Lieber Ernst,
„nachdem du vorher die merkwürdige Frage nach der Relation der Rotation (ich denke, den Irrtum hast Du innerlich korrigiert), kommst du nun leider mit Deiner Privatphysik:“
Weder habe ich was „innerlich korrigiert“, noch predige ich „Privatphysik“. Diese Physik, die ich hier vertrete, ist identisch mit Galilei, Newton und sogar Einstein.
„Danach hat kein Punkt einer rotierenden Scheibe eine Geschwindigkeit!!!“
Soll ich jetzt annehmen, Du weißt nicht was Geschwindigkeit ist? Selbstverständlich hat kein Punkt einer Scheibe eine Geschwindigkeit, solange Du keine Relation gegeben hast.
Geschwindigkeit ist immer relativ. Es gibt auch keine Rotation, solange keine Relation angegeben ist. Denke an z.B. Satellitengetriebe – nun, da hast Du in der Mitte ein Zahnrad, dann kommen die Satellitenzahnräder, außen ist das Kranzzahnrad. Je nachdem welches Zahnrad gebremst (schon relativ zu was gebremst) werden sich diese und diese Räder so oder so drehen. Drehen relativ zu was? Gebremst (in Ruhe) relativ zu was? Ich kann zu jeder Zeit ein beliebiges Zahnrad als ruhend betrachten und die Bewegung der restlichen Räder ihm gegenüber betrachten. Je nachdem welches Zahnrad ich als Bezugssystem betrachte, ändern sich die Vektoren der restlichen Räder. Du nimmst stillschweigend das Getriebegehäuse als Bezugssystem, ohne zu merken, dass das nur eine freie Auslegung ist.
„Konsensphysik: Geschwindigkeit = Vektor der Ortsveränderung in einem Koordinatensystem (Betrag und Richtung)“
Ja, genau so ist es – und jetzt frage ich Dich erneuert, relativ zu was ruht dieses Koordinatensystem????
„Und wenn Du tatsächlich zwischenzeitlich den Absolutismus der Rotation verstanden hast,“
Wer hier nicht verstehen will, was absolut bedeutet, bist garantiert Du. Ich habe mir so viel Mühe gemacht, diesen Begriff verständlich zu machen, hat´s aber nicht genützt. Hier noch ein Nachtrag, da die „imaginäre Punkte“ offensichtlich nichts gebracht haben. Ein rotierender Körper besteht aus Punkten, die infolge einer Kraftwirkung relativ zu ihrem Ruhzustand in Kreise bewegt werden. Der Ruhzustand, Ruhlage dieser Punkte ist das Bezugssystem, relativ zu dem eine Rotation beschrieben wird. Ohne dieses Bezugssystem gibt es keine Relation. Wann wirst Du verstehen, dass ohne dieses Bezugssystem, Du KEINE Vektoren aufstellen kannst.
„Ein Koordinatensystem mit dem Ursprung im Rotationszentrum. Ein durch diesen Ursprung gelegtes nicht rotierendes Koordinatensystem. Alle Punkte auf der Scheibe besitzen in diesem Koordinatensystem eine Geschwindigkeit mit dem Betrag omega*r und einer Richtung senkrecht zur Radialen. Alle Punkte auf der Scheibe besitzen daher eine unterschiedliche Geschwindigkeit.“
Ich glaube, Du lebst instinktiv im geozentrischen Weltmodell. Aber natürlich, absolut richtig, was Du hier schreibst. Du merkst aber überhaupt nicht, um was hier diskutiert wird. Du bestätigst nur das, was man Dir zu erklären versucht.
„Ein gelegtes nicht rotierendes Koordinatensystem“ – ich lache mich tot

– ja was rede ich die ganze Zeit – nur relativ zu diesem „nicht rotierendes KS“ haben dann die rotierende Punkte eine Geschwindigkeit = Abstandsänderung pro Zeiteinheit.
Und was ist wenn das Bezugsystem mitrotiert – wo sind dann Deine Vektoren, wo ist dann die relative Geschwindigkeit zwischen zwei Punkten auf der Scheibe??? Oder meinst Du, ein mitrotierendes BS darf man nicht anwenden, weil die Kirche das verbietet?
Zu jedem Punkt existiert ein Bezugssystem, in dem der Punkt ruht (so oder ähnlich sagt nicht nur Einstein). Ruhen aber zwei Punkte in diesem BS, dann ruhen die Punkte auch zueinander. Stimmt das? Wenn Du meinst, das stimmt nicht, dann bist Du derjenige, der eine „Einführungslektüre in Technische Mechanik“ dringend benötigt. Ich bin aber sicher, dass Du jetzt Deine Hemmung überwindest.
„Abseits von Privatphysik bezeichnet man als Relativgeschwindigkeit die Differenz zweier Geschwindigkeitsvektoren.“
Zu unbestimmt, wenn auch richtig widergegeben. Wie willst Du Geschwindigkeitsvektoren ohne Bezugssystem aufstellen?
Jetzt zeige ich Dir, dass Du nicht besser als Joachim bist:
Du hast zwei Punkte (Körper, wenn es Dir lieber ist) im All und sonst nichts. Du sitzt auf dem einen, Du siehst, dass der Abstand von Dir zu den anderen Punkt sich ändert. Mithilfe Deiner Uhr und Lichtstrahlen kannst Du auch die RELATIVE Geschwindigkeit zwischen Dir und anderem Punkt bestimmen. Stimmt bis jetzt alles? Reicht dafür meine Geschwindigkeitsformel? Jetzt darfst Du die Vektoren zeichnen, Größe und Richtung bitte angeben! Geht nicht meinst Du, es gibt Millionen von verschiedenen Vektoren, die am Ende die gleiche relative Geschwindigkeit ergeben werden. Erst wenn Du ein Bezugssystem hast, kannst Du relativ zu diesem Bezugssystem auch Vektoren, die Sinn ergeben, zeichnen. Nur, welches BS und entsprechende Vektoren wirst Du in dem Fall bevorzugen? Welches Du auch nimmst, hast Du schon das Relativitätsprinzip verletzt. Eine Differenz, ohne primäre Größen, kannst Du nicht bekommen.
Warum also kompliziert, wenn es auch einfach geht? Und wenn Du meine Darstellung als Privatphysik gerne bezeichnen willst, aber bitte schön, sie ist wohl besser und einfacher als die „klassische“, die Du meinst. Nach den Regeln in der Wissenschaft gilt dann ab sofort meine Darstellung als „klassisch“ und die Vektor-Darstellung als hilfsreich, aber zu unbestimmt.
Ernst, merkst Du denn nicht, dass „Abstandsänderung pro Zeiteinheit“ nichts anderes als ein Vektor ist, oder Differenz aus korrespondierenden Vektoren mit nur einem Freiheitsgrad, relativ zu einem Bezugssystem, dessen einzige Achse durch die zwei Punkte verläuft,
aber einfacher ausgedrückt.
Liebe Grüße
Ljudmil