Gluon hat geschrieben:Klar, aber die Wellen aus dem Arm, der den längeren Weg ausmacht, kommen verzögert an. Das kann man sich leicht vorstellen, wenn man (jetzt mal ganz ohne Äther) sich ein Interferometer denkt, dessen einer Arm viel länger ist als der andere. Der eine Arm sei eine Lichtminute lang, der andere eine Lichtstunde.
Den Arm, der "den längere Weg ausmacht", gibt es im MM-Interferometer nicht. Dass Licht für unterschiedliche Strecken auch unterschiedlich lange Laufzeiten hat, ist ja trivial. Aber wenn man im Interferometer Deines Beispiels mal eine Interferenz einstellt, so ändert sie sich nur dann, wenn man eine der Strecken
konkret in der Länge verändert. Das Wehen eines Ätherwinds würde nichts bewirken. Und auch keine Aberration auftreten. Dreht man die Anordnung senkrecht zu einem Ätherwind, passiert eben das in jenem Arm, der den "längeren" Weg ausmachen sollte:


Die Geschwindigkeit ändert sich, gleichzeitig verkürzt sich dementsprechend die Wellenlänge. Das ist nichts anderes als ein transversaler Doppler-Effekt. Keine Wellenlänge ist dazugekommen oder verschwunden. Wenn die Welle zum Strahlteiler zurückkommt, hat sie dieselbe Phasenlage wie bei der Absendung. Und wenn sie weiter hinunter zum Okular saust, dort eben auch, wenn die Strecke nochmal gleich lang ist... Die Wellenlängenveränderungen kompensieren in jeder Richtung die veränderten Geschwindigkeiten, die Phasenlagen verändern sich im Endeffekt nicht. Bei keinem der Reflexionspunkte des Interferometers kann die Reflexion mit einer anderen Phasenlage reflektiert werden, als sie bei ihm ankommt. Das gilt für jeden Spiegel, soferne nicht eine konkrete Längenänderung eines der Arme eintritt.
Kann man das verstehen?
Wenn am Strahlteiler eine bestimmte Phasenlage vorliegt, und die Welle würde mit unveränderter Wellenlänge mit c hochfahren, hätten wir eine bestimmte Phasenlage am Spiegel. Verlangsamt sich die Geschwindigkeit und werden aber
gleichzeitig die Wellen demensprechend kürzer, haben wir am Spiegel genau dieselbe Phasenlage wie vorhin. Darauf kommt es an, nicht auf die Geschwindigkeiten alleine. Die verkürzten Wellenlängen samt ihrer verlangsamten Geschwindigkeit verursachen am Spiegel die Nominalfrequenz. Mit Frequenzmessung wird dieser transversale Doppler daher nicht detektierbar.
Dein Argument würde gelten, wenn sich zwar die Geschwindigkeit ändert, aber die Wellenlängen gleich blieben. Dann hätten wir am oberen Spiegel bereits eine gegenüber dem Sender verschobene Phasenlage. Haben wir aber nicht, wenn sich Wellenlängen der veränderten Geschwindigkeit anpassen! Diese Anpassung der Wellenlängen an die veränderten Geschwindigkeiten erfolgt an jedem Reflexionspunkt des Interferometers. Wenn die Wellen im Okular ankommen (wo erst die Interferenz erfolgt) haben sie immer noch dieselbe Phasenlage, die sie beim Sender (Strahlteiler) hatten! Da ist nichts verschoben. Die Geschwindigkeiten haben keine Rolle gespielt.
Typisches Falschbeispiel ist die Lichtuhr Einsteins. Der senkrechte Strahl wird von einem bewegten Beobachter diagonal gesehen. Jetzt postuliert Einstein für diese Richtung c=const. Das heisst, auch die Wellenlängen verändern sich nicht. Der Strahl sollte für den bewegten Beobachter nach oben nun länger brauchen und nach unten wiederum. Und außerdem würde sich am Spiegel die Phasenlage gegenüber der Lichtquelle verändern. Und es würde sich die Frequenz verändern - die Uhr tickt langsamer. Das ist Unsinn. Denn mit der Bewegung der Uhr im Äther wird der Strahl schlicht und einfach langsamer nach oben und wieder runter und die Wellenlängen kürzer, ergo gleiche Frequenz. Wie wir's vom Schall kennen. Für den bewegten Beobachter ändert sich diese Frequenz auch nicht. Denn er sieht zwar eine Diagonale, er sieht aber auch eine andere Geschwindigkeit - das ist nicht anders, als wenn ein Ball auf und ab spränge.
Auf wellenlängen und Phasenlagen kommt es im MM-Interferometer an. Nicht auf die Geschwindigkeiten. Alles verhält sich analog zum Schall. Ein MM-Versuch mit Schall würde ebenfalls ein Nullresultat bringen.
Ob quer oder längs, ob verzögert oder nicht, die Phasenlagen sind das entscheidende. Sie bleiben unverändert. Auch in Wellenbewegung mit oder gegen den Wind. Auch hier passiert dieselbe Anpassung der Wellenlänge an die Geschwindigkeit. Kann man doch gedanklich leicht nachvollziehen.

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Die Welle beziehe sich auf den ruhenden Äther, und es sollen Sender und Empfänger sich gleichsinnig bewegen. Momentan haben die Wellen eine bestimmte Phasenlage bei beiden. Jetzt verschiebe man beide, Sender und Empfänger, mit gleicher Geschwindigkeit in dieselbe Richtung. Ändern sich dadurch die Phasenlagen bei beiden oder stimmen sie stets überein? Sie stimmen stets überein! Und der Doppler-Effekt? Der ändert nichts, weil sich proportional zur Veränderung der Geschwindigkeiten auch die Wellenlängen verändern. Die Phasenlagen bleiben stets übereinstimmend...
Ob sich nun Sender und Empfänger im ruhenden Äther oder der Äther gegenüber der ruhenden Sender-Empfänger Anordnung bewegt, bleibt sich gleich. Wesentlich ist auch, dass die Gesamtanzahl der Wellenlängen oder der Amplituden im Falle einer Reflexion unabhängig von der Bewegung stets gleich bleibt. Das ist so im vertikalen Arm, und ebenso im waagrechten Arm des MM-Interferometers. Eine Drehung des Apparats ändert daran nichts. Wenn die Strahlen am Strahlteiler eine bestimmte Phasenlage hatten, ist auch am Okular des Interferometers nichts verschoben. Genau so wenig, wie bei einer einfachen geradlinigen Reflexion, in welcher sich die Laufstrecken nicht verändern. Da mag man jeden Strahl hin und her spiegeln wie man will, Die Phasenlagen bleiben gleich und eine einmal eingestellte Interferenz ebenso. Ganz ohne Relativitätstheorie und ihrem absurden Postulat!
Grüße
Harald Maurer