Mirko hat geschrieben:Jocelyne Lopez hat geschrieben: Auch in der theoretischen Physik ist dieses Prinzip nicht von herausragender Bedeutung, außer für die SRT, die dieses Prinzip als 1. Postulat übernommen hat.
Jocelyne, woher nimmst du denn dieses Wissen? Kennst du dich in der theoretischen Physik so gut aus, dass du das behaupten könntest? Irgendwie habe ich da Zweifel....
Doch, ich kann ohne falsche Bescheidenheit behaupten, dass ich mich überdurchschnittlich gut mit der SRT auskenne, was auch kein Wunder ist: Ich habe mich ja seit ca. 5 Jahren intensiv und gezielt mit dieser Theorie beschäftigt, ich habe dabei die Argumente von einer Menge Autoren und Diskussionsteilnehmer aus beiden Lagern kennengelernt, sowohl Relativisten als auch Kritiker, quasi tagtäglich seit 5 Jahren, ich bin also keine Anfängerin bei der Beschäftigung mit dieser Theorie, ich habe dabei viel gelernt, ich kann schon bei Auseinandersetzungen in allgemeinverständlicher Sprache durchaus mitreden.
Es ist eine Tatsache, dass Einstein das Relativitätsprinzip von Galilei in seiner SRT im Vordergrund setzt, er hat es vorneweg bei Aufstellung seiner Theorie als 1. Postulat übernommen und damit den Focus seiner Theorie auf diesem Prinzip gesetzt:
Zitat von Albert Einstein:
1. Die Gesetze, nach denen sich die Zustände der physikalischen Systeme ändern, sind unabhängig davon, auf welches von zwei relativ zueinander in gleichförmiger Translationsbewegung befindlichen Koordinatensystemen diese Zustandsänderungen bezogen werden.
Dass er eine kinematische Betrachtung von Bewegungen in seiner Theorie behandeln wollte ist also schon von diesem Postulat bzw. diesem Prinzip eingeleitet: Dieses Prinzip ist nämlich von kinematischer Natur, die Ursachen (Kräfte) bei der Bestimmung einer Relativgeschwindigkeit zwischen zwei Körpern werden nicht behandelt. Behandelt werden nur die Parameter bzw. die Meßergebnisse Zeitdauer, Strecken, Geschwindigkeiten.
Seine Absicht, nur den kinematischen Aspekt von Bewegungen zu behandeln bekräftigt Einstein eindeutig, indem er explizit festsetzt, dass man für seine Theorie keinen Äther benötigt, also weder Ursachen noch Auswirkungen von Kräften bei Bewegungen berücksichtigt werden und Bestandsteil der Theorie sind.
Dies wird zum Beispiel von Dr. Markus Pössel bestätigt, indem er aussagt, dass in der SRT keine materiellen Verformungen von bewegten Objekten aufgrund von Krafteinwirkungen stattfinden (deshalb ist auch die Verwendung der Lorentztransformation in der SRT ein grundsätzlicher Widerspruch der Theorie, weil diese Formel die Auswirkung von Kräften auf bewegte Objekte beinhaltet und einbezieht). Die SRT ist also eine kinematische Theorie, die auf dem Relativitätsprinzip von Galilei aufbaut mit dem grundsätzlichen Widerspruch, dass eine von einer anderen Theorie übernommene mathematische Behandlung von Ursachen und Einwirkungen von Kräften durch die Hintertür eingeführt wird, ohne dass diese Einführung in der Theorie thematisiert wird und sogar trotz dem expliziten Ausschluß eines Mediums für das Verständnis der Theorie.
Dass die kinematische Betrachtung aus dem Relativitätsprinzip Galileis sich mit der dynamischen Behandlung von Kräften nicht verträgt wird m.E. ersichtlich mit meinem Beispiel von zwei Uhren, die sich relativ zueinander bewegen: Eine Uhr, die auf dem Boden festgeschraubt ist (die ruhende Uhr) und eine 2. Uhr, die vor dieser festgeschraubten Uhr mitgeführt und bewegt wird (die bewegte Uhr):
- Kinematisch nach dem Relativitätsprinzip sind die beiden Uhren gleichberechtigt: Man kann jede Uhr beliebig als ruhend oder bewegt durch mentales Wechsel der Perspektive definieren, egal in welche Richtung, das ändert nichts für die Bestimmung der Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden oder für die Bestimmung der zurückgelegten Gesamtstrecke oder für die Bestimmung der Gesamtdauer der Bewegung.
- Dynamisch sind die beiden Uhren keineswegs gleichberechtigt: Wenn man zum Beispiel die Kraft untersucht, die diese Relativbewegung verursacht hat, stellt man fest, dass nur auf die bewegte Uhr sich eine Kraft ausgewirkt hat, nicht aber auf die auf dem Boden festgeschraubte Uhr: Das mentale Wechsel der Perspektive kann hier nicht bewirken, dass eine Kraft auf die festgeschraubte Uhr gewirkt hat, die sie von ihrer Verankerung gelöst und in Bewegung gesetzt hätte, dieses Ereignis existiert nicht.
Auch kann dynamisch kein Wechsel der Perspektive bewirken, dass die auf dem Boden festgeschraubte Uhr sich je irgendwo auf einem Punkt der Strecke befand, die von der bewegten Uhr zurückgelegt wurde.
Genauso sind die beiden Uhren dynamisch gesehen auch nicht gleichberechtigt, wenn es darum geht, die Auswirkung von Kräften bei der Relativbewegung festzustellen und zu berechnen: Eine Reibungskraft durch den Luftwiderstand wird sich auf die Oberfläche der bewegten Uhr ausüben, nicht aber auf die Oberfläche der ruhenden Uhr.
Es ist also ein Trugschluss und ein Denkfehler in der SRT etwas Anderes zu sehen, als eine reine kinematische Betrachtung von Bewegungen. Alle mathematische Herleitungen der Lorenztransformation (oder der Maxwellsche Gleichungen), die Ursachen und Auswirkungen von Kräften auf die Bewegung von Objekten voraussetzen (Äther, Medien, Energiefelder) sind in der SRT fehl am Platz, sowie auch alle Experimente, die materielle Veränderungen und Wechselwirkungen zwischen bewegten Objekten untersuchen (Dynamik). Darüber macht die SRT keine Aussagen.
Jocelyne Lopez