Lieber Ernst,
„Natürlich ist in der Nullposition die Beschleunigung Null“
Ich weiß nicht, welche Bewegung Du damit meinst – aber immerhin erkennst Du, dass ein Wechsel zwischen (+) und (-) immer eine 0-Stelle beinhaltet.
„die maximalen Beschleunigungen treten im oberen und unteren Totpunkt auf.“
Siehst Du, man soll sich nicht immer auf die Leerbücher verlassen. Und wir hier diskutieren meistens über abweichende Meinungen, sonst könnte jeder in den Lehrbüchern alles nachlesen.
Jetzt erkläre ich Dir die Konstellation ganz einfach. Übrigens, weiß Du warum dieser Punkt Totpunkt heißt? – Weil dort nichts passiert – eben tot.
Lassen wir mal die Kugel fallen – nach Durchgang der 0-Punkt (0-Punkt ist die Stellung, wo die Kugel unbeweglich an der Feder hängen würde), wird die Kugel immer langsamer und langsamer bis unterem TP, wo v = 0, wo Summe F = 0 und dann nach dt wieder durch die Federkraft nach oben gezogen wird.
So, a = dv/dt; a = F/m
in OTP und UTP ist v für dt = 0, somit auch dv(dt) = 0, folglich a(dt)= 0
in OTP und UTP ist Summe F(dt) = 0, somit a(dt) = 0
Alles klar? Das lernt man in der 10 Klasse. Und jetzt darfst Du mit Gerhard streiten, wie groß dv oder dt sein soll. Und nicht vergessen – bei der Kugel an Feder sind drei Kräfte im Spiel, nicht wie bei Kreis-, bwz. harmonische Bewegung, wo nur zwei behandelt werden.
Ich habe Dir damals auch das Beispiel mit dem Kolben und Pleuelstange im Freilauf angegeben – hat der Lager am Kolben Spiel, dann klappert es in OTP und UTP – drei Mal darfst Du raten warum.
Der gleiche Effekt tritt auch bei der Scheibe mit Rille – in den äußeren TP wechselt die Kraft die Rillenseite – beide Seiten der Rille werden gleich abgerieben.
Corioliseffekt: Der Streit damals, wie auch jetzt – um was handelt es sich, was sollte Coriolis genannt werden – eine Scheinkraft, die nicht existiert, die nur im Kopf eines Beobachters auftritt, oder doch eine wirkliche, wirkende und messbare Kraft. Diese wirkliche Kraft ist bereits von Newton beschrieben, die scheinbare von Coriolis, zugleich hat Coriolis aber auch die wirkliche, newtonsche, mathematisch formuliert.
a) Die Scheinbare: Irrtum eines Beobachters, er sieht eine Ablenkung, Masse spielt keine Rolle bei der Ablenkung, nur Geschwindigkeit. Um die eingebildete Kraft beschreiben zu können, wird die Masse einbezogen (keine Kraft ohne Masse). Die C-Kraft ist nicht messbar, da Körper kräftefrei.
b) Die Wirkliche: Stinknormale newtonsche Angelegenheit – eine Masse wird beschleunigt. Der gleiche Beobachter sieht jetzt keine Ablenkung, er misst eine Kraft, die natürlich aus der Trägheit des bewegten mit v Körpers hervorkommt. Masse und Geschwindigkeit sind entscheidend.
Dass die scheinbare und wirkliche Kraft mit gleichem mathematischen Formalismus beschrieben werden können, hilft wenig für das Verständnis in Bezug auf Schein oder Sein. Das und nichts anderes war mein und bei weitem nicht nur mein Anliegen – eine von beiden sollte man Corioliskraft nennen, egal auch welche, aber nicht beide.
„Hast Du übersehen:“
Nein! Ganz einfach liegst Du, wie Chief Dir schrieb, voll daneben. Es gibt in diesem Beispiel KEINE, egal auch welche Corioliskraft oder –Effekt. Um von Coriolis zu sprechen, muss eine zweite Bewegung (v), die nicht kreisförmig um die gleiche Achse ist (und nicht parallel), vorhanden sein. Der rotierende Beobachter sieht (glaubt) eine rotierende, kreisförmige Bewegung des ruhenden – in Frage kommen nur eingebildete Zentripetal-, bzw. Zentrifugalkräfte, aber keine Coriolis.
Liebe Grüße
Ljudmil