Rudi Knoth hat geschrieben:
Nun dann will ich mal einen Einwand vorbringen.
Deine Argumentation geht einfach von einem falschen Ansatz aus. Denn du betrachtest das Gedankenexperiment einer Uhr, die sich zwischen zwei Uhren bewegt.
Ja, ich gehe davon aus, dass sich eine Uhr zwischen zwei Uhren bewegt. Das ist das Szenario. Für diesen Fall habe ich die Dehnung der Zeiteinheit von C bewiesen.
Inwiefern ist das denn falsch? Weil es noch andere Szenarien gibt?
Es muss doch erlaubt sein, einen physikalischen Vorgang unmissverständlich zu definieren und ihn unmissverständlich zu beschreiben: Eine Uhr C bewegt sich zwischen zwei zueinander ruhenden Uhren A und B. Wie im bekannten wikipedia-Artikel beschrieben, zeigt sich dann eine Zeitdilatation der Uhr C. In allen Inertialsystemen wird darin übereingestimmt, dass es so ist.
Rudi Knoth hat geschrieben:
Inzwischen hat aber Daniel mit dem Gedankenexperiment von dem Zug und dem Bahnhof vorgestellt, das eine andere "symmetrische" Sicht auf die Zeitdilatation ermöglicht. Nehmen wir doch die Uhren von Kurt und der Lok auf dem Weg durch den Zug (Kurt) und der Lok auf dem Weg entlang des Bahnhofs.
Nenne wir S das System des Bahnhofs und S' das des Zuges.
Dann gilt für den Weg von Kurt durch den Zug:
(1) 3E = 5 E'. Also E/E' = 5/3
Für den Weg der Lok zwischen Kurt und Holle
(2) 3E = 1,8E' Also E/E' = 3/5.
Also wir haben umgekehrte Verhältnisse der Einheiten. Das ist doch ein eindeutiger Widerspruch.
Der Widerspruch ist nur scheinbar, denn in (1) hast du ja, wie du selber sagst, ein
anderes Szenario angesetzt. Und du hast einfach die gestrichene Einheit E' der einzelnen Uhr C (von Kurt) als E notiert und die ungestrichene Einheit E der Uhren A und B (Lok und Zug-Ende) als E'. Das ist ein anderes Szenario, aber kein Widerspruch.
Ein Widerspruch wäre es nur dann, wenn man die Zeitdilatation in einem der Systeme als absolut für alle Vorgänge auffassen wollte. Das will hoffentlich niemand, jedenfalls ich nicht. Sicher kann man mit einem symmetrischen Szenario die wechselseitige Zeitdilatation zeigen. Aber das symmetrische ist dann eben ein
anderes Szenario, weil es einen
anderen Vorgang beschreibt zwischen zwei
anderen Ereignissen im Universum:
1) Die Bewegung Kurt durch den Zug mit Kurt=C, Lok=A, Zug-Ende=B
2) Die Bewegung der Lok durch den Bahnhof mit Lok=C, Kurt=A und Holle=B
Das ist ja nun sicher nicht dasselbe und man kann daraus keinen Widerspruch konstruieren. Es zeigt eben die Symmetrie der SRT: Im jeweils anderen System erscheint die Zeit um den Lorentzfaktor gedehnt.
Um es nochmal anders zu sagen:
Das eindeutige Ergebnis im Szenario mit den Uhren A, B, C ist invariant und absolut bezogen auf die beiden Ereignisse, die den Vorgang definieren. Denn Ereignisse sind immer absolut. Man kann aber nicht sagen, dass
alle Vorgänge, die sich zwischen den beiden Systemen abspielen, invariant und absolut eine Zeitdilatation im selben Ruhesystem ergeben. Das wäre ein Widerspruch zum Relativitätsprinzip.
Es kommt auf die konkreten Ereignisse an, die einen Vorgang definieren, d.h. darauf, in welchem der beiden Systeme ihr räumlicher Abstand konstant bleibt während des Vorgangs. Nur wenn das feststeht, dann steht auch das Ergebnis eindeutig fest: Die Zeit der dritten Uhr C, deren Abstand zu den Ereignissen nicht konstant bleibt, ist um den Lorentzfaktor gedehnt. Das kann man wie gezeigt als Dehnung der Zeiteinheit auffassen, so jedenfalls meine Erkenntnis aus der Überlegung.