Zitat:
Gehrcke, E. , Die Relativitätstheorie eine wissenschaftliche Massensuggestion.
Kommissionsverlag K. F. Köhler, Leipzig 1920.
Die Schrift stellt den Abdruck eines öffentlichen Vortrages dar, der im August vorigen Jahres in Berlin gehalten wurde. Gehrcke greift darin vor allem die Lehre Einsteins von der Relativität der Zeit an, wonach für bewegte Körper die Zeit langsamer als für ruhende verfließen soll. Einstein hatte zur Veranschaulichung seiner Ideen von Zwillingen gesprochen, von denen der eine am Orte seiner Geburt verblieben ist, der andere aber gleich nach seiner Geburt auf eine große Reise geschickt wird, von der er als Schulknabe zurückkehrt. Er findet dann seinen Bruder als Greis mit weißen Haaren vor, falls dieser nicht überhaupt schon gestorben ist und der nächsten Generation Platz gemacht hat.
Da nach Einstein der Begriff der Bewegung nun aber relativ ist, so hat jeder der Zwillinge das Recht, sich für ruhend zu halten und den anderen die Bewegung ausführen zu lassen, so daß dann also jeder den anderen für jünger, sich aber für gealtert oder gar schon für tot hinstellen muß.
In der Tat scheint Gehrcke Einsteins gewagte Idee von der Relativität der Zeit hier ad absurdum geführt zu haben und es ist bisher nichts darüber bekannt geworden, daß Einstein, der in Gehrckes Vortrag selbst anwesend war, den Einwand widerlegt hätte.
Mir selbst ist nie klar geworden, wie sich Einstein die Feststellung des verschiedenartigen Zeitverlaufs für die verschieden schnell bewegten Beobachter eigentlich denkt, denn diese sind doch nicht auf mitbewegte Uhren angewiesen, sondern können beispielsweise ein und dieselbe Turmuhr benutzen, und müssen dann doch die gleiche Zeit feststellen, wenn sie wieder an den gleichen Ort zurückkehren.
Fricke