fallili hat geschrieben:Je nach (erlaubter) Betrachtungsweise wird für diesen Vorgang sowohl gleichzeitiges eintreffen des Lichtes als auch ungleichzeitiges Eintreffen des Lichtes vorhergesagt - tut mir leid, das kann nicht sein und ich seh aber den Fehler nicht.
Genau wegen dieses Widerspruchs, den Du aufzeigst, wurde die SRT entwickelt, denn natürlich kann das Ereignis am Detektor nicht bezugssystemabhängig sein. Sowohl der eine Beobachter als auch der andere kann sich als ruhend definieren, dann ist das jeweils andere Bezugssystem das bewegte - das Ereignis ist aber immer dasselbe
und darf sich durch eine Koordinatentransformation nicht verändern (das wäre eine Verletzung des Relativitätsprinzips bzw. würde die Elektrodynamik nach Maxwell nur im ruhend definierten System funktionieren und im bewegten nicht - so jedenfalls werden die Anhänger der SRT argumentieren). Damit der Detektor unabhängig vom Bezugssystem in beiden Bezugssystemen keinen Widerspruch aufweist, werden die Koordinaten mit der Lorentztransformation übertragen.

Im Gegensatz zur Galileitransformation wird hier auch die Zeit transformiert, der Lorentzfaktor sqrt(1-v²/c²) bringt Längenkontraktion und Zeitdilatation in die Transformation hinein.
Gegeben sind 2 Inertialsysteme (IS). Im ruhenden ("ungestrichenen") IS befindet sich ein Beobachter am Ort x=0. Zur Zeit t=0 wird am Punkt x=300000 km und gleichzeitig am Punkt -x = -300000 km je ein Blitz ausgelöst. Das Licht erreicht von links und rechts nach 1,00069 Sekunden gleichzeitig den Beobachter (c=299792,458 km/s).
Das bewegte ("gestrichene") IS' bewegt sich mit 0,5 c relativ zum ruhenden IS. Auch im bewegten IS' befindet sich ein Beobachter, und die Frage ist, ob dieser Beobachter die Lichtsignale aufgrund seiner Bewegung zeitversetzt oder ebenfalls gleichzeitig wahrnimmt. Die beiden Blitze werden ausgelöst, wenn sich beide Beobachter gerade auf gleicher Höhe befinden.
Die Lorentztransformation beantwortet diese Frage unter Anwendung obiger Formeln wie folgt:
Der Blitzeinschlag bei x=300000 km transformiert ins IS' zu x'= 346410,16151 km.
t=0 transformiert zu -t' =
-0,57774 s.
Der Bltzeinschlag bei -x=-300000 km transformiert ins IS' zu -x'= -346410,16151 km.
t=0 transformiert zu t'=
0,57774 s.
Wir sehen also, dass im IS' die Blitzeinschläge nicht gleichzeitig erfolgen (das Minus bei -t' =
-0,57774 s nicht übersehen!). RdG! Und dass die Beobachter unterschiedliche Ortskoordinaten setzen...
Das Ereignis "gleichzeitiges Eintreffen des Lichts bei Beobachter im ruhenden IS" bei x=0, t= 1,00069 s kann man mit der LT auch sofort ins andere IS' übertragen. x=0, t= 1,00069 s transformieren zu x'=
-173205,08075 km und t'=
1,15549 s. An diesem Ort und zu dieser Zeit treffen demnach die beiden Lichtstrahlen im IS' zueinander.
Schauen wir nach, ob das sein kann.
Der Blitzeinschläge erfolgten im
IS' bei x'= 346410,16151 und -x'= -346410,16151 km.
Die Strahlen kommen lt. LT zusammen bei -x' =
-173205,08075 km. Das Licht hat also auf der einen Seite eine um diese Länge kürzere Strecke und auf der anderen Seite eine um diese Länge längere Strecke durchlaufen. Laut Postulat mit c !
Für die kürzere Strecke brauchte das Licht 0,57774 s.
Die Uhr im IS' stand beim Start aber schon auf 0,57774 s, plus die Laufzeit 0,57774 s steht die Uhr also bei der Signalzusammenkunft auf
1,15549 s. Das stimmt mit obiger Transformation der Lichtsignal-Ankunft überein!
Für die längere Strecke brauchte das Licht 1,73324 s. Die Uhr im IS' stand beim Start aber auf
-0,57774 s. Sie zeigt daher bei der Zusammenkunft der Signale
1,15549 s an! Auch das stimmt mit obiger Transformation überein und zeigt uns, dass die beiden Signale
gleichzeitig bei t'=
1,15549 s und -x' =
-173205,08075 km zusammen treffen.
Um die Signale gleichzeitig wahrzunehmen, muss der Beobachter im IS' also sich zu dieser Zeit an diesem Ort befinden. Sehen wir nach:
Der Beobachter bewegt sich also mit 0,5 c bis seine Uhr 1,15549 s anzeigt und legt dabei eine Strecke von
173205,08075 km zurück. Er befindet sich also tatsächlich genau an dem Ort, wo die beiden Signale zusammenkommen! Und daher treffen diese auch bei
diesem Beobachter gleichzeitig ein!
(Im Ruhesystem
IS' sind die 1,00069 Sekunden vom Lichtstart bis zum Beobachter
IS eine dilatierte Zeit. Im IS' sind das daher gem. t'=t/sqrt(1-v²/c²)
1,15549 s. Es ist nicht überraschend, dass diese Zeit auf der Uhr im IS' beim Eintreffen der Signale angezeigt wird, denn die Uhren müssen in beiden IS gleich lang gelaufen sein und die Zeit unterscheidet sich nur durch die Zeitdilatation!)
Was wird der Beobachter im IS' wahrnehmen, wenn er sich ruhend definiert? Er wird die Blitzeinschläge gleichzeitig wahrnehmen, und das erwartet er auch so, denn das ergibt sich schon aus der Lichtlaufzeit aufgrund seiner Ortskoordinaten. Denn jeweils 346410,16151 km / c ergibt den Zeitpunkt
1,15549 s! Und er wird feststellen, dass das andere, für ihn bewegte IS kontrahiert ist. Denn sein Bezugssystem IS' ist ja 692820,32302 km lang (von -346410,16151 km bis 346410,16151 km!), und das kontrahierte IS kann er berechnen mit l=l'*sqrt(1-v²/c²) - und da kommen prompt die 600000 km des ungestrichenen IS heraus! Es ist also alles da: RdG, ZD und LK - und am Detektor gibt es keinen Widerspruch.
Damit ist die Frage beantwortet. Gerechnet wurde mit 40 Kommastellen, die Zahlen wurden der besseren Anschauung halber auf jeweils 5 Kommastellen gekürzt. Wer's nicht glaubt, soll es nachrechnen (aber bitte mit 40 Kommastellen!).
Es ist eben so, lt. SRT nehmen
beide Beobachter die Blitze
gleichzeitig wahr! Die Lorentztransformation macht's möglich. Die Frage tut sich für den Kritiker allerdings auf, ob das jetzt nur Mathematik ist oder stellt es eine konkrete Naturbeschreibung dar?
Grüße
Harald Maurer