Highway hat geschrieben:…Das bedeutet: Nur eine Zentripetalbeschleunigung ohne Zentrifugalbeschleunigung ist erforderlich um dies [gemeint ist eine Kreisbahn] zu erreichen, die gleichzeitige Annahme einer zentrifugalen Beschleunigung gleichen Betrages (im IS) würde den Körper tangential von der Kreisbahn wegführen.
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Leider hat Highway meinen sich darauf beziehenden Beitrag, in dem ich ihn auf den Trugschluß hinweise und den richtigen Sachverhalt darstelle, nicht beachtet oder nicht begriffen.
Ich muß deshalb nochmal zu diesem Trugschluß und zu diesem Fehler zurückkommen. Auch deshalb, weil es sich hierbei um einen Hütchenspielertrick von Ernst und Co. handelt, der aufgedeckt werden muß, da er ständig wiederholt wird, zuletzt von Harald.
Dieser Trick ist die (bewußt) falsche Behauptung, daß wenn die Zentripetalkraft durch die Zentrifugalkraft ausgeglichen wäre, sich der umlaufende Körper tangential von der Kreisbahn entfernen würde.
Diese Behauptung läßt sich auch ohne mathematische Hilfsmittel „per Experiment“ als ganz offensichtlich falsch widerlegen wie folgt:
Längs des Äquators verlaufe eine Autobahn auf überall gleicher Höhe, also überall absolut waagrecht und horizontal, und dem entsprechend überall stets senkrecht zur radialen Richtung.
Ein Auto steht auf dieser Straße. Es wird in radialer Richtung zum Erdmittelpunkt hin zentripetal beschleunigt. Es fällt aber nicht dorthin, weil die gleich große Gegenkraft der Straße die Zentripetalkraft ausgleicht.
An diesem Gleichgewicht der radialen Kräfte ändert sich überhaupt nichts, wenn das Auto nun hundert Meter oder hundert Kilometer weiter wegfährt, oder langsam oder auch etwas schneller auf dieser Straße fährt: Stets wird die Zentripetalkraft durch eine entsprechende Gegenkraft ausgeglichen. Daß bei zunehmender Geschwindigkeit die Gegenkraft der Straße allmählich durch eine Zentrifugalkraft ersetzt wird, ändert auch nichts daran.
Wo sich auch das Auto gerade auf der Straße befindet, wie langsam oder schnell es auch gerade fährt, stets sind die radialen Kräfte im Gleichgewicht, und nirgendwo und zu keiner Zeit besteht ein Überschuß an einer zentripetalen Kraft; nirgendwo und zu keiner Zeit besteht eine nicht ausgeglichene zentripetale Kraft!
Trotzdem fährt das Auto auf einer Kreisbahn um die Erde herum. Und auch wenn es so schnell fährt, daß die Gegenkraft komplett von der Zentrifugalkraft kommt, fliegt es nicht tangential vom Äquator weg in die Höhe, sondern bleibt auf einer Kreisbahn!
Es ist hierbei völlig unerheblich, ob die zentripetale Kraft von einer Spiralfeder, einem Seil, oder von der Gravitation erbracht wird, oder ob die ausgleichende zentrifugale Kraft von dem Gegendruck der Straße, von einem entsprechenden Antrieb oder von der Zentrifugalkraft der Masse erbracht wird.
Wie dämlich also müssen Ernst und Co. sein, wenn sie behaupten, daß eine ausgeglichene Zentripetalkraft, d.h. ein Gleichgewicht zwischen den zentripetalen und zentrifugalen Kräften, zu einer tangentialen Entfernung von der Kreisbahn führen würde, und sich demnach das fahrende Auto tangential zur Erdkugel in die Lüfte erheben müßte, wenn die Gravitationskraft durch eine entsprechende Gegenkraft, z.B. eine vertikale Schubdüse, ausgeglichen wäre.
Nach Ernst und Co. müßte sich auch ein horizontal bewegender Hubschrauber, bei dem die Schwerkraft durch die Rotorblätter ausgeglichen wird, tangential zur Erdkugel in die Lüfte erheben.
Nach Ernst und Co. genügt also schon der bloße Ausgleich der zentripetalen Gravitationskraft, daß sich ein Hubschrauber oder eine Rakete in den Himmel erhebt.
Der Ausgleich der gravitativen Zentripetalkraft bewirkt aber lediglich, daß das Objekt auf gleicher Höhe über der Erdoberfläche bleibt. Besitzt das Objekt eine horizontale Geschwindigkeit, wird es deshalb stets eine Kreisbahnbewegung um die Erde ausführen.
Aus dem Experiment ist zu folgern, daß die Kreisbahn voraussetzt, daß Zentripetalkraft und Zentrifugalkraft stets im Gleichgewicht sind.
Mit freundlichen Grüßen
L. Pernes