Lieber Ernst,
danke, der Ton ist so, wie es zwischen uns auch sein sollte.
Zu Frage 1 finde ich Deine Antwort unzutreffend:
„Kinematik behandelt die Darstellung von Bewegungsabläufen masseloser Strukturen, d.h. ohne Berücksichtigung von Kräften. Sie hat daher keine physikalische Relevanz.“
Selbstverständlich hat sie physikalische Relevanz, sonst gebe sie in der Physik nicht. Gefragt war nur Relativgeschwindigkeit und keine Kräfte, Wechselwirkungen usw. Hast Du irgendwo bei Fragestellung über Geschwindigkeit auch Kräfte, Masse usw. gesehen? Ich kenne keinen Geschwindigkeitsvektor, der außer Richtung und Größe der Geschwindigkeit etwas anderes beinhaltet. Selbstverständlich kann man die Erde als Bezugssystem nehmen, das tut man tagtäglich und tausendfach.
Du hast doch Turbinenräder usw. konstruiert und berechnet. Kannst Du mir bitte Deine Berechnungen präsentieren, wo Du auch die Erdrotation, Sonnenumkreisung, Milchstraßerotation usw. berücksichtigt hast, zeigen. Ich bin mir sicher, dass Du das nicht getan hast, Du hast nicht mal die Erdgravitation berücksichtigt – soll das dann heißen, Du hast falsch berechnet und Deine Turbinen gingen alle zu Bruch?
Zu Frage 2:
„Nein, er ist bewegt. der Beobachter besitzt die Bahngeschwindigkeit v1 und der Sat besitzt die Bahngeschwindikeit v2. Beide haben eine Relativgeschwindigkeit v2-v1.“
Etwas passt hier nicht zusammen:
„Natürlich bewegen sich kinematisch in dem Bezugssystem Erde Oslo und Kairo nicht relativ zueinander.“ Was nun? Bei der ZD in der SRT ist ausschließlich Kinematik gefragt, oder hast Du irgendwo gesehen, dass die Masse oder Kräfte gefragt werden? Umgekehrt, lieber Ernst, bei der Berechnung des ART-Anteils der GPS-SAT-Uhr wird nur das G-Potential über Erdoberfläche berechnet, die ausgleichende Fliehkraft aber „vergessen“ – wo warst Du bei dieser Frage, wo war Deine Meinung über gesamtphysikalische Betrachtung, wo es sich nicht um kinematische Beurteilung, sondern exakt um Beschleunigungskräfte handelte?
Sieh Deine Aussage genauer – schon wieder hast Du das Bezugssystem vergessen.
Jetzt nochmals die Definion für Relativgeschwindigkeit: Um die Relativgeschwindigkeit zwischen zwei Punkten zu bestimmen, muss man IMMER der eine Punkt ALS RUHEND in seinem (einem) BS stellen und in diesem BS die Bewegung des anderen mit zeitlichem Koordinatenwechsel beschreiben. Ruht aber auch der andere Punkt in diesem BS – d.h. keine Änderung der Koordinaten mit der Zeit, dann ruhen beide Punkte zueinander. In dieser Konstellation kannst Du auch keine Vektoren aufstellen.
An alle: Da ich sehe, dass das Problem mit der Corioliskraft nur für weitere Verwirrungen sorgt:
Nehmen wir mal einen Plattenspieler und stellen eine ganz kleine Spielzeug-Lokomotive radial drauf. Drehen wir mit der Hand langsam den Plattenteller um nur ca. 30 Grad – passiert nichts. Drehen wir jetzt etwas kräftiger – d.h. mit höherer Beschleunigung – die Lok kippt um – nach der Richtung frage ich nicht, glaube jeder weiß das.
Jetzt frage ich alle Schlauberger, welche Kräfte waren im Spiel?
Nehmen wir auch so einen Plattenspieler aber mit einem höheren Rand und eine Eisenkugel, die wir direkt am Rand stellen. Drehen wir jetzt den Plattenteller immer schneller und schneller – die Kugel wird die Drehung nicht ganz mitmachen, wird immer hinterher bleiben. .... Bremsen wir mit der Hand den Teller – jetzt rollt die Kugel nach vorne. Alles klar bislang?
Jetzt nochmals die Frage, welche Kräfte waren im Spiel?
Sieht einer in beiden Beispielen eine Corioliskraft?
Experimentieren wir weiter: Hängen wir eine Kugel mit einem Faden an die Zimmerdecke so, dass die Kugel sich im mittleren Radius des Plattentellers und ca. 1cm darüber befindet. Drehen wir die Platte mit verschiedenen Geschwindigkeiten – wird sich die Kugel davon beeindrucken, werden irgendwelche Kräfte auf sie wirken, übertragen?
Nun, lassen wir die Kugel radial zum Plattenteller pendeln. Werden jetzt irgendwelche andere Kräfte, die aus der Drehung der Platte stammen auf die Kugel wirken?
Jetzt weiter und wer es kann: Stellen wir uns vor, wie würde die Pendelbewegung der Kugel aus der Sicht eines sich mit der Platte mitdrehenden Beobachter beschrieben. Wohl als eine Rosette – oder? Nehmen wir an, der sich mitdrehende Beobachter wisse nicht, dass er sich in einer Rotation befindet und sich als in Ruhe betrachtet. Worauf würde er die Rosettenbewegung zurückführen – wohl auf eine Kraft, die senkrecht zur Pendelbewegung wirken soll. Wie nennt man diese, nur im Kopf des sich mitdrehenden Beobachter existierende Kraft?
Warum wird in allen Physikbücher das Beispiel mit der Scheibe und abgeschossener Kugel beschrieben? Jetzt kann sich jeder vorstellen, er säße auf der Kugel und führe Pendeluhr und auch Federwaage, an der eine Eisenkugel hängt, mit. Wird er mithilfe dieser „Messgeräte“ eine Trägheits- oder Beschleunigungskraft, während des inertialen Flug der Kugel feststellen können?
Aus den Beispielen hier kann man einige Schlüsse ziehen: Welche Kraft zwingt die Gegenstände auf dem Plattenteller in einer Kreisbewegung (beschleunigten Bewegung) und mit welcher Kraft sich das Gegenstand dagegen sträubt? Sind das reale, messbare Kräfte? Heißen sie Corioliskräfte?
Was ist mit letztem Paradebeispiel für Corioliskrfat – wirk dort eine reale, messbare Kraft?
Und wenn man über die Antworte in klarem ist, sollte man überlegen, ob das Paradebeispiel für Corioliskraft etwas gemeinsames mit dem Beispiel über die einseitig abgenützten Bahnschienen zu tun hätte. Ich finde sie unvereinbar.
Mehr kann und will ich nicht über das Thema schreiben. Jeder soll unter Corioliskraft sich denken, was er will.
Liebe Grüße
Ljudmil