scharo hat geschrieben:Nun, zur Corioliskraft, da sie offensichtlich Dir (nicht nur) nicht ganz klar ist:
Das Standartbeispiel: Die sich drehende Scheibe und Beobachter auf der Scheibe, der eine Kugel radial nach außen abschießt:
„Diese Kugel ist nach dem Abschuss mit der Scheibe durch keinerlei Kräfte verbunden, sondern fliegt frei durch den Raum. Für einen Beobachter außerhalb der Scheibe bewegt sich die Kugel also geradlinig mit der konstanten Geschwindigkeit v nach außen. Nach der Zeit t = r/v ist sie im Abstand r vom Zentrum angelangt. In dieser Zeit hat sich die Scheibe aber um den Winkel a=w*t weiter gedreht. ... Der Beobachter auf der Scheibe muß diese Ablenkung auf eine Beschleunigung zurückführen.“ – Gerthsen-Vogel-Physik
Der Autor behauptet fälschlicherweise, der Beobachter auf der Scheibe müsse die Ablenkung auf eine Beschleunigung zurückführen. Muss er aber gar nicht. Denn er ist in der Lage festzustellen, dass er selbst sich nicht in einem Inertialsystem befindet, sondern in einem rotierenden System. Er weiß weiterhin, dass es sich bei der Kugel um tote Materie handelt, auf die keine Kraft wirkt. Er weiß, dass sich die Kugel gemäß Newtons erstem Gesetz kräftefrei bewegt. Er kann sie ja untersuchen, bevor er sie loswirft. Er kann sich erklären, dass und warum die Kugel aus seiner Sicht scheinbar abgelenkt wird.
Der Autor sagt richtig, dass Kugel und Scheibe durch keinerlei Kräfte verbunden sind. Also auch nicht durch eine Corioliskraft (die real ist, s.u.).
Ein Problem ist, dass die moderne Physik heute Trägheitskräfte als Scheinkräfte bezeichnet ...
Wikipedia hat geschrieben:[Trägheitskräfte] werden auch als Scheinkräfte bezeichnet, obwohl sie messbar sind und reale Wirkungen hervorrufen.
... obwohl sie messbar sind und reale Wirkungen hervorrufen. Das Wort "Scheinkraft" ist irreführend, weil es suggeriert, es handele sich um scheinbare Kräfte, die nur scheinbare Wirkungen (Täuschungen) zur Folge haben.
Begründet wird das so:
Wikipedia hat geschrieben:Diese Bezeichnung rührt daher, dass sie nur in beschleunigten Koordinatensystemen auftreten und von einem Inertialsystem betrachtet nicht existieren.
Das ist völliger Unsinn. Kräfte sind real und treten zwischen realen Körpern auf. Sie sind so real wie die Körper real sind. Denn sie verändern ganz real den Bewegungszustand realer Körper. Kräfte existieren gleichermaßen real wie auch der Mond real existiert, auch wenn niemand aus keinem Koordinatensystem zuschaut.
Kräfte treten nicht in "in Koordinatensystemen auf". So ein Quatsch. Kräfte sind nicht-materielle Entitäten, die in der Natur auftreten. Dort können sie anhand ihrer Wirkungen nachgewiesen werden. Die Koordinatensysteme sind es, die nicht real sind. Koordinatensysteme existieren nur in unserem Kopf. Die Kräfte da draußen in der Natur aber existierten schon und wirkten schon, als noch kein Mensch existierte, der Koordinatensysteme in seinem Kopf hatte.
Die Corioliskraft ist genauso wie die Fliehkraft eine reale Kraft. Im Beispiel mit der Kugel kommt sie gar nicht vor.
Versucht man eine zurechtgebogene mechanische Beschreibung aus einem Bezugssystem, das kein Inertialsystem ist, dann gelangt man zu einer Scheindynamik, die sich offenbar nur mit lauter irreführenden Begriffen formulieren lässt.
Gruß
Faber
