Lieber Ernst,
zuerst alles gute zum Vatertag.
„Nicht mal das Bild kannst Du richtig deuten. Du verkennst das.“
Nein, lieber Ernst, Du verwechselst einiges. Was auf Deiner Zeichnung steht, habe Dir bereits erklärt – S beobachtet eine S´-Uhr, die auf Abstand von 3Ls die 0-Raumachse (Jetzt-Achse) des S überquert und sich mit 0,8 entfernt – dann bekommst Du die –4s.
Die andere Möglichkeit, was Du mit Deinen Reihen von Uhren Dir vorstellst und die mir langsam klar wird – die Uhren auf X´-Achse (Jetzt-Achse) zeigen –4s als sie die t = 0 S-Achse bei 3Ls kreuzt. Du vergleichst Uhren, die zwar synchron mit den Uhren im KS-Ursprung sind, sich aber v. KS-Ursprung auf 3Ls bzw. 5Ls befinden. Und da die Resultaten Dir passen, meinst Du auch, das soll die LT sein. Deswegen weigerst Du dich gegen die Vorstellung – Erde und Rakete, die keine unendlichen Reihen von Uhren besitzen und keine Uhren sich beim Ereignisort befinden.
Du benützt die RdG, die eine Folge der ZD, LK und LT ist, um die LT zu „erklären“. Unverständlicher und umgekehrter geht es wirklich nicht.
Wenn Du dir eine Uhr, unbewegt in S und auf Abstand von 3Ls, vorstellst, die von S´ beobachtet wird, bekommst Du bei t´ = 0 eine t = +2,4Ls und bei t = 0 eine t´= -4s. Wirst Du jetzt merken, dass die Bedingung t = t´ = 0 einen Unfug darstellt und nur bei x = x´= 0 oder v = 0 möglich ist? Das Gleiche kommt heraus, wenn ein Punktereignis „beobachtet“ wird.
Die realen Uhren wurden aber am gleichen Ort auf Null gestellt, v ist nicht 0, x und x´ sind auch nicht gleich 0. Wie lautet die Antwort? - Das war die ganze Zeit gefragt.
Und jetzt was die LT betrifft und was sie bedeutet: Habe bereits x-mal geschrieben, Dir passt es aber nicht.
Die LT bestimmt die Koordinaten eines Punktereignisses aus der Sicht und nach Meinung des „unbewegten“ IS. Die vorgegebenen im „unbewegten“ IS Koordinaten werden in Koordinaten des gleichen Punktereignisses aus der angeblichen Sicht des „bewegten“ IS transformiert. Angeblich deswegen, weil sie nur nach Meinung des unbewegten dort gemessen müssten, da die LG nur zu den „unbewegten“ = c ist.
Wollen wir wissen, was für Koordinaten die „bewegten“ tatsächlich messen, müssen wir uns in diesem „bewegten“ IS versetzen. Somit ist es aber nicht mehr „bewegt“ sondern jetzt „unbewegt“ und gleichberechtigt mit dem ursprünglichen „unbewegten“ IS. Die Koordinaten des Ereignisses werden identisch mit den Koordinaten aus dem ursprünglichen „unbewegten“ IS, da jetzt die LG rel. zu diesem IS = c ist. Oder, die „real gemessenen“ Koordinaten sind identisch – das nennt man Relativitätsprinzip.
„Aha. Also ist es keine allgemeine Koordinatentransformation analog der Galileitransformation. Letztere beschreibt dann auch eine Radarmessung? Ja dann...“
Ja, dann ist Dir offenbar auch nicht bekannt, dass auch die GT eine Radarmessung in dem Fall darstellt.
In der SRT und LT wird alles mit Lichtstrahlen gemessen und das rein nach dem Radarprinzip. Das ist die physikalische Grundlage der LT – habe Dir bereits geschildert, wie das gemacht wird – schau unten im MD – die punktierten roten auf 45° Linien zeigen den Lichtmessstrahl. Die Transformation ist die mathematische Auswertung dieser Messung.
Um den Punkt des Ereignisses – z.B. t=0 und x=3Ls zu treffen, wird das Messstrahl von S bei –3s gesendet, bei +3s empfangen. Delta t = 6s, t-Einweg = Delta t/2 = 3s. x = c*Delta t/2 = 3Ls; Zeitkoordinate t = t_Sendezeitpunkt + Delta t/2 = 0s.
Das „bewegte“ IS müsste bei –9s senden, empfängt bei +1 – Rechnung wie oben – Zeitkoordinate des Punktereignisses = -4s.
Wie Du siehst, alles wird mit je eine Uhr in jedem IS und nach dem Radarprinzip bestimmt.
„t’= γ*(t-v*x/c^2)
Aha. S' sieht in seinem System eine ortsabhängige Zeit.“
Wie Du zu dieser Schlussfolgerung kommst, ist mir schleierhaft.
Ja dann bist Du immer noch nicht im Klaren, was die SRT und LT aussagen. t´ ist eine Zeitkoordinate, die von t-, x-Koordinaten und v abhängt. S´ sieht gar nichts in seinem IS – s. oben – die „real gemessenen Koordinaten“. Real sind beide IS gleichberechtigt, beide sind S, oder S1 und S2. Eine t´ (t prim) ist immer die Zeit, Zeitkoordinate im fremden „bewegten“ IS nach Meinung des „unbewegten“ IS.
„Und seine Uhr läuft in seinem Ruhesystem anders als die Uhr von S in dessen Ruhesystem. Ja dann...“
Und darum ging´s in der ganzen Diskussion bislang. Diese Aussage stammt von den Relativisten, daher auch ihre Irrglaube, „bewegte“ Uhren laufen real langsamer, daher ZP „gelöst“. Und Du bist derjenige, der sich auf der Seite der Relativisten schlägt – somit ist diese Aussage von Dir, von mir bestimmt nicht. Du bist derjenige, der nicht verstehen will,
dass t_E = t_R = 0 was anderes bedeutet als t_E = t´_R = 0.
So, da hast Du die MD für den Fall – alles steht drin. Beide Ereignisse, t = 0s, 2s, sind bewertet. Wenn was nicht klar ist – dann bitte fragen und nicht verdrehen – alles stimmt.
ct – hier-Achse S, Zeitachse, Weltlinie der S-Uhr
X – jetzt-Achse, Raumachse von S
ct´ - hier-Achse S´, Zeitachse, Weltlinie der S´-Uhr
X´ - jetzt-Achse S´, Raumachse von S´
E – Weltlinie des Ereignisortes
rote Kreise – Punktereignisse
Pfeile zu den Kreisen – die Koordinaten der Punktereignisse, Sicht aus
in rot – alles, was S „sieht“
in blau – alles, was S´ „sieht“ (genauer, „sehen“ müsste nach Meinung von S)
rote punktierte 45° Linien – Lichtmessstrahlen
„sieht“ bedeutet Messen mit Lichtstrahlen nach dem Radarprinzip und Postulat der Invarianz der LG.
Liebe Grüße
Ljudmil