Harald Maurer hat geschrieben:Hannes hat geschrieben:
Ihm ist eben ein Jahrhundertirrtum passiert, indem er die Lichtgeschwindigkeit als invariant bezeichnet hat.
Das sollte man nicht als Irrtum bezeichnen. Denn das Postulat ("Das Prinzip der konstanten Lichtgeschwindigkeit") ist eine praktische Maßnahme (übernommen von Poincaré), die durchaus Sinn macht, wenn man bedenkt, dass alle Geschwindigkeiten in unserem Erlebnisraum winzig sind im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit. Der pragmatische Sinn der SRT wird leider verkannt.
Ich bezweifle sehr, dass Poincaré, Einstein und alle theoretische Wissenschaftler, die an das Prinzip der konstanten Lichtgeschwindigkeit gebastelt und daran für ihre Modelle festgehalten haben, es aus pragmatischen Überlegungen getan haben! Keiner hat sogar diese Annahme als pragmatische Maßnahme hervorgehoben - was uns übrigens jeglichen Meinungsstreit seit 100 Jahren erspart hätte - sondern sowohl Einstein als auch alle Wissenschaftler, die diese Annahme für ihre Modelle zugrunde legen, tun es sehr wohl als Beschreibung der Natur und als Erklärung der Welt, anwendbar für astronomische und kosmologische Entfernungen. Das ist eben das Problem, sonst hätten wir keins.
Ich stimme Dir zu, dass diese Annahme in der Praxis aufgrund der kleinen Entfernungen und geringen Geschwindigkeiten in unserem Erlebnisraum durchaus Sinn macht: Man kann auf einem ganz kleinen Maßstab sehr wohl sinnvoll annehmen, dass die LG konstant sei (zu allen ruhenden oder bewegten Objekten bzw. zu allen ruhenden oder bewegten Beobachtern), genauso wie man auf einem ganz kleinen Maßstab sinnvoll annehmen darf, dass die Erde eine Scheibe ist, oder auch dass man sinnvoll für die Berechnung von Geschwindigkeiten annehmen darf, dass die Sonne sich um die Erde dreht und nicht andersrum. Man muß sich dabei aber immer vor Augen halten, dass es sich um idealisierte Annahmen aus pragmatischen Gründen handelt, die auf gar keinen Fall den Anspruch erheben können universell zu sein, sowie eine richtige Beschreibung der Natur und ein wahres Weltbild darzustellen.
Das war zum Beispiel durchaus sinnvoll - das war sogar geradezu eine geniale Idee - dass man in der Technologie für praktische Zwecke Entfernungsmeßgeräte mit Anwendung der Lichtgeschwindigkeit entwickelt hat. Dagegen ist gar nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil, ich finde diese Meßmethode für die exakteste Bestimmung von Entfernungen und Längen in unserer Alltagsdimension grandios. Der Jahrhundertirrtum besteht darin, die Lichtgeschwindigkeit als
Maßstab festgesetzt zu haben, eine völlig abstruse Schnappsidee, die auch für technologische Anwendungen überhaupt nicht notwendig gewesen wäre: Man hätte sinnvoll die Lasermessgeräte in der Praxis benutzen können, ohne diese falsche und esoterische Annahme einer konstanten Lichtgeschwindigkeit als SRT-konforme Erklärung der Welt offiziell, autoritär und dogmatisch zu erheben. Insofern gebe ich Hannes Recht, dass diese Annahme, die wie gesagt nur pragmatisch für Vermessungstechniker und in der Technologie zu rechfertigen ist, die theoretische Physik blockiert:
Zitat von Hannes:
Ihm ist eben ein Jahrhundertirrtum passiert, indem er die Lichtgeschwindigkeit als invariant bezeichnet hat. Und dieser Irrtum ist nicht nur auf Einsteins Überlegungen alleine zurückzuführen. Da hat die ganze Generation um ihn mitgewirkt.
Und dieser Irrtum muss korrigiert werden, da sonst die ganze Wissenschaft blockiert ist.
Harald Maurer hat geschrieben:
Der Hang zum Wunderglauben steckt nun mal in den Menschen - und so kam es, dass man die Effekte verwirklicht hat und diese praktische Theorie belastet wurde mit schrumpfenden Körpern und verlangsamten Uhren und unterschiedlich alternden Zwillingen etc.
Die Vorstellung von schrumpfenden Körpern war m.W. lediglich eine ad hoc Annahme von Lorentz zur Erklärung des (vermeintlichen) Null-Ergebnisses des Michelson-Morley Experiments (schrumpfenden Interferometerarme), wobei wir eine solche Erklärung überhaupt nicht brauchen, wenn wir die Annahme einer konstanten Lichtgeschwindigkeit nicht übernehmen (bzw. aufgeben, wie Einstein es auch in seiner ART getan hat): Jegliche Erklärung ist überflüssig, wenn man sich ganz einfach vorstellt, dass die Lichtgeschwindigkeit wie auch alle anderen Geschwindigkeikten abhängig von der Geschwindigkeit des Beobachters ist. Eine ganz einfache Sache, sie bedarf ja keine zusätzliche Erklärung - aber warum einfach, wenn man es auch kompliziert haben kann...
Die Aussagekraft der ad hoc Erklärung von Lorentz mit der materiellen Schrumpfung von bewegten Körpern ist meiner Meinung nach auch nicht besonders berauschend, wenn man sich vor Augen hält, dass bei dieser Annahme der Kontraktionsfaktor
einheitlich für alle Materiale ist, ob harte oder weiche Materielle, was ziemlich schwer zu schlucken ist... Auch Gerhard Kemme, der wie Lorentz die Vorstellung einer elastischen Stauchung von bewegten Objekten im Äther vertritt, wollte sich auf die Frage von Sebastian Hauk bei seiner Federwaagegedankenexperiment nicht festlegen (so wie ich es verstanden habe), ob dabei auf jeden Fall der Gammafaktor von Lorentz herauskäme: Herr Kemme sagte als Mathematiker aus, dass es ihm dabei eher um die
qualitative als um die quantitative Aussage ginge... Nanu?

Wozu braucht man eine (geniale?) mathematische Formel und präzise Berechnungen auf zig Kommastellen, wenn man nicht sicher sein kann, dass sie qualitativ für alle Materiale zutreffen und richtige quantitative Voraussagen ermöglichen, egal welche intrinsische Elastizitätseigenschaften sie besitzen?
Viele Grüße
Jocelyne Lopez