Hallo,
nach fast einem Jahr melde ich mich wieder zu meinem Gedankenexperiment.
Mein Vorstellungsproblem war, wie es sein kann, dass die Zeitdilatation bei Zügen, die sich aufeinander zubewegen, gegenseitig sein kann,
das heißt, dass jeder Schaffner beim anderen Zug beobachtet, dass die Zeit langsamer läuft.
Hier meine neuen Überlegungen dazu:
Ich habe das Problem reduziert auf 4 Uhren, 4 Beobachter und zwei Züge (bzw. 1 Zug und 1 Bahnsteig, aber das ist irrelevant),
um möglichst wenige Parameter zu haben.
Beide Züge (A und B) sollen in ihrem Ruhezustand komplett gleich lang sein.
Jeder Zug hat sowohl in der Lok (AL, BL) als auch am Ende (AE, BE) jeweils eine Atomuhr und einen Beobachter.
Die Züge bewegen sich derart relativ zueinander, dass die Zeitdilatation/Längenkontraktion genau den Faktor 2 bzw. 0,5 ergibt.
Das müsste laut Berecnungen bei einer Relativgeschwindigkeit von 0,866c zueinander auftreten.
In Ruhezustand sieht es so aus:
Zug A:
AE▓▓▓▓▓▓▓▓▓AL bewegt sich in diese Richtung --->
Zug B bewegt sich auf Zug A zu in diese Richtung <--- BL▓▓▓▓▓▓▓▓▓BE
Beide Uhren von Zug A wurden synchronisiert. Beide Uhren von Zug B ebenfalls. Das geht, weil Lok und Ende sich zueinander nicht bewegen.
Ich nehme einmal an, dass es beim Vorbeifahren möglich sein müsste, dass man aus dem einen Zug die Uhrzeit im anderen Zug ablesen kann.
Kein Inertialsystem ist ausgezeichnet, also müsste man beide Züge austauschen können und in beiden Zügen müsste jeweils das selbe Ergebnis auftreten.
Ich bin davon ausgegangen, dass beim Zusammentreffen der Zugloks AL/BL
jeweils die Uhr in der anderen Lok beobachtet werden kann (und somit synchronisiert werden kann).
Wir gehen davon aus, dass die Uhrzeit bei beiden Uhren zum Zeitpunkt AL/BL 0 Uhr beträgt.
Mein Gedanke war es nun, dass in jedem symmetrisch auswechselbaren Zustand beider Züge
das gleiche Ergebnis auftreten muss, das heißt, wenn beide Enden AL/BL zusammentreffen,
muss dort ebenfalls in beiden Zügen die gleiche Uhrzeit aufscheinen. Anders wäre es unlogisch,
da nicht symmetrisch.
Wie kann dies aber sein,
wenn der Beobachter in dem einen Zug aber sieht, dass im anderen Zug die Zeit halb so schnell verläuft?
Nun, mein Problem war vermutlich die Vorstellung von Gleichzeitigkeit.
Es gibt also vier interessante Begegnungen:
AL/BL (beide Loks treffen aufeinander):
..▓▓▓AL ->
<---- BL▓▓▓..
AL/BE (Lok A trifft auf Zugende von B)
.▓▓▓▓AL ->
.<- ▓▓▓BE
BL/AE (Lok B trifft auf Zugende von A)
......AE▓▓▓▓▓... ->
<--- BL▓▓▓...
AE/BE (beide Zugenden treffen aufeinander).
..........AE▓▓▓▓▓.. ->
<-..▓▓▓BE
AL/BL (beide Uhren zeigen 0 Uhr und können sich gegenseitig beobachten).
AL/BE?
Ich habe angenommen, dass AL ruht und BE sich auf AL zubewegt.
In AL sind zum Beispiel zwei Zeiteinheiten (z.B. 2 ms) vergangen, bis das Ende BE daherkommt. Die Uhr zeigt 2 "Uhr".
AL beobachtet die Uhr von BE. Dort müsste der Zeiger dann auf 1 "Uhr" stehen. (Zeit vergeht langsame (halb so schnell) - nur 1ms vergangen).
AL/BE: beobachtete Uhrzeiten also (2 "Uhr"/1 "Uhr"). Auch BE sieht die Uhr von AL(!).
Dem Schaffner in BE kommt das nicht komisch vor, er sieht ja den Zug das erste Mal. Er denkt sich,
die Uhr in Lok AL zeigt eine falsche Uhrzeit an (Differenz: 1 ms).
Bei BL/AE (symmetrisches Pendant) müsste die Sachlage komplett gleich sein.
BL/AE: gegenseitig beobachtete Uhrzeiten (2 Uhr/1 Uhr)
Was passiert nun bei AE/BE?
Ich habe mir nun den Schaffner in BE vorgestellt beim Ereignis AL/BE. Bei ihm war es 1 "Uhr" beim Sichten der Lok AL.
BE glaubt, sein Zug steht. Der Zug A bewegt sich in seine Richtung. Allerdings beobachtet er,
dass im Zug A die Zeit langsamer läuft.
Er wartet, bis AE kommt. Da beide Züge in Ruhe gleich lang sind, muss es bei ihm zwei Zeiteinheiten (2ms)
dauern, bis AE daherkommt. Das heißt, seine Uhr BE zeigt 3 "Uhr" an.
Er beobachtet dann die Uhr von AE. Und auch dort müsste nun 3 "Uhr" angezeigt werden, da hier ja die Zeit halb so schnell vergeht.
Es war ja dort 2 "Uhr" in der Lok AL beim Ereignis AL/BE, AL und AE sind synchron und bei halb so schneller Zeit vergeht nur 1ms.
Dh. es müssten im Zug A beide Uhren 1 ms mehr anzeigen also 3 Uhr.
Somit ist der Widerspruch weg.
Nochmals kurz
..▓▓▓AL -> (0 Uhr)
<- BL▓▓▓.. (0 Uhr)
..▓▓▓▓AL -> (2 Uhr)
<- ▓▓▓BE (1 Uhr)
AE▓▓▓▓▓... -> (1 Uhr)
<--- BL▓▓▓... (2 Uhr)
AE▓▓▓▓▓.. ->(3 Uhr)
<-..▓▓▓BE (3 Uhr)
Aus meiner Sicht sollte dies nun so widerspruchsfrei stimmen.
Sind meine Überlegungen nachvollziehbar?
Wie sieht dies bei "Uhrreihen" aus, also mehrerer Uhren in einem Zug?
Jeweils äquivalente Zuguhren (dh. an gleicher Position) müssten beim Aufeinandertreffen dieselbe Zeit zeigen, auch bei einer Uhrenreihe.
NACH dem Aufeinandertreffen zeigt dann die jeweils im anderen Zug beobachtete Uhr eine frühere Zeit.
VOR dem Aufeinandertreffen zweier äquivalenter Uhren sollte die im anderen Zug gerade vorbeifliegende Uhr
eine spätere Zeit als die eigene anzeigen. Meine eigene Zeit vergeht ja schneller und holt die Uhrzeit im anderen Zug ein.
Und genau in dem Augenblick wo meine Uhr auf mein Pendant im anderen Zug stößt (Lok auf Lok, Mitte auf Mitte, Ende auf Ende),
da zeigen beide die gleiche Zeit an.
So, das war jetzt lange und kompliziert

Aber ich glaube meine Zweifel sind nun ausgeräumt.