sanchez hat geschrieben:Es gibt zwei Sichtweisen;
a) Uhr A bewegt sich auf Uhr B zu, und kommt dann bei Uhr B zur Ruhe.
Oder eben umgekehrt:
b) Uhr B bewegt sich auf Uhr A zu und kommt bei Uhr A zur Ruhe.
Beides sind legitime Sichtweisen, beides ist richtig.
Ich frag mich da, was gilt a) oder b) wer war der bewegte und wer der ruhende?
Stimmt: Beides ist richtig.
Die erste Frage ob a)
oder b) gilt ist aber sinnlos. Denn es wurde ja festgestellt:
Beides ist richtig. Deshalb gilt a)
und b), nicht a)
oder b).
Die zweite Frage, wer der Bewegte und wer der Ruhende ist, ist ebenfalls unsinnig. Denn es wurde ja festgestellt: Uhr A bewegt sich auf Uhr B zu
und Uhr B bewegt sich auf Uhr A zu.
Man muss man immer angeben, worauf sich eine Bewegung (z.B. eine Geschwindigkeit) bezieht. Die Bewegung der Uhr A bezieht sich auf den Ort der Uhr B und die Bewegung der Uhr B bezieht sich auf den Ort der Uhr A. Absolute Ruhe oder absolute Bewegung gibt's nicht.
Wir haben also für richtig befunden:
1. Uhr A bewegt sich auf Uhr B zu. Das bedeutet: A ist bewegt relativ zu B, bezogen auf B.
B tickt derweil in Ruhe vor sich hin, ganz unabhängig von A, und zwar synchron mit allen denkbaren Uhren – ob sie existieren oder nicht – deren Abstand zu B konstant bleibt.
2. Uhr B bewegt sich auf Uhr A zu. Das bedeutet: B ist bewegt relativ zu A, bezogen auf A.
A tickt derweil in Ruhe vor sich hin, ganz unabhängig von B, und zwar synchron mit allen denkbaren Uhren – ob sie existieren oder nicht – deren Abstand zu A konstant bleibt.
Es ist unsinnig zu fragen, wer von beiden "der" Bewegte ist. Beide sind relativ zueinander bewegt.
Bei zwei Brüdern fragt auch niemand, wer von beiden "der" Bruder ist. Jeder sagt korrekt vom anderen, dass er der Bruder ist. Einen absoluten Bruder gibt's nicht, ebenso wenig wie eine absolut ruhende oder absolut bewegte Uhr.
Oder sollen die Jungs etwa streiten "Ich bin der Bruder." – "Blödsinn! Ich bin der Bruder!" – "Falsch! Ich bin es! "...
Kurt hat geschrieben:Da hilft kein "ích frage mich da" weiter, sondern einfach nur ein Vergleich, beruhend auf Realität.
Die Realität ist: Ein Vergleich sagt nichts aus! Es braucht immer
zwei Vergleiche, einen vorher und einen nachher.
Warum wohl? Mach' ein Foto vom Autorennen mit zwei Autos drauf, die zufällig nebeneinander sind. Welches ist das schnellere? Das kann man unmöglich sagen. Es braucht ein zweites Foto, auf dem man sehen kann welches überholt hat. So ist das auch mit den Uhrenvergleichen. Es braucht immer zwei. Das hört sich trivial an, ist aber
sehr wichtig.
Kurt hat geschrieben:Die Uhren werden, dann wenn sie sich treffen, verglichen.
Und natürlich dort,
wo sie sich treffen. Und zwar wie gesagt unbedingt
zweimal in Folge. Entscheidend ist, dass die beiden Vergleiche zwangsläufig nicht nur zu verschiedenen Zeiten (zeitlich nacheinander) stattfinden, sondern auch an verschiedenen Orten. Denn die Uhren sind ja relativ zueinander bewegt, ihr Abstand hat sich inzwischen geändert.
Klar soweit, Kurt? Oder steigst du schon wieder aus?
Tatsache ist jetzt: Ein Treffen für den notwendigen zweiten Uhrenvergleich ist
unmöglich, weil sich die Uhren bereits beim ersten Vergleich getroffen haben. Danach können sich nicht mehr treffen. Sie sind ja relativ zueinander bewegt, d.h. Uhr A oder B hat sich vom ersten Treffpunkt entfernt und sie kommen für einen zweiten Vergleich nicht mehr zusammen.
Weil das die Realität ist, muss der zweite Vergleich mit anderen Uhren gemacht werden. Und zwar braucht es mindestens noch eine dritte Uhr, die sich mit A oder B trifft. Nennen wir sie mal Uhr C.
Klar soweit? Das sollte doch wohl einleuchten.
Die Frage ist jetzt: Warum sollte diese Uhr C einen vernünftigen Vergleich mit A oder B möglich machen? Sie könnte ja beim Treffen irgend etwas Zufälliges anzeigen, was in gar keinem Zusammenhang steht mit den Uhrzeiten vom anderen Vergleich. Wenn also die beiden nötigen Vergleiche etwas Brauchbares aussagen sollen, muss man so einen Zusammenhang vorher sicherstellen. Dazu kann man vorab alle drei Uhren so präparieren, dass sie beim ersten Treffen gleichzeitig die gleiche Uhrzeit haben. Das nennt man bekanntlich synchronisieren. Ohne Synchronisierung sind all diese Gedankenexperimente für die Tonne.
Bis hierher kann vielleicht sogar Kurt noch geistig folgen, aber danach scheiden sich bekanntlich die Geister.
Für die Synchronisierung muss man sich nämlich im Klaren darüber sein,
wo die beiden Treffunkte überhaupt sind und wo die drei Uhren. Das ist entscheidend für das Ergebnis der beiden Uhrenvergleiche. Gemäß SRT laufen zueinander ruhende Uhren permanent synchron. Relativ zueinander bewegte Uhren laufen nicht synchron.
Daraus ergibt sich in den Fällen oben ein Unterschied, wenn wie
a) Uhr C und B zwei zueinander ruhende Bahnhofsuhren sind und die Zuguhr A zuerst Uhr C und dann Uhr B trifft (A geht nach)
b) Uhr C und A zwei zueinander ruhende Zuguhren sind und die Bahnhofsuhr B zuerst Uhr C und dann Uhr A trifft (B geht nach)
Es zeigt sich die bekannte Symmetrie der SRT. Das noch detaillierter zu erklären spare ich mir hier. Die einen wissen es längst und die anderen wollen es wie immer gar nicht wissen.
Kurt hat geschrieben:Diejenige die weniger Zeiteinheiten anzeigt ist die Uhr die (ev. mehr) bewegt war.
Bewegt ggü.
was ist eben der Punkt. Mit den Uhrenvergleichen
a) war die Zuguhr A bewegt ggü. dem Ruhesystem der Bahnhofsuhren C und B (A geht nach)
b) war die Bahnhofsuhr B bewegt ggü. dem Ruhesystem der Zuguhren C und A (B geht nach)
Kurt hat geschrieben:Beim "Zugfahren" sind diese Situationen dargelegt, es ist nicht nur so, dass genau erkennbar ist welche Uhr bewegt war und welche nicht, sondern auch ob sie schnell oder langsam bewegt war.
Du machst nur zwei Uhrenvergleiche gemäß a), mit einer Zuguhr und zwei zueinander ruhenden Bahnhofsuhren. In dem Fall hast du ja auch recht mit dem Ergebnis: Die Zuguhr zeigt stets weniger Zeiteinheiten an, abhängig von der Relativgeschwindigkeit. Sie war eindeutig ggü. den synchonisierten Bahnhofsuhren bewegt.
Allerdings ist deine Erklärung dafür nach wie vor nur eine Behauptung, Kurt.Es liegt nicht an einem "Träger", der die Zuguhr physikalisch beeinflusst. Solche Beeinflussung findet nicht statt. Das beweisen die Uhrenvergleiche gemäß b) mit einer Bahnhofsuhr und zwei zueinander ruhenden Zuguhren: Die Bahnhofsuhr zeigt stets weniger Zeiteinheiten an, abhängig von der Relativgeschwindigkeit. Sie war eindeutig ggü. den synchonisierten Zuguhren bewegt, was hier nochmal zweifelsfrei bewiesen wurde.
Alle Versuche so einen Träger nachzuweisen sind gescheitert. Die SRT kommt ohne ihn aus und die Ergebnisse decken sich mit der Realität im Experiment.