Joachim Stiller hat geschrieben:
@ jJocelyne,
einmal davon abgesehen, dass ich mir in dieser Frage schon eine vorläufige Meinung gebildet habe, aber wie erklärst Du Dir die Tatsache, dass Michelson-Morley einen Ätherwind messen, aber heute in praktisch jedem Lehrbuch behauptet wird, Michelson-Morley hätten mit ihrem Experiment die Konatanz der LG bestätigt... Das ist doch eine offensichtliche Ungereimtheit...
Das Michelson-Experiment war dafür konzipiert, die Geschwindigkeit der LG relativ zu einem angenommenen Äther herauszubekommen. Was man aus den Messdaten interpretiert hat, war also die Relativgeschwindigkeit LG-Äther.
Einstein hat das Experiment methodologisch missbraucht, um die Geschwindigkeit der LG relativ zum Beobachter (sprich zum Messinstrument) herauszubekommen. Was er aus den Messdaten interpretieren wollte, war also die Relativgeschwindigkeit LG-Beobachter.
Merkst Du denn nicht, dass man schon rein methodologisch von zwei verschiedenen experimentellen Untersuchungszwecken hier spricht, wenn man von der „Konstanz der LG“ (ohne Bezug) spricht? Eine Geschwindigkeit ohne Angabe des Bezugs ist in der Physik unsinnig und unbrauchbar. Ist es Dir zumindest klar? Einstein hat das Bezugssystem des MM-Versuchs stillschweigend gewechselt: Aus den Messdaten von Michelson, dass die LG sich mit ca. 8 km/s relativ zum Äther bewegt, hat er herausinterpretieren wollen, dass die LG sich mit einem konstanten Wert relativ zum Beobachter bewegt! Du meine Güte...
Joachim Stiller hat geschrieben:
Und wie stehst Du zu Harlad Maurer? Wenn ich Harrald richtig verstanden hat, hält er das MMI für grundsätzlich ungeeigent, überhaupt irgend etwas nachzuweisen...
Was ich hier im Forum bei den seitenlangen Streitigkeiten seit Jahren über die Aussagekraft des MM-Experiments bedauere, ist, dass man den Verlauf von einem einzigen Meßvorgang untersucht. Ich vermisse die Einbindung der Messungen in umfangreichen Messreihen, die einzig Auskunft über die hypothetische Existenz eines Äthers geben können und auch voraussichtlich geben sollten. Das MM-Experiment war kein Tischexperiment mit einem Messvorgang, und fertig. Das MM-Experiment war eine extrem komplexe astronomische Beobachtung! Der astronomische Gehalt des Experiments wird bei den Streitigkeiten komplett unter den Teppich gekehrt, obwohl er hier wesentlich ist: Guck Dir mal die Auswertungen der zyklischen Abweichungen bei Michelson-Morley, Miller und Allais, man muss sich schon festhalten, um überhaupt als nicht-Astronom etwas davon zu verstehen...
Als einzelner Messvorgang, quasi als Tischexperiment betrachtet, teile ich die Meinung von Harald und von Dir, dass ein einziger Messvorgang nicht aussagekräftig ist: Es handelt sich um eine Zweiwegmessung mit Spiegel, und bei einer solchen Messvorrichtung kann man eben einen etwaigen Geschwindigkeitsunterschied zwischen Hin- und Rückweg nicht feststellen. Die einzige Möglichkeit, einen etwaigen Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Wegen festzustellen ist, die verschiedenen Messvorgängen unter sich zu vergleichen. Das hatten Michelson-Morley und Miller vor und das haben sie nach meinem Verständnis auch getan, mit dem Ergebnis, dass sie einen Ätherwind von ca. 8 bis. 12 km/s gemessen haben. Und das ist eben nicht 0 km/s...
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
