Ernst hat geschrieben:Ich gewinne stetig zunehmend den Eindruck, daß Du da Überlegungen gegen jede Kritik aufrecht erhalten möchtest.
Dein Eindruck täuscht Dich nicht. Die bloße Existenz von Kritik bedeutet nicht automatisch, dass diese auch begründet ist. Ich gehe davon aus, dass sich jeder selbst seinen Reim auf meine Ausführungen machen kann. Wer die letzte Beschreibung auf
http://www.mahag.com/srt/michel3.php nicht versteht, könnte auch den Fehler bei sich selbst suchen und nicht in der Beschreibung.
Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass Du meinst, Thesen erweisen sich schon damit als falsch, weil sie von Dir kritisiert werden. So ist das aber nicht - auch wenn Du im Stil eines Relativisten nach Rechnung rufst und übersiehst, dass mehr Rechnung als hier ohnehin
http://www.mahag.com/srt/michel3.php vorgerechnet wird, gar nicht nowendig ist, um das Zeitkompensationsschema zu begreifen.
Es ist eine ganz einfache Sache - aber so manches mit Relativitätstheorie strapazierte Gehirn ist eben nicht mehr in der Lage, einfache Vorgänge nachzuvollziehen. Ich hab's schon ein paar Mal einigen Schülern erklärt, die gar nichts mit Physik am Hut hatten - aber die haben sofort verstanden, um was es geht. Die beiden Teilstrahlen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten von ihren rechtwinkelig angeordneten Laufstrecken zurückkommen und sich auf einem bewegten Umlenker zu diesen unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedlichen Rampunkten begegnen, können niemals eine gemeinsame Lauflinie zum Detektor finden. Es ist unmöglich. Und das ist auch schon der ganze Zauber. Wie das quantitativ ausssieht, habe ich an einem Beispiel (MMI mit enormen Armlängen, um einigermaße große Werte zu erhalten) vorgerechnet. Und es zeigt sich, dass de facto letztlich zwei Strahlen zum Detektor laufen, die zueinander keinen Zeitversatz haben.
Ich schrieb da beispielsweise:
"Denken wir uns ein großes Interferometer mit Armlängen von 150000 km. Bei einer Bewegung des Apparats mit v=30 km/s durch den Äther und einer Photonengeschwindigkeit von c=300000 km/s konstant zum Äther beträgt die Laufzeit des grünen Photons bis zum Umlenker 2L/sqrt(c²-v²), das sind 1,0000000050000000375000003125 Sekunden. Die Laufzeit des roten Photons beträgt L/(c-v) + L/(c+v); das sind 1,000000010000000100000001 Sekunden. Das grüne Photon ist daher etwas früher am Umlenker als das rote, und die Zeitdifferenz beträgt 0,0000000050000000625000006875 Sekunden. Das rote Photon ist also in dem Augenblick, an welchem das grüne Photon den Umlenker durchdringt, noch 0,001500150018751875206270625 km vom Umlenker entfernt. Während es von dieser Strecke noch 0,00150000001875000020625 km mit c=300000 km/s durchmisst, nähert sich ihm der Umlenker mit v=30 km/s und legt dabei eine Strecke von 0,000000150000001875000020625 km zurück, bis Umlenker und Photon zusammentreffen und das Photon nach unten zum Detektor reflektiert wird. Zwischen der Lauflinie des grünen Photons und jener des roten Photons liegt demnach eine Distanz von 0,150000001875000020625 mm. Die Annahme, beide Photonen würden inline zum Detektor laufen, ist also falsch (diese unzutreffende Situation zeigt in der Abbildung oben der linke, vergrößerte Ausschnitt, welcher den Umlenker zeigt, mit der Reflexion am selben Raumpunkt). Sondern die beiden Teilstrahlen laufen zueinander versetzt zum Detektor (wie es der rechte Ausschnitt zeigt!).
Das rote Photon kommt damit auf die Lauflinie von
anderen Photonen zu liegen, die etwas später abgesendet wurden als der Teilstrahl des roten Photons. Nämlich um jene Zeit später, in welcher der Strahlteiler diese 0,150000001875000020625 mm zurückgelegt hat. Das sind 0,0000000050000000625000006875 Sekunden. Das ist genau die Zeitdifferenz, die man zwischen den beiden Teilstrahlen erwarten würde! Damit ist dieser Zeitversatz nun aufgehoben. Auf dieselbe Weise wurde auch der Zeitversatz, der von Michelson (falsch!) in seinem Experiment berechnet wurde, voll kompensiert!"
Was ist das, eine Berechnung oder ein Kochrezept?
Statt zu zeigen, was an dieser Rechnung falsch wäre (was Du nicht kannst, denn sie ist nicht falsch!), tust Du so, als gäbe es gar keine quantitative Berechnung. In meinem Beispiel-MMI laufen die Strahlen vom Umlenker weg im Abstand von 0,15... mm zueinander zum Detektor. Und genau in diesem Abstand liegt der Strahl, welcher den erwarteten Zeitversatz nicht hat. Vergegenwärtige Dir die geometrische Situation und rechne mal nach...
Grüße
Harald Maurer