC = - 2mw x vr greifen für den Beobachter „scheinbar" noch an der Masse m an. Sie sind keine wirklichen Kräfte im Sinne der Mechanik, da sie ja von der Beschleunigungsseite des Schwerpunktsatzes herrühren. Sie kompensieren den Fehler, den der Beobachter begehen würde, wenn er im Schwerpunktsatz die absolute Beschleunigung b durch die relative br ersetzte.
K.-A. Reckling, Mechanik III - Kinetik und Schwingungslehre, Vieweg, Braunschweig, 1970, S.83
In unserem Beispiel mit der rotierenden Scheibe, auf der eine Kugel entlang einer radialen Schiene gleitet, verhält es sich so: Eine mechanische Kraft kann nur zwischen Scheibe (bzw. Schiene) und Kugel wirken. Da die Kugel ideal reibungsfrei entlang der Schiene gleiten kann, verschwindet die radiale Komponente der mechanischen Kraft. Die resultierende mechanische Kraft wirkt daher garantiert in tangentialer Richtung. Wenn die Scheibe mit konstanter Winkelgeschwindigkeit rotiert, ist die Eulerkraft (in tangentialer Richtung aufgrund Änderung der Winkelgeschwindigkeit) null.
Gäbe es nun keine mechanische Corioliskraft, dann würde überhaupt keine Kraft auf die Kugel wirken. Die kräftefreie Kugel würde sich inertial bewegen. D.h. die Trajektorie der Kugel wäre auch aus einem Inertialsystem betrachtet geradlinig (von der rotierenden Scheibe aus betrachtet ist die Trajektorie der Kugel wegen der Schiene sowieso geradlinig). Weil keine mechanische Kraft wirken würde, würde insbesondere auch die konstante Winkelgeschwindigkeit der Scheibe konstant bleiben.
Vergleichen wir nun mit der geworfenen Kugel aus dem anderen Beispiel aus Ihrem Lehrbuch: Die geworfene Kugel fliegt kräftefrei, inertial. Der Beobachter, der die Kugel vom Scheibenmittelpunkt aus abgeworfen hat, sieht aber eine um die Kurve fliegende Kugel.
Das ist ein Widerspruch. Wenn die Schiene die Trajektorie der Kugel ändert, dann wirkt auch eine mechanische Kraft zwischen Schiene und Kugel. Folglich ist die Corioliskraft eine reale, mechanische Kraft.
Gruß
Faber
