Hannes hat geschrieben: Es leuchtet jedem vernunftbegabten Menschen ein, dass das schräggestellte Seil nach innen zieht. Doch wie kommt die Gondel vorher nach außen ? Das sollst du mir erklären !
Wir betrachten hier den stationären Zustand, also den, wo das Seil schon die genannte Schräglage hat. Es muß dann weiter keine Kraft aufgebracht werden, um das Seil in dieser Stellung zu behalten. Darum geht es hier und wenn Du das nun verstehst, ist die Sache schon gelaufen.
Wenn du nach dem Entstehen der Schräglage fragst, ist das komplexer. Da ist der instationäre Anfahrvorgang zu betrachten, also der Anlauf des Karussells aus dem Stand auf die Nennderhzahl. Analytisch wird das schon recht anspruchsvoll. Aber prinzipiell läuft da folgendes ab:
Läuft das Karussell zunächst ganz langsam an, so wirkt ja auf die Gondel anfangs keine Kraft nach innen, denn die Seile hängen ja noch senkrecht. Daher wird die Gondel ganz am Anfang eine kurze Tangentialbewegung machen, wobei sie ein ganz klein wenig weiter auf einen größeren Radius gelangt. Nun wird die Fadenausrichtung schon ein wenig schräg und die Gondel wird ein wenig nach innen gezogen. Das bewirkt zwar eine leichte Kurve der Gondel nach innen; die Bewegungskurve ist aber schwächer gekrümmt, wie ein Kreis. Die Gondel gelangt deshalb auf einen noch größeren Radius, die Fadenkraft wird größer; die Krümmung wird stärker und so fort, bis die Fadenkraft so groß wird, daß die Krümmung der Kurve einen Kreis ergibt.
Die Gondel beschreibt so eine Spiralbewegung aus der Position des Stillstandes in den endgültigen stabilen Kreis.
Ernst
