Kurt hat geschrieben:Faber hat geschrieben:Galileo Galilei schreibt über sein berühmtes Schiff, das ruhig mit konstanter Geschwindigkeit über ein spiegelglattes Meer gleitet:
Wenn Ihr Euerem Gefährten einen Gegenstand zuwerft, so braucht Ihr nicht kräftiger nach der einen als nach der anderen Richtung zu werfen, vorausgesetzt, daß es sich um gleiche Entfernungen handelt.
Galileo liegt hier, nach meinem Naturverständnis, nur bedingt richtig.
Der Knackpunkt liegt im "kräftiger", da besteht nämlich in der max möglichen Kraft ein Unterschied je nachdem ob das Schiff bewegt ist oder nicht, wenn es zur Oberfläche ruht dann kommt es darauf an ob nach ost oder west geworfen wird.
Stichwort: "Raketengleichung".
Galilei meint hier "kräftiger" nicht im Sinne einer heute so genannten Kraft, sondern im Sinne eines Maßes der Bewegung, eines Maßes der Stärke, der Kräftigkeit der Bewegung. Also das, was wir heute kinetische Energie nennen. Wählt man nun ein Bewegungsmaß, das proportional zu v bzw. |v| ist, dann ist Galilei zuzustimmen. Die modernerweise so genannte klassische Mechanik (Galilei, Newton, Leibniz, ... ) verwendet nun (aus gutem Grund) anders als Galilei als Maß der Bewegung

also ein Bewegungsmaß, das proportional zum Geschwindigkeits
quadrat ist.
Damit ergibt sich dann eine Richtungsabhängigkeit der geworfenen Entfernungen bei gleicher "Kräftigkeit". Die Mündungsgeschwindigkeit einer Pistolenkugel ist damit bei gleicher Pulvermenge i.a. abhängig von der Richtung, in der geschossen wird. Ruht das Schiff (die Erde), dann gibt es keine Richtungsabhängigkeit. Bewegt sich das Schiff von West nach Ost oder von Ost nach West, dann gibt es eine Richtungsabhängigkeit. In Fahrtrichtung ist die Mündungsgeschwindigkeit bezogen auf das Schiff geringer als gegen die Fahrtrichtung. Senkrecht zur Fahrtrichtung ist die Mündungsgeschwindigkeit bezogen auf das Schiff gleich groß wie wenn das Schiff ruht.
Sollten wir nun streiten, ob das Schiff ruht oder in Bewegung ist, so könnten wir die Frage experimentell entscheiden, indem wir eine Pistole in verschiedene Richtung abfeuern und die Mündungsgeschwindigkeit messen.
Entspricht das ebenfalls Deinem Naturverständnis? Du stimmst mir ja jedenfalls insoweit zu, daß mittels geeigneter mechanischer Experimente feststellbar ist, ob das Schiff sich bewegt!?