b) Fall 2: Das einzige Lichtereignis geschieht bei M und breitet sich kugelförmig aus. Das Bezugssystem K' bewegt sich mit Geschwindigkeit v am Bezugssystem K vorbei.Die Tatsache ist, dass ich nun den Glauben an Einsteins Unfehlbarkeit vollständig verloren habe. Dies wird Konsequenzen haben, denn
ich werde ab jetzt Albert dauernd auf die Finger schauen.

- Abbildung 6: Vom Mittelpunkt M der Anordnung AMB werden kugelförmige Lichtimpulse nach allen Seiten ausgesandt. Diese erreichen diejenigen Punkte gleichzeitig, welche gleich weit vom Sendepunkt entfernt sind. Die Anordnung ist definitionsgemäß symmetrisch und befindet sich dauerhaft im Ruhezustand. Die gemessene Gleichzeitigkeit ist allzeit stabil (absolut).
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Einstein definiert die Gleichzeitigkeit mittels in der Abbildung 6 dargestellten Anordnung: ein Lichtimpuls wird von dem Mittelpunkt der Strecke [AB] ausgesandt und erreicht die Endpunkte der Strecke gleichzeitig. Komischerweise führt er die "Relativität der Gleichzeitigkeit" mittels des Modells, welches mit zwei Lichtquellen operiert und welches ich im Teil a) vorgestellt habe...
Man denke sich: ok, der Mann hat das Recht sich frei auszusuchen, womit er arbeitet.
Nein, nicht ganz.
Die Auswahl der Methode sagt in diesem Fall über Einstein aus.
Die Gleichzeitigkeit zweier Lichtereignisse, an denen vorbei sich K' bewegt ist ersichtlich: K' eilt dem einen Ereignis entgegen, während es dem anderen vorauseilt - eine zeitversetzte Ankunft der Signale ist selbstverständlich.
Bei einem einzelnen Lichtereignis jedoch gestaltet sich die Sache schwieriger: diesem kann das Bezugssystem K' nicht mit v entgegen- oder vorauseilen - nicht, wenn man gleich behaupten will, dass das klassische Geschwindigkeits-Additionsverfahren anhand der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit aufgegeben werden muss.
In einem Bezugssystem, welches der Lichtquelle entgegeneilt muss dann der Wert der Lichtgeschwindigkeit derselbe sein, wie in einem, das der Lichtquelle vorauseilt. Kein c +/- v mehr...
Betrachten wir eine einzige Lichtquelle, deren Signal eine von dem Wert der eigenen Geschwindigkeit (K') unabhängige und konstante Geschwindigkeit besitzt, so lässt sich garantiert keine Relativität der Gleichzeitigkeit feststellen. Alles bleibt im Absoluten...anhand des endlichen und des absoluten Wertes der Lichtgeschwindigkeit.
Einstein erkennt das und geht dem Problem elegant aus dem Weg: er betrachtet den Fall 2 gar nicht...äußerst clever...aber irgendwie unfair. Erfolgsorientiert. Kann dieses Vorgehen noch als "wissenschaftlich" bezeichnet werden?

- Abbildung 7: Das Bezugssystem K' bewegt sich an K mit einer Differenzgeschwindigkeit v vorbei. Gilt für diese Geschwindigkeit das relativistische Additionstheorem nicht?...Warum eigentlich?
Das Additionstheorem wurde von Einstein als eine Allaussage formuliert. Wir wissen bereits, was es bedeutet, nicht wahr McMurdo? - IMG_4279.PNG (29.94 KiB) 2570-mal betrachtet
Die in der Abbildung 7 dargestellte Situation zeigt noch etwas erstaunliches: wir sehen hier die mit Lichtgeschwindigkeit sich ausbreitende kugelsymmetrische Wellenfront (grün). Diese erreicht den Punkt C' des Bezugssystems K' genau in dem Augenblick, in dem die Gleichzeitigkeit der Punkte C' und D' im Erkenntniszähler-Verfahren erkannt werden kann. Dies bedeutet, dass der Zeitpunkt in dem die Wellenfront des aus M herkommenden Lichtimpulses den Punkt C' erfasst, gleichzeitig ist, mit einem Punkt des Bezugssystems K', der noch nicht durch diese Wellenfront erfasst wurde. Die Existenz einer absoluten Gegenwart ist nun salonfähig geworden, sie kann, seitdem die Existenz einer absoluten Gleichzeitigkeit erkennbar geworden ist, behauptet werden.