Jocelyne Lopez hat geschrieben:Auto A fährt auf einer Straße mit 100 km/h in Richtung Auto B, das wiederum mit 70 km/h in Richtung Auto A fährt.
Man darf also wahlweise berechnen:
- gemäß Galilei/Newton: A + B = genau 170 km/
- gemäß Lorentz: A + B = fast 170 km/h
- gemäß Einstein: A + B = 100 km/h oder aber A + B = 70 km/h
(wahlweise, je nach dem, ob man A oder B als ruhend oder als bewegt ansieht)
Ich komme auf die Geschwindigkeitsaddition von Einstein zurück, die sich stark von den zwei anderen abgrenzt. Die ist auch die einzige Originalität in der Speziellen Relativitätstheorie, alles anderes ist von anderen Theorien oder anderen Wissenschaftlern mehr oder weniger offen abgeguckt - eine Originalität, die also die „
Revolution“ in der Physik und im Denken der Menschen darstellen soll.
Diese Geschwindigkeitsaddition entspricht genau dem 1. Postulat Einsteins, wonach es zwischen zwei zueinander bewegten Objekten freiwählbar ist anzusehen, welches sich bewegt und welches ruht: das Relativitätsprinzip.
Wenn man es mit den von Einstein beliebten Beispielen mit Zügen und Bahnhöfen veranschaulichen möchte, bedeutet es, dass man genauso gut ansehen darf, dass der Zug fährt und der Bahnhof ruht, oder umgekehrt, dass der Bahnhof fährt und der Zug ruht. Gut, es kommt in der Tat auf das gleiche raus: Man kommt mit dieser umgekehrten mentalen Vorstellung genauso gut ans Ziel, am gleichen Ort und zum gleichen Zeitpunkt, klar. Das ist eine lustige und kindische Gedankenspielerei, womit jeder von uns schon in irgendeiner Weise gedanklich mal gespielt hat, das kann man ruhig auch Einstein gönnen, warum nicht, das wird aber nicht unbedingt die Physik und unser Weltbild revolutionieren.
Wie revolutioniert also Einstein die Physik und die Welt?
Das Spielchen mit dem Relativitätsprinzip ist nämlich nur dann eine harmlose Gedankenspielerei, wenn - wie bei dem Beispiel mit dem Zug und dem Bahnhof – ein der beiden Objekte ruht und das andere sich bewegt: Wenn ein Objekt tatsächlich ruht (Bahnhof) und ein Objekt tatsächlich fährt (Zug), kein Problem, man kann damit beliebig im Gedanken spielen, beliebig frei wählen und hin-und-her beliebig mental springen.
Wenn aber die zwei Objekte sich bewegen, wie bei dem Beispiel mit Auto A und Auto B, klappt's mit der Gedankenspielerei nicht mehr, das hapert dann an der Logik: Wenn Auto A sich mit 100 km/h Richtung Auto B bewegt, das sich wiederum mit 70 km/h richtung Auto A bewegt, kann man nicht mehr freiwählen, dass eins der beiden ruht: Sie bewegen sich ja beide! Das Spielchen ist aus... Nicht aber für Einstein. Er besteht weiter darauf, man darf immer noch ansehen und frei wählen, dass irgendein der 2 Objekte ruht, auch wenn sie sich beide bewegen. Es reicht eben, seine Geschwindigkeit mental als 0 anzusehen bzw. mathematisch mit ein bisschen Simsalabin und Algebra als 0 zu verwandeln und unter den Teppich zu kehren, zum Beispiel so:
(c + v) / (1 + c*v/c²) = c
1 / (1 + c*v/c²) = c
1+c*v/c² = 1
c*v/c²=0
v=0
So verschwindet mit der relativistischen Geschwindigkeitsaddition eine der beiden Geschwindigkeiten immer spurlos, irgendwo ins Nirvana der Geschwindigkeiten, muss wohl auch eins geben. So ist auch die relativistische Geschwindigkeitsaddition grundsätzlich immer als eine Addition mit 0 zu behandeln. Und das kann jeder schon in der Grundschule ohne Algebra, und sogar schon im Kindergarten. Danke Onkel Albert…
Viele Grüße
Jocelyne Lopez