fb557ec2107eb1d6 hat geschrieben:Ich denke doch, dass ich hier richtig informiert bin. Wie man an der folgenden Skizze erkennen kann, hast du für deine Messung geschlossene Lichtpfade verwendet:
Wie Ernst schon richtig beschrieben hat, liegen im Jupiter Experiment keine geschlossenen Lichtpfade vor. Die Laufzeiten der Signale vom Jupiter bis zu den Messstationen sind in der Messung nicht inbegrffen und es werden nur Signale gemessen, die aus derselben Ebene der Jupiter-Wellenfront stammen. Es handelt sich um Einwegmessungen von A nach B und B nach A, wobei die Signale aus der Wellenfront praktisch der Synchronisation dienen - in der Annahme, dass diese Signale (identifizierbare Peaks!) dann gleichzeitig entnommen werden, wenn die Wellenfront genau parallel zur Bewegung der Messbasis verläuft. Ein geschlossener Lichtpfad läge dann vor, wenn die Schenkelstrecken des Dreiecks in der Messung inbegriffen wären, also die Messstrecke vom Jupiter nach A und dann nach B verliefe. Das ist nicht der Fall.
Geschlossene Lichtpfade haben wir beim MM, beim Sagnac, beim Michelson-Gale, beim Fizeau und beim Höck u.a. Mit all diesen Messmethoden hat das Jupiter Experipent keine Ähnlichkeit. Es liegt z.B. keine Anwendung eines Interferometers vor, um eine allfällige Differenz von Signalen festzustellen, sondern eine unmittelbare Messung auf dem Oszilloskop. Die in der Wellenfront vorhandenen Peaks werden gleichzeitig entnommen (absolute Gleichzeitigkeit), eines verbleibt quasi beim Oszilloskop und wird mit einer genau abgemessenen Verzögerung auf dem Schirm dargestellt, das andere wird von der anderen Station gesendet und mit dem verzögerten verglichen. Der Vergleich ermöglicht eine recht genaue Ermittlung der Laufzeit von einer Station zur anderen. Das Prinzip ist so überraschend einfach, dass die wissenschaftlichen Berater und die am Experiment beteiligten Fachleute eine Weile brauchten, bis sie es verstanden haben. Das Neue daran ist die direkte Verfolgbarkeit eines Peaks und die damit verbundene unmittelbare Einwegmessung - vorausgesetzt, es wird sorgfältig gearbeitet. Einige AC-Diskussionsteilnehmer haben das Prinzip nach einiger Zeit recht gut verstanden und sich daher auch kritisch auf die Ausrichtung der Messbasis konzentriert. Natürlich haben sie versucht, das Experiment zu widerlegen - aber auf die Idee, es handle sich um geschlossene Lichtpfade ist keiner von ihnen gekommen. Weil es eben nicht zutrifft.
Der wesentliche Punkt im Experiment ist die Verzögerung der Synchronsignale. Diese ganz wichtige Vorgangsweise wird noch nicht von allen nachvollzogen und von einigen sogar als Fehler deklariert. Die Veröffentlichung des tatsächlichen Experimentes wird daher sehr ausführlich ausfallen müssen, denn der Zweck des Experimentes ist es, zur Nachahmung anzuregen. Denn alle bisher durchgeführten Experimente mit geschlossenen Lichtpfaden (auch im Teilchenbeschleuniger liegen solche vor) führen nicht zum Ziel. Da haben Mansouri und Sexl zweifellos recht. Die Gleichstellung der Synchronisation mit Lichtsignalen und jener durch langsamen Uhrentransport geht wohl primär darauf zurück, dass man auch von den Uhren annimmt, dass sie nicht absolut gleichzeitig laufen. Bekanntlich dilatiert der Gang einer bewegten Uhr lt. SRT um den Lorentzfaktor, bei Lorentz dilatiert sie (falls sie nicht im Äther ruht) um den Faktor xv/c^2. Wie immer es auch sei, wir haben jedenfalls beide Synchronmethoden vermieden und extern synchronisiert und die Gleichzeitigkeit auf die beschriebene Weise absolut definiert. Dass Relativisten das nicht akzeptieren werden, war vorauszusehen - und deshalb wird unsere Methode erst dann Gewicht haben, wenn das Experiment mit gleichem Ergebnis reproduziert worden ist. Die Zeit ist reif dafür, denn das Instrumentarium, das für derartige Messungen genau genug ist, kann man heutzutage schon mit relativ geringen Mitteln erwerben. Das war ja nicht immer so.
Dass das Jupiter Experiment prinzipiell in der Lage ist, eine allfällige Anisotropie der Lichtausbreitung aufzuzeigen, ist übrigens unbestritten. Kritisiert wird lediglich die Art der Durchführung bzw. der Publikation. Abgesehen davon, dass das Experiment noch gar nicht wissenschaftlich veröffentlicht ist, verlassen wir uns sehr darauf, dass jemand den Mut und die Mittel hat, das Experiment prinzipiell zu reproduzieren.
Grüße
Harald Maurer
