Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 11:05

Hallo Joachim,

Joachim hat geschrieben:Naja, es ist halt eine frage der Zweckmäßigkeit.

Sicher. Wir berücksichtigen bei der Auslegung unserer stationären Turbinen ja auch nicht die Erdrotation (Vernachlässigung der Kreiselkräfte). Und in der Getriebelehre ist der kinematische Bezug auf rotierende Bauteile ein unverzichtbares Konstruktionswerkzeug.

Nun kann man ja aber nicht sagen, die Differnz der absoluten Umfangsgeschwindigkeiten (Rotation ist absolut) von Oslo und Kairo sei vernachlässigbar klein. Ein Ballistker, der eine Kanonenkugel aus Oslo stur in Richting Kairo abfeuert, wird eher Rio de Janeiro treffen. Da wäre die Verwendung der Erde als Bezugssystem wohl mehr als zweifelhaft ;)

Wenn man kinematisch die Erde als Bezugssystem verwendet, worin dann Oslo und Kairo zueinander unbewegt sind, dann rotiert der gesamte Weltallinhalt um dieses Bezugssystem Erde. Wer die Aussage trifft, Oslo und Kairo seien zueinander unbewegt, der muß auch sagen, die Sterne bewegen sich mit x-fachem c. Wer A sagt muß auch B sagen. Physikalisch sind beide Aussagen falsch (siehe Kanonenkugel, Sterne mit n*c).

Joachim hat geschrieben:Oder indem man zusätzliche Korrekturen für die Bahnen nicht beschleunigter Körper einbringt. Diese Korrekturterme können mit den Scheinkräften "Corioliskraft" und "Zentrifugalkraft" identifiziert werden.

Offenbar habt Ihr Physiker Probleme mit den Definitionen der Technischen Mechanik. Natürlich kann man entsprechend vorgehen (wenn ich auch keinen Sinn darin sehe). Aber verwende dazu dann einen anderen Begriff für diese Kraft, die real gar nicht da ist, meinetwegen Virtuelle Kraft.
Verboten sind in diesem Zusammenhang die Begriffe Scheinkraft, Coriolislraft, Fliehkraft.
Denn Scheinkräfte sind entgegen iher mißglückten Bezeichnung nicht scheinbar, sondern ganz real!
Scheinkraft ist nur eine andere Bezeichnung für stinknormale Trägheitskraft.
Trägheitskräfte (Scheinkräfte) sind reale Kräfte.
Die Corioliskraft ist wie die Fliehkraft eine Trägheitskraft (Scheinkraft) und damit ganz real.

Alle diese Kräfte sind meßbar. Deine Virtuelle Kraft ist nicht meßbar, da sie nur ein mathematisches Hilfsmittel ist.

Gruß
Ernst
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Gerhard Kemme » Do 12. Mär 2009, 11:20

Joachim hat geschrieben:
Ernst hat geschrieben:Zur Kinematik:
Ich bleibe dabei, daß die Kinematik aus einem rotierenden Bezugssystem heraus physikalisch unrealistische Ergebnisse liefert.

Diese Korrekturterme können mit den Scheinkräften "Corioliskraft" und "Zentrifugalkraft" identifiziert werden. Unrealistisch ist das eigentlich nicht, denn die Körper überstreichen auf der Erdoberfläche ja tatsächlich gekrümmte Linien. Aber es sind natürlich keine Kräfte im eigentlichen Sinne, sondern Auswirkungen des linearen Relativitätsprinzip, nach dem ein kräftefreier Körper in einem Inertialsystem (und nur in einem Inertialsystem) geradlinig, gleichförmig unterwegs ist.


Dass man mathematische Modelle der physikalischen Realität ersinnen kann, ist unbestritten. Ob ein solches Modell dann zweckmäßig und sinnvoll ist, muss jeweils geprüft werden. Wobei das, was für die mathematische Beschreibung von Passatwinden zweckmäßig und angemessen ist, nicht einfach auf die Bewegung von Automobilen auf der Autobahn übertragen werden kann, sollte klar sein, d.h. es kommt immer auch auf den "Nahbereich" an und die Auswahl der mathematischen Instrumente ist abhängig von der Größenordnung des betrachteten Gegenstandes.
Allerdings wird aus der Rechnung mit Korrekturtermen nicht plötzlich aus einer realen Kraft eine Scheinkraft. Die Zentrifugalkraft ist eine Trägheitskraft und als solche stellt sie eine real existierende Gegenkraft dar, die man konkret fühlen kann, wenn man einen Ball aus seiner bisherigen Bewegungsrichtung bringen will.
Der Grundfehler ist, dass aus der Möglichkeit, physikalische Phänomene als Anlass für mathematische Modellbildungen zu nehnmen, nunmehr dann andersherum die Aussage gemacht wird, dass sich die physikalischen Realitäten nach zuvor entwickelten mathematischen Modellen richten würden. Nach solcher Methodik hat man es real dann plötzlich mit verkürzten Längen und gekrümmten Räumen zu tun. Es gibt keine Längenkontraktion, Zeitdilatation oder Raumkrümmung, sondern es handelt sich hier um Begrifflichkeiten, innerhalb von mathematischen Modellbildungen, die nicht plötzlich auf die physikalische Realität rückübertragen werden können. Wenn Gegenstände in einem Hohlspiegel als Zerrbild abgebildet werden können, dann heißt es nicht im Umkehrschluss, dass diese Gegenstände nun selber diese verzerrten Proportionen aufwiesen.

mfg
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Gerhard Kemme » Do 12. Mär 2009, 11:37

Joachim hat geschrieben:Als Trägheitskraft wird manchmal der linke Term bezeichnet. Aber dieser Term ist eben keine Kraft, sondern die Wirkung der nicht ausgeglichenen Kraft.

Genau: Ursache und Wirkung oder actio=reactio oder zutreffend und dem Sprachgebrauch entsprechend:
Kraft gleich Gegenkraft
Die Gegenkraft ist immer vorhanden und auch real, d.h. messbar und fühlbar. Die Begriffsbildung Scheinkraft bezüglich einer Trägheitskraft stellt eine Irreführung dar.

Wenn man im Rahmen einer konkreten Aufgabenstellung eine mathematische und sonstwie beschreibende Modellierung eines physikalischen Phänomens vornimmt, dann wird man manchmal für die eigene Denkwelt mit obskuren Begriffsbildungen arbeiten. Dies wird allerdings zum Fehler, wenn man aus der eigenen Spezialsichtweise nunmehr irreführende Begriffe auf die Allgemeinheit rückübertragen will.

mfg
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Jocelyne Lopez » Do 12. Mär 2009, 13:07

Sebastian Hauk hat geschrieben:Hallo Frau Lopez,

Eine Schein-Version findet sich S. 903: “Ein starrer Körper, welcher in ruhendem Zustande ausgemessen die Gestalt einer Kugel hat, hat also in bewegtem Zustande - vom ruhenden System aus betrachtet - die Gestalt eines Rotationsellipsoides …” Im übernächsten Absatz wird die Reziprozität ausdrücklich festgestellt.


Einstein hat auch festgestellt, dass es in der SRT keine starren Körper geben soll. Denn sonst wäre im Grunde Überlichtgeschwindigkeit möglich. Und dieses spricht m.E. für eine reale Längenkontraktion.

Und hier ist auch ein schöner Link zu dem Thema:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_S ... Ignatowski

wurde sowohl Ignatowskis dynamische Interpretation der Längenkontraktion und überhaupt die Idee eines starren Körpers im Rahmen der SRT aufgegeben.[4]


Wobei in dem Link im Grunde steht, dass die Längenkontraktion scheinbar ist, weil es keine starren Körper gibt. Ist halt alles sehr verwirrend.


Das ist halt seit Jahrzehznten verwirrend, weil es in der Theorie selbst als Verwirrung bzw. als Widerspruch verankert ist und diese Widersprüche nie diskutiert wurden, geschweige denn von ausgeräumt. :(

Siehe zum Beispiel G.O. Mueller, Seite 102-103:

Zitat G.O. Mueller:

Albert Einstein behauptet, die SRT "stützt sich ... auf die Kinematik des starren Körpers", und Max v. Laue behauptet, "Die Annahme eines starren Körpers ist mit der [speziellen] Relativitätstheorie unverträglich"

Der Widerspruch bezüglich starrer Körper zwischen AE 1905 (S. 892), und M. v. Laue 1913 (S. 50), betrifft eine Grundbedingung der Theorie und hat Folgen für die behaupteten Effekte der Längenkontraktion und der Zeitdilatation, für die Reziprozität und die Realität oder Scheinbarkeit dieser Effekte.

Der Widerspruch zwischen Albert Einstein und Max v. Laue ist bisher weder von den beiden Protagonisten selbst noch von den nachfolgenden Relativisten zur Kenntnis genommen und daher auch nicht bereinigt worden. Dieser Widerspruch stellt - wie immer er vom Leser aufgelöst wird, und solange er in der Fachdiskussion nicht in einem Konsens bereinigt wird - die Ursache für weitere widersprüchliche Deduktionen dar und ist ein starker Anhaltspunkt für die Annahme eines grundsätzlichen Theoriefehlers, und bis zum Beweis der einen oder der anderen Alternative (Starrheit gegeben und grundlegend oder geleugnet, weil unverträglich) ist dieser Widerspruch selbst der Beweis für den Theoriefehler: dieser besteht im widersprüchlichen ontologischen Status der behaupteten Effekte.

Die Annahmen über die Existenz oder Nicht-Existenz von starren Körpern ist nur eine andere Auswirkung der von Albert Einstein erfundenen Kombination von "ist" und "scheint" für dieselben Vorgänge in seiner Urkunde von 1905: manchmal "ist" bei Albert Einstein eine Länge verkürzt (S. 896: daß sie [die Länge] von l verschieden ist), und manchmal "erscheint" sie verkürzt (S. 903: erscheint verkürzt; schrumpfen ... vom ruhenden System aus betrachtet).

M. v. Laue bestreitet den starren Körper, weil dieser natürlich Probleme für die behauptete Längenverkürzung bereitet, und weil er selbst die Verkürzung als real und mit der Elastizität der Körper erklären will (S. 45).

Da der Urheber der Theorie sich nicht entscheiden wollte oder konnte, nehmen die Nachfolger von diesem Widerspruch ostentativ keine Notiz, sondern jeder sucht sich eine Version aus und tut gegenüber seinem Publikum so, als sei es die einzig mögliche, weshalb die Relativistik voller widersprechender Darstellungen ist. - Diese geradezu programmatische Widersprüchlichkeit der Relativistik dient als willkommene Tarnung ihrer Hinfälligkeit und zur Verhinderung einer effektiven Kritik durch eine vielfach schillernde Darstellungswelt; dieser Sachverhalt ist von den Kritikern verhältnismäßig selten thematisiert worden, weil die meisten Kritiker naiverweise glauben, es müßte nur endlich eine physikalische Problematik richtiggestellt werden.

Das eigentliche soziale Sicherungssystem der Relativistik durch Widersprüchlichkeit und Desinformation bis zur Unterdrückung der Kritik sehen nur einige der Kritker. Wo aber Kritiker diese soziale Absicherungsstrategie der Theorie erkennen, fallen ihre Stellungnahmen besonders bitter aus. Beispiele: Gehrcke 1924, Hundert Autoren gegen Einstein 1931, Hjort 1930-1934, Soddy 1954, Barth seit 1954, Rudakov 1981, Santilli 1984, Bourbaki 1990, Galeczki/Marquardt 1997.

Widersprüche zwischen Behauptungen von maßgeblichen Relativisten sind die Regel: sie gehören gewissermaßen zur Grundausstattung der SRT. - Die allgegenwärtigen Widersprüche der SRT sind folgendermaßen zu unterscheiden:

(1) Widersprüche zwischen den eigenen Behauptungen Albert Einsteins zur SRT;
(2) Widersprüche zwischen den Behauptungen Albert Einsteins zur SRT und zur ART;
(3) Widersprüche zwischen Behauptungen Albert Einsteins und seinen repräsentativen
Anhängern, Nachfolgern und Interpreten;
(4) Widersprüche zwischen den Aussagen der verschiedenen relativistischen Interpreten.

Dieser Wald von Widersprüchen verbirgt nicht nur den Ruin der Theorie vor den Augen der ahnungslosen Öffentlichkeit; er erschwert es auch der Kritik, eine öffentliche Diskussion der Relativistik zu veranlassen, weil jedes Argument der Kritik von den Relativisten mit dem Hinweis auf irgendeine irgendwo vertretene gegenteilige Position beantwortet werden kann, die es ja auch tatsächlich gibt! Es gibt nur keine widerspruchsfreie Theorie.

Insgesamt ist also die Vielzahl der Widersprüche ein wunderbarer Nebel, ein Schutzschild aus Desinformation und die einzige vorläufige Rettung der Theorie und ihrer Vertreter vor der öffentlichen Blamage, weshalb auch Relativisten nichts unternehmen werden, das Bild ihrer Theorie von den Widersprüchen zu befreien. Stattdessen versichern sie mit Vorliebe: Es gibt keine Widersprüche in der Theorie!


Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 13:31

Hallo Joachim,

Ernst hat geschrieben:
Trägheitskräfte (Scheinkräfte) sind reale Kräfte.
Eben nicht.

Natürlich unterscheidet sich die Trägheitskraft im physikalischen Sinne von der eingeprägten Kraft. Aber deshalb sind doch beides Kräfte. Und zwar real wirkende Kräfte. actio = reactio wurde ja schon erwähnt. Bedeutet Kraft = Gegenkraft.

Aber dieser Term ist eben keine Kraft, sondern die Wirkung der nicht ausgeglichenen Kraft.

Und deshalb ist das ein Anachronismus. Die Wirkung einer nicht ausgeglichenen Kraft kann nur wieder eine Kraft sein. Und ist sie auch.
Richtig wäre:

Aber dieser Term ist keine eingeprägte Kraft, sondern die Wirkung der nicht ausgeglichenen Kraft, die man Trägheitskraft (unzutreffend auch Scheinkraft) nennt. Beide diese Kräfte haben eine reale Wirkung.

Die Trägheitskraft spürst Du, wenn Du in Deinen airbag knallst, was hoffentlich niemals geschieht. Und die Corioliskraft zerkratzt Dein Auto an der Leitplanke, solltest Du jemals auf einer rotierenden Autobahn fahren ;)

Schön, dass wir wieder miteinander sprechen.

Wenn die Bewertung meiner Meinung hier nicht am anderen Ort erfolgt... ;)

Gruß
Ernst
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Re: Coriolis und Kinematik

Beitragvon scharo » Do 12. Mär 2009, 15:00

Lieber Ernst,

„In beiden Fällen jedoch entstehen die Effekte durch zeitliche Positionsänderung auf der Scheibe mit einer Radialkomponente.“

Ja, schon, sie sind aber wesensungleich. Im einen Fall handelt es sich um eine optische Täuschung infolge Beobachtung aus dem mitgedrehten Bezugssystem – keine Kraftwirkung. Im anderen um eine Kraftwirkung infolge einer Beschleunigung – keine optische Täuschung.

„Die können wir daher wegen fehlender radialer Bewegungskomponente ausklammern. Es ist einfach eine Trägheitskraft infolge zunehmender Umfangsgeschwindigkeit auf dem festen Radius infolge einer Winkelbeschleunigung der Scheibe. F=m*r*dω/dt. Die Corioliskraft dagegen entsteht schon bei gleichförmiger Rotation. Also dies ist eine andere Trägheitskraft als die Corioliskraft.“

Das werde ich Dir nicht abkaufen. Beide Kräfte sind identisch und mit identischer Ursprung. In beiden Fällen findet eine Impulsübertragung infolge wechselnder Geschwindigkeit = Beschleunigung. Es ist auch mathematisch das Gleiche – einmal hast Du Geschwindigkeitsänderung = Beschleunigung r*dw/dt, einmal dr*w/dt – beide = a. In beiden Fällen muss Du auch die Zentripetalbeschleunigung dazurechnen. Messen wirst Du auch identische Kraft, nämlich die Vektorsumme aus der tangentialen Beschleunigungskraft und Zentripetalkraft (Zentralkräfte) = Trägheitskraft & Zentrifugalkraft (Scheinkräfte).
Die Gedanke, Coriolis sollte nur bei einer dr heißen, würde bedeuten, dass auch die Änderung der Zentripetal- und Zentrifugalkraft in Abhängigkeit von r, Coriolisänderung heißen.

„Zurück zu Deinen beiden Fällen der Paradebeispiele. Sie sind eigentlich qualitativ inhaltsgleich. Es ensteht eine Kraft infolge Radialbewegung auf der Scheibe.“

Absolut unzutreffend! In dem einen Fall entstehet keine Kraft, keine Wechselwirkung, im anderen entsteht eine reale, messbare, Beschleunigungskraft &Trägheitskraft, die auch so heißt.
Wieso muss man diese bekannte Beschleunigungskraft & Trägheitskraft, Corioliskraft benennen? Dagegen existiert für die andere scheinbare Kraft (Effekt) kein sonst bekannter Name. Wenn der erste Fall gelten sollte, dann hat Coriolis das Rad neu erfunden. Daher auch meine Behauptung, Überzeugung, dass der zweite Fall (Scheineffekt) Coriolis heißt, heißen sollte.

„Das ist auch die Situation bei der Luftbewegung um ein Hoch/Tief. Wird der Kraftschluß zu Null, dann wird auf den Stein überhaupt keine Corioliskraft übertragen. Die Beschleunigung ist Null und der Stein behält stets eine konstante Umfangsgeschwindigkeit (Null, wenn er aus dem Zentrum startet). Er bleibt maximal auf der Scheibe zurück.“

Außer eine 1 für Rhetorik, ist diese Folgerung unhaltbar und besagt: Keine Kraft ist eine Kraft. :lol:

Es ist eindeutig, und glaube keiner kann eine abweichende Meinung stichhaltig vertreten, dass Beschreibungen, in denen beide Kräfte als Corioliskraft dargestellt werden, falsch sind.
Die Frage ist: Was steht in der Originalarbeit von Coriolis? Wer und mit welcher Begründung welche Kraft als Corioliskraft eingeführt hat.
Ich hätte nichts dagegen, wenn man beide Phänomene als Corioliseffekt zusammenfassen würde, aber eine stinknormale und bekannte Beschleunigungskraft und eine optische Täuschung als eine gleiche Art Kraft nach Coriolis zu benennen, finde ich schon aberwitzig.

„Und deshalb hast Du mich mit Deinem Buch so in Rage gebracht.“

Nein, nein, das Buch ist sogar sehr gut, ich habe nicht alles zitiert – dort folgt auch die Berechnung, die den andren Fall beschreibt – eben wie in allen Bücher = s.o. Widerspruch.
Nachdem ich gegoogelt habe, kann ich mich nicht wundern, dass Du und andere eine andere Meinung, bzw. Formulierung für die Corioliskraft hast. Für mich stand im Kopf aber die ursprüngliche Erklärung über eine nicht existierende Kraft, da ich für die reale „Corioliskraft“ einen anderen klassischen Name kenne und sie umzubenennen ergibt keinen Sinn.


Relativgeschwindigkeit:
„Ich bleibe dabei, daß die Kinematik aus einem rotierenden Bezugssystem heraus physikalisch unrealistische Ergebnisse liefert.“

Vielleicht, weil Du damit nicht umgehen kannst: Was Du da mit x-facher c beschreibst, ist einfach falsch, weil Du das Bezugssystem falsch auslegst. Du denkst Dir eine Koordinatensystem mit den üblich ausgelegten Achsen. Das trifft nicht zu, da Du eine willkürliche Richtung der Achsen Dir vorstellst.
Bei Geschwindigkeitsbestimmung zwischen zwei Punkten existiert eine einzige Achse, die die einfache Gerade zwischen den Punkten darstellt. Denke an meine Formulierung – Abstandsänderung pro Zeiteinheit.
Und in Vektordarstellung: Die Momentangeschwindigkeit für infinitesimale Zeitdauer ergibt den Ortsvektor, dessen Anfang in einem der beiden Punkte liegt und dessen Richtung exakt auf der einfachen Geraden zwischen beiden Punkten liegt. Eine andere Vektor-Richtung einer Relativgeschwindigkeit existiert nicht. Bei ungleichmäßigen Bewegungen wird eine Summe aus vielen Vektoren gebildet und durch den Anzahl dieser Vektoren geteilt – so bekommt man die Durchschnittsgeschwindigkeit.
Das, was Du dir als Geschwindigkeit eingebildet hast, hat mit Relativgeschwindigkeit nichts zu tun, es ist nur eine Positionsbestimmung relativ zu einem beliebigen Koordinatensystem, dessen Achsen einen dritten Punkt benötigen. Somit hast Du eine andere Richtung des Vektors (nicht auf der Verbindungslinie) in Abhängigkeit von der Bewegung dieses dritten Punktes. So kannst Du natürlich unsinnige Geschwindigkeiten herausfinden.
Genau diesen Fehler machst Du auch bei der Beurteilung der Relativgeschwindigkeit zwischen Erdbeobachter und Geo-SAT. Du legst Dir ein gedachtes Bezugssystem, dessen X-Achse z.B. zwischen als unbewegt angenommene Mittelpunkt der Erde und ein genauso unbewegtem imaginären Punkt im Raum liegt und misst relative Geschwindigkeiten zu diesem willkürlichen BS, aber zu keiner Zeit die Relativgeschwindigkeit zwischen den gefragten zwei Punkten. Die Differenz beider Geschwindigkeiten, die Dich veranlasst an einer Relativgeschwindigkeit zu denken, ist eine Differenz relativ zu diesem anderen BS. Würdest Du die Differenz zwischen beiden Punkten herausfinden wollen, muss Du diese zwei Geschwindigkeitsvektoren auf einen gemeinsamen Nenner bringen – in dem Fall muss Du das Bezugssystem drehen – und am Ende wirst Du genauso keine Relativgeschwindigkeit zwischen den Punkten bekommen.

So wird auch Geschwindigkeit gemessen – ein Wege-, Abstandsmaß oder Radarstrahl immer auf der Verbindungslinie gelegt und eine Uhr.

Liebe Grüße
Ljudmil
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 15:56

Hallo Joachim,

Joachim hat geschrieben:Es gibt aber beim Corioliseffekt gar keine Kräfte. Der Körper fliegt einfach geradeaus und nur im rotierenden Koordinatensystem ist er Beschleunigt, weshalb man nach F=ma eine scheinbare Kraft angeben kann.

Ich geb´s jetzt auf. In Euren Physikbüchern steht wohl überall der gleiche Stuß. Oder Ihr habt alle das selbe falsche Buch.

Nein :!: , was Du beschreibst, bezeichnet man in der Mechanik eben nicht als Corioliskraft. Denn dort tritt natürlich keine Kraft auf. Die Corioliskraft ist die Kraft, die auf eine Kugel wirkt, die auf einer radialen Rinne auf der Scheibe mit v_r (Radialgeschwindigkeit auf der Scheibe)von innen nach außen rollt. Und die Kraft macht, daß die Kugel eben nicht im Raum geradeaus fliegt, sondern von der Scheibe in Umfangsrichtung mitgenommen wird. Dazu muß auf die Kugel eine Kraft in Umfangsrichtung ausgeübt werden. Für den nicht mitrotierenden Beobachter beschreibt die Kugel eine Kurve. Durch die Mitnahme wird die Kugel "ganz echt" von der Umfangsgeschwindigkeit auf dem Innenradius auf die Umfangsgeschwindigkeit auf dem Außenradius beschleunigt. Auch der Betrag der Umfangsgeschwindigkeit der Kugel ändert sich (Beschleunigung)

Anders ist es mit der tatsächlichen Kraft, die man aufbringen muss, um ein Objekt auf einer Kreisbahn zu halten. Bei der Schleuder zieht das Seil in beide Richtungen. Die Zentripetalkraft hält den Körper auf der Kreisbahn und sorgt für seine Beschleunigung. Die Zentrifugalkraft (hier eine echte Kraft) wirkt auf die Rotationsachse. Das bedeutet actio=reactio:

Nein, das ist genau das gleiche. Die Zentrifugalkraft bewirkt, daß eine Kugel, am Seil rotierend, nicht geradeaus fliegt sondern auf der Kreisbahn gehalten wird. Nur die Richtung der Geschwindigkeit ändert sich (Beschleunigung).

Es gibt da zwischen Flieh- und Corioliskraft keinen qualitativen Unterschied. Beides sind "echte" reale Trägheitskräfte, die gleichermaßen bei der Konstruktion z.B. von Fördermaschinen bezüglich der Materialfestigkeit und Funktionalität relevant sind.

Die Verwirrung entsteht auch aus einem Manko in den Bezeichnungen.
Bei der Fliehkraft wird die eingeprägte Kraft als Zentripetalkraft bezeichnet und die reaktive Trägheitskraft als Zentrifugalkraft .
Leider ist sind mit Corioliskraft gleichermaßen die eingeprägte Kraft als auch die reaktive Trägheitskraft bezeichnet.

Gruß
Ernst
Zuletzt geändert von Ernst am Do 12. Mär 2009, 23:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 16:40

Lieber Ljudmil,

ich geb´s nun auch bei Dir auf. Wenn Du es nicht verstehen willst oder nicht verstehen kannst, dann ist es mir jetzt egal. Behalte Deine individuelle Meinung. Ich habe hier zigmal die Lehrmeinung und Technische Anwendungspraxis bezüglich Corioliskraft beschrieben. Wenn Du noch Klärungsbedarf siehst, nimm Dir bitte ein Lehrbuch über Technische Mechanik.

Als letzte Anmerkung:

Ja, schon, sie sind aber wesensungleich. Im einen Fall handelt es sich um eine optische Täuschung infolge Beobachtung aus dem mitgedrehten Bezugssystem – keine Kraftwirkung. Im anderen um eine Kraftwirkung infolge einer Beschleunigung – keine optische Täuschung.

Ich habe Dir das doch eingehend beschrieben, daß das ein Übergang ist von Kraftschluss 100% zu Kraftschluß Null. Da gibt es immer eine Kraftwirkung mit Ausnahme des Grenzwertes Kraftschluß=Null. Das ist alles ganz real. Optische Täuschung? Du meine Güte.

Die Gedanke, Coriolis sollte nur bei einer dr heißen, würde bedeuten, dass auch die Änderung der Zentripetal- und Zentrifugalkraft in Abhängigkeit von r, Coriolisänderung heißen.

Das ist grober Unfug. Du hast nichts verstanden, was ich zur Corioliskraft geschrieben habe. Corioliskraft heißt nicht die Kraft, die "von der Seite" kommt, sondern die "deshalb von der Seite kommt, weil sich der Körper auf der Scheibe relativ bewegt". Und deshalb ist auch die Kraft die "von der Seite" kommt, wenn der Körper unbewegt ist und die Scheibe winkelbeschleunigt wird, keine Corioliskraft, sondern eine anders benannte Kraft.

Entschuldige den eventuell härteren Ton. Aber ich bin der Meinung, Du hast erstens nichts von meinen Aufschreibungen, beruhend auf der Lehrmeinung der Technischen Mechanik, verstanden (siehe auch oben) und zweitens beharrst Du auf Deinem dummen Physikbuch. Solange Du alles, was ich hier beschrieben habe, nicht anhand eines Buches zur Technischen Mechanik nachvollziehen willst, ist dazu jetzt bei mir Funkstille. Ich habe weder Zeit noch Lust, ständig zu schreiben, was jeder darin nachlesen kann.

Liebe Grüße
Ernst
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 17:13

Hallo Joachim,

Du möchtest uns nur verbieten, das auch als Corioliseffekt zu bezeichnen.

Nein möcht ich nicht. Es ist ein Grenzfall Null im Kraftschluß Kugel/Scheibe. (Hatte ich bereits beschrieben). Ist der Kraftschluß gaaanz winzig klein, meinetwegen freie Kugel auf sehr öliger Scheibe, dann beschreibt sie eine Bahn, die Deiner "frei gerade fliegenden" Kugel sehr nahe kommt.

Physikalisch exakt ausgedrückt; auf die frei fliegende Kugel wirkt die Corioliskraft Null. Und mit dieser exakten Angabe kann sowohl der ruhende als auch der mitrotierende Mensch die Bahn der Kugel relativ zur Scheibe genau angeben. Der Rotierende weiß ja, daß er rotiert (weil Rotation absolut und daher von ihm meßbar ist); er kann mit der Angabe Corioliskraft=0 die Bahn der Kugel auf seiner Scheibe genau berechnen. Mit Corioliskraft gleich Null und nicht irgendeinem fiktiven Wert. Und er findet weiter heraus : Im nichtrotierenden System fliegt die Kugel geradeaus (auch das wurde hier andererseits bereits beschrieben).

Ich kann es nicht verlangen, da es zeitaufwendig ist; Nachlesen in der Thread-Vergangenheit würde so manches aufklären.Ich schreibe manches schon zum xten mal oder andere haben es beschrieben. Aber wer hat schon unbegrenzt Zeit :(

P.S. Welche Bedeutung haben blaue und rote Sätze bei dir?

Unterstützung zum Diagonallesen für Leute mit knapper Zeit. ;)

Gruß
Ernst
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Re: Die Längenkontraktion ist in der SRT nicht materiell

Beitragvon Ernst » Do 12. Mär 2009, 17:45

Lieber Ljudmil,

ist einfach falsch, weil Du das Bezugssystem falsch auslegst. Du denkst Dir eine Koordinatensystem mit den üblich ausgelegten Achsen. Das trifft nicht zu, da Du eine willkürliche Richtung der Achsen Dir vorstellst.

Unverständlich. Wir reden ja über Oslo und Kairo, bzw Erde und Geosat, also über das Bezugssystem Erde. Ein Koordinatensystem ist gar nicht notwendig. Bezugssystem Erde also. Und da stellt man fest; Oslo und Kairo besitzen keine Relativgeschwindigkeit. Und da stellt man fest; die Galaxis abc dreht sich in 24h einmal um die Erde.

Also lautet doch die Aussage: Kairo und Oslo sind relativunbewegt und die Galaxis rotiert mit xy-fachen c um die Erde.

Die kinematische Setzung eines rotierenden Systems als Bezugssystem ergibt virtuelle Geschwindigkeiten, deshalb weil eine Absolutbewegung (Rotation) relativiert wird.

Ljudmil, meines Erachtens ist Deine Auffassung physikalisch nicht haltbar. Du bist da eben anderer Meinung. Wir kommen da nicht zusammen.

Also lassen wir das mal.
Auch weil ich demnächst abwesend bin.

Ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
Ernst
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