Harald Maurer hat geschrieben:1. Bei einem leeren Raum ergibt die ART die Raumzeitstruktur der SRT (Minkowski-Raum). Einen leeren Raum gibt es allerdings nur bei Abwesenheit des Universums.
Es ist Theorie, die der Beschreibung und Vorhersage dient. Sie macht keine Aussagen darüber, was "es" gibt oder nicht gibt. In der Mathematik, z.B. der Euklidischen Geometrie, rechnet man erfolgreich mit Punkten ohne Ausdehnung. Die gibt es auch nicht, aber das spielt keine Rolle. Ein real konstruiertes rechtwinkliges Dreieck mit zwangsläufig mehr oder weniger dicken Linien hat recht die genau die Seitenlängen, die der Satz des Pythagoras für Linien mit idealisierten Punkten ohne Ausdehnung angibt. Das wirst du wohl nicht bestreiten. Die Natur zeigt uns nun mal das, was man theoretisch idealisiert berechnet hat, wenn die Theorie gut ist. In diesem Sinn ist die SRT nachweislich sehr gut.
Harald Maurer hat geschrieben:2. In frei fallenden Bezugssystemen gelten lokal die Gesetze der SRT. Ein um die Erde kreisendes Raumschiff wäre z.B. so ein frei fallendes Bezugssystem. Nach dem Äquivalenzprinzip dürfen Raumfahrer nicht in der Lage sein, das Vorhandensein eines Gravitationsfeldes festzustellen. Sind sie aber! Zwei in das Raumschiff schwebend über einander gestellte Gegenstände würden sich wie von geheimnisvoller Kraft geleitet voneinander entfernen, da für jeden andere Orbit-Parameter gelten würden.
Das ist mir neu. Die Gegenstände würden sich nicht voneinander entfernen. Jeder Gegenstand hat und behält seine Bahn und seine entsprechende Winkelgeschwindigkeit um die Erde, gemäß idealisierten Bedingungen, versteht sich. Realiter würde vielleicht schon ein Berg an der Oberfläche unterhalb der ISS die Gravitation und die Bahn verändern oder ein kleiner Luftzug oder was immer, aber das tut der Theorie keinen Abbruch.
Harald Maurer hat geschrieben:Allerkleinste aneinander gestückelte Inertialsystemchen oder vernachlässigbar schwache Gravitationsfelder und dergleichen mehr.
Sicher, aber das sind keine "Rechentricks". Die Theorie besteht aus diesen Rechnungen, wo eben idealisierte Bedingungen gelten. Mathematisch geht es gar nicht anders. Mit realen Experimenten kann man diese Bedingungen niemals 100% ideal gestalten, aber das macht nichts. Dafür hat man Fehlerbalken, welche die maximale Ungenauigkeit im Experiment angeben. Ab ca. 5-facher Standardabweichung kann ein Zufall als ausgeschlossen gelten, denn 5 Sigma schafft der Zufall so gut wie nie. Das Experiment hat in dem Fall die Theorie bestätigt. Z.B. die vorhergesagte Existenz von Higgs-Bosonen, die inzwischen zu Hauf mit 5 Sigma und mehr gefunden wurden.
Harald Maurer hat geschrieben:Gerne bezeichnen sie die SRT als experimentell bestens abgesichert und warten mit Experimenten auf, die allerdings einer näheren Analyse meist nicht standhalten. Verlangt man andererseits von ihnen Beweise, so sind sie die ersten, die darauf hinweisen, dass man eine Theorie niemals beweisen sondern bestenfalls bestätigen oder widerlegen kann.
Das Hafele-Keating-Experiment z.B. gefällt dir nicht, wo sowohl die Zeitdilatation gemäß SRT als auch gemäß ART verrechnet werden musste? Die Kombination dieser Effekte gemäß Theorie konnte die Messwerte voraussagen, mit großer Genauigkeit. Was erwartest du denn noch?
Und ja, so ist das nun mal in der Wissenschaft: Man kann eine Theorie widerlegen, wenn ein Experiment eindeutig signifikant andere Ergebnisse liefert als die Theorie voraussagt. Dann ist sie erst mal weg vom Fenster oder zumindest nicht vollständig. Mit Beweisen sieht es dagegen schlecht aus. Auch der 1000ste weiße Schwan beweist noch nicht, dass
alle Schwäne weiß sind. Ein einziger schwarzer Schwan widerlegt jedoch die These. Aber das weißt du vermutlich alles. Was gefällt dir daran nicht? Es ist nur logisch und vernünftig.