nocheinPoet hat geschrieben:Nun das sehen aber einige doch anders, ich denke mal Du meinst, bisher konnte keiner etwas in der Natur zeigen, das diese Annahme verifiziert und Du das anerkennst. Wobei wir da eh wieder bei der Sache sind, Theorien können nur widerlegt werden, Popper eben.
Das kann schon sein, dass einige das anders sehen. Es ist normal, wenn Menschen Theorien unterschiedlich bewerten. Manche glauben zum Beispiel an den Urknall und einige sehen auch das anders, man könnte auch an das Spaghetti-Monster (
http://www.das-fsm.de/glaube.htm ) glauben - denn bislang ist es noch keinem gelungen, die Theorie vom Spaghetti-Monster zu widerlegen. Popper meinte, damit eine Theorie überhaupt eine Theorie ist, muss sie falsifizierbar sein. Das ist genaugenommen die SRT nicht, weil das tatsächliche Verhalten des Lichts gar keine Rolle spielt. Die SRT ist demnach nicht mal eine Theorie.
nocheinPoet hat geschrieben:Nun in der LET gibt es doch aber eine reale Verkürzung der Objekte wenn diese sich bewegen. Sonst klappt das ja nicht mit dem MM. Ich verstehe Dich dann also so richtig, das Du sagst, es gäbe eine reale Verkürzung, also genau das, was Frau Lopez in der SRT als „Schwachsinn“ und so was bezeichnet?
Was Frau Lopez
wie bezeichnet, ist mir egal. Von Verkürzung war ja keine Rede, sondern vom Postulat und von der ZD. Verkürzungen wurden ohnehin noch nie gemessen oder nachgewiesen. Wer ständig im Brustton der Überzeugung den MM-Versuch aufs Tapet bringt, sollte sich mal mit den Fehlern in diesem Versuch auseinandersetzen (bewegte Spiegel reflektieren anders, Energierelaxationszeiten blieben unberücksichtigt etc.) oder über die Aussage von Michelson selbst nachdenken, der meinte, man könne eine anisotrope Lichtausbreitung nur mit mechanischer Synchronisation nachweisen. Der MM-Versuch wird haushoch überschätzt. Meine Links auf Arbeiten, die das Nullresultat ohne SRT und LET erklären, bleiben regelmäßig unbeantwortet und unreflektiert. Lustigerweise argumentiert jede Theorie mit dem MM. Aber der sagt gar nichts aus.
nocheinPoet hat geschrieben:Mach doch bitte dazu mal ein Beispiel mit Schallwellen, mir ist nicht wirklich 100% klar, was Du genau meinst.
Dazu braucht man keine Schallwellen. Ich versuche das (für stille Mitleser) möglichst einfach zu erklären.
Synchronisiere doch mal zwei Uhren mit der Poincare-Methode, die Einstein prinzipiell übernommen hat und setze c=const einfach voraus, obwohl sich das BS im Äther sagen wir mal mit 300 km/s bewegt. Zwei Uhren im Abstand von 600 000 km sollen von der genauen Mitte aus mit jeweils einem Lichtsignal synchronisiert werden, wobei c=const angenommen wird; das Licht sollte dadurch jede Uhr nach 1 Sekunde erreichen.
Das ist natürlich dann nicht der Fall, wenn sich c=const auf den Äther bezieht und die Uhren werden daher nicht synchron ausfallen. Ein Signal wird von der Mitte zu einer Uhr übermittelt, diese Uhr weicht aber von der mittleren Uhr nun nicht um eine Sekunde, sondern um 300 000/300 300= 0,999 s von der Mitte ab, die andere Uhr hat hingegen eine Abweichung von 300 000/299700 = 1,001 s. Wenn nun c=const angenommen wird, glaubt man, die Uhren laufen synchron - tatsächlich besteht zwischen ihnen nun eine Differenz von 0,002 Sekunden. Messen wir nun mit diesen Uhren die Lichtgeschwindigkeit, die in die eine Richtung 300300 km/s und in die andere Richtung 299700 km/s beträgt (c+/-v!), so misst man dennoch "c" in jeder Richtung. In die eine Richtung braucht das Licht 600 000/300 300 = 1,998 s, aber die Uhren haben zueinander eine Abweichung von 0,002 s, das Ergebnis ist daher 1,998 + 0,002 = 2 s, in die andere Richtung hat das Licht 600 000/299700= 2,002 s; wieder korrigiert sich der Fehler durch die Asynchronizität der Uhren auf 2,002 - 0,002 = 2 Sekunden. Man wird also c=const annehmen, weil 600 000 / 2 = 300 000 km/s sind. Das heißt, man kann Licht nicht mit Uhren messen, die man mit Licht synchronisiert. Einstein tut dies aber mit seiner Synchronvorschrift und definiert so seine Gleichzeitigkeit, die aber - wie soeben gezeigt - nur dann gleichzeitig ist, wenn das BS im Äther ruht. Es spielt aber keine Rolle, wenn es sich bewegt, denn auch dann ergibt die Messung nach Vorschrift immer "c"! Das Postulat von der invarianten LG betrifft daher eine
Messkonstanz, und nicht ein tatsächliches Verhalten des Lichts. Dieses kann man nur messen, wenn man eine absolute Gleichzeitigkeit einsetzt. Michelson und andere Forscher meinten, diese absolute Synchronisation sei nur mechanisch möglich. Das ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Im Jupiter Experiment haben wir die gleichzeitige Sendung von Signalen mit der Entnahme identischer Peaks aus derselben Ebene einer Wellenfront erzielt, nur auf diese Weise lässt sich feststellen, ob sich c=const auf jedes beliebige IS oder den Absolutraum ("Äther") bezieht. Das berührt die SRT aber deshalb gar nicht, weil sie ja - vorausgesetzt man misst nach Vorschrift! - unabhängig davon funktioniert, worauf sich c=const tatsächlich bezieht. Einstein wollte ja den Äther ausschließen. Erst das ZP hat gezeigt, dass seine Methode zu Widersprüchen führt. Denn eine Differenz bei als gleichberechtigt anzunehmenden Uhren zeigt, dass eine Uhr tatsächlich gegenüber einer ruhenden die bewegte war - und damit ist das Relativitätsprinzip natürlich gestorben.
nocheinPoet hat geschrieben:Nun es gibt ja einige Postulate in der Physik, so wir Du das schreibst, klingt es als wäre das für Dich was Verwerfliches. Und es gibt ganz viele Theorien und Aussagen, die nicht so verifiziert sind, findest Du die auch alle falsch?
Ob andere Postulate oder Theorien richtig oder falsch seien, hat keinen Einfluss auf die Bewertung der SRT. Vieles wird richtig und vieles wird falsch sein. Wenn ich andere Theorien auch für falsch hielte, wird deshalb die SRT nicht richtig. Nicht die Postulate der SRT sind verwerflich, sondern die Art und Weise des Umgangs mit diesen, indem man das Produkt daraus als unumstößliche Wahrheit anpreist. Und das ist die SRT eben nicht. Und wahrscheinlich gilt das auch für jede andere Theorie - denn die Wissenschaft arbeitet doch nur mit Gleichnissen... Es kann der SRT auch nicht hilfreich sein, wenn die relativistischen Effekte der LET noch schwerer zu verdauen sind - zumindest was die LK betrifft. Wahrscheinlich ist auch das falsch. Wir leben in der Steinzeit von morgen - und eines Tages wird sich eine neue Theorie herauskristallisieren, deren Erklärungsspektrum breiter und annehmbarer ist. Auch die LET ist nicht das Gelbe vom Ei - aber hier geht es um die SRT und die Frage, ob sie "richtig" ist. Marquardt/Galezki brachten es auf den Punkt, wenn sie meinten, die SRT sei nicht mal falsch. Sie hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun - und Einstein selbst hat das übrigens auch von der ART behauptet.
nocheinPoet hat geschrieben:Wenn das alles so einfach zu begreifen ist, warum erklärst Du dann hier vielen Deiner User diese Dinge immer wieder? Und warum gibt es dann diese endlosen Diskussion um diese einfachen Dinge?
Viele Kritiker verstehen die SRT nicht und halten sie für falsch, ohne zu wissen warum (im Gegenzug wissen viele Relativisten nicht, wieso sie sie für richtig halten, weil sie das auch nur glauben). Das führt auf beiden Seiten zu schauerlichen Fehlinterpretationen und ebnet einem pseudowissenschaftlichen Einstein-Kult den Weg, in welchem jede bedeutsame Entdeckung dem Genie zugeschrieben wird (Laser, GPS, Digitalkamera ... ich habe sogar Artikel gelesen, in welchen behauptet wurde, ohne Einsteins Molekular-Erkentnisse hätte man Viagra nicht entwickeln können ...etc.) Da mir das missfällt, versuche ich darzustellen, dass die SRT eigentlich einfach zu verstehen (und zu durchschauen!) ist - kann aber nichts dafür, wenn Kritiker nicht verstehen WOLLEN! Jedenfalls erkläre ich die Theorie jedem gerne, um Fehlinterpretationen und Irrtümer zu beseitigen oder deren Ausbreitung einzudämmen. Natürlich gibt es dann endlose Diskussionen um diese Dinge - und das liegt nicht zuletzt daran, dass man der SRT eine gewisse Faszination nicht abstreiten kann.
Grüße
Harald Maurer