Scheinkräfte

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Harald Maurer » Do 22. Mär 2012, 08:57

Highway hat geschrieben:Ich gehe lediglich nach Newton III davon aus, wenn auf eine Masse eine (konstante) Kraft einwirkt, dann muss es mindestens 1 weitere Masse geben, die ebenfalls von einer Kraft gleicher Größe beschleunigt wird.

Das ist ja auch richtig. Schon ein gewöhnlicher Spaziergang wird mir nur durch die Wechselwirkung meiner Füße mit dem Erdball möglich. Die Kräfte nach Newton III, die meine Beine und der Erdball zueinander ausüben, sind gleich groß und einander entgegen gesetzt - dennoch wird sich der Erdball keinen Millimeter bewegen. Auch die Straße samt Erdball rührt sich nicht, wenn sich ein PKW mit einer Kraft von 100 N darauf beschleunigt, obwohl ihm das nur aufgrund der Wechselwirkung seiner Masse mit der Erdmasse möglich ist. Nach Newton III gibt es zwar eine gleich große Kraft nach beiden Richtungen, aber das Ausmaß der Beschleunigung jedes beteiligten Körpers hängt von seiner Masse ab. Wenn Du annimmst, dass bei Koordinate 0 die Kraftwirkung der beiden Körper zueinander beginnt, und sie beträgt 100 N, dann sind 100 N eben 100 N, und hat die zu betrachtende Masse 1 kg, dann entscheiden nur diese 100 N und dieses 1 kg über das Ausmaß der Beschleunigung vom Ausgangspunkt Koordinate 0 beginnend. Was die andere beteiligte Masse macht, hat keinerlei Einfluss auf die 1 kg-Masse und kann völlig egal sein; es wirkt zwar auch auf sie eine Reaktionskraft gleicher Größe, aber wenn's der Erdball ist, wird der sich kaum rühren, und ist's eine kleinere Masse, wird eine dementsprechende Bewegung resultieren - was auf die Bewegung der mit 100 N beschleunigten 1kg-Masse keinerlei Einfluss hat. Es ist also völlig ausreichend, nur nach der Beschleunigung der 1 kg-Masse zu fragen, weil die andere Masse piepegal ist. Und da ist eben die interessante Frage, ob bei der Berechnung der Bewegungen dieser 1 kg-Masse in irgendeiner Weise eine Trägheitskraft zu berücksichtigen wäre (was ja der Fall sein müsste, wenn es sie gäbe!). Und das ist offenbar nicht der Fall.
Und müssten zwei Massen zueinander eine konstante Beschleunigung bewirken, dann dürfen und können sie sich nicht voneinander entfernen, denn eine Fernwirkung mit einer konstanten Beschleunigung als Folge gibt es bekanntlich nicht. Meine Füße müssen daher auf dem Boden und das Auto auf der Straße bleiben - und müsste die 1 kg-Masse durch eine andere Masse kontinuierlich beschleunigt werden, muss irgendein Kontakt aufrecht bleiben, welcher eine konstante Kraft bewirkt, die nicht dem 1/r²-Gesetz unterliegt.
Jetzt wäre noch zu ergründen, wo in deinen Berechnungen die Trägheitskraft zu finden wäre. Die Reaktionskraft auf die 2. Masse kann es ja nicht sein, denn das ist eine Newtonsche aktive Kraft, die darauf zurückgeht, dass Kräfte sich im Raum symmetrisch auswirken, sich also stets auf mindestens 2 Körper verteilen. Diese symmetrische Ausbreitung 1 Kraft bzw. Wirkung dieser 1 Kraft auf beide Körper hat etwas mit den Eigenschaften des Raums und der Impulserhaltung zu tun (Noether-Theorem) und der Ausdruck "Reaktionskraft" ist etwas irreführend und führt sogar soweit in die Irre, dass manche annehmen, zwischen dem Auftreten der Aktionskraft und dem Auftreten der Reaktionskraft müsse ein Zeitintervall liegen - was natürlich völlig falsch ist. Diese sogenannte Reaktionskraft ergibt sich in ihrem Betrag aus der angelegten Aktionskraft und hat mit der Trägheit der Körper nichts zu tun, denn die Größe der Trägheit ist nur durch die Größe der trägen Masse bestimmt. Die Reaktionskraft kann daher keine Trägheitskraft sein. Wer das glaubt, hat Newton III nicht kapiert.

Grüße
Harald Maurer
Harald Maurer
Administrator
 
Beiträge: 3220
Registriert: Di 30. Dez 2008, 13:05
Wohnort: Graz

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Bell » Do 22. Mär 2012, 15:08

Highway hat geschrieben:Ich will dir mal ein Beispiel geben:

Man hebt eine Masse von 1 kg vom Boden derart geschickt auf, so dass auf die Masse eine Kraft von 100 N wirkt. Frage an dich wie weit sind die Masse und die Erde nach 1 Sekunde entfernt?

Berechnung wie folgt:
Bild

Und, welche Formel nimmst Du und was rechnest Du aus?
Bell
 
Beiträge: 552
Registriert: So 21. Feb 2010, 00:12

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Ernst » Do 22. Mär 2012, 20:20

Highway hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass er nur die Hälfte rechnet, wenn er nach F=ma, v=at, s=1/2 at² fragt.

Deine Meinung ist geschenkt.

Es ist eine ganz einfache Aufgabe, die jeder Anfänger in Sachen Mechanik irgendwann wie selbstverständlich rechnet:

F = m* d²s/dt²
Aufgabe: Eine Kraft F=100N wirkt auf eine Masse m=1kg. Wie groß ist die Beschleunigung d²s/dt², wie groß ist die Geschwindigkeit nach 10s und welcher Weg ist nach 10s zurückgelegt?
Zur Zeit t=0 ist v=0 und s=0


Wenn Du ganz was anderes rechnest, dann hast du die Aufgabe nicht gelöst. Meinst Du, die Aufgabe wäre falsch gestellt und sie nicht rechnest, hast du sie nicht gelöst. Rechnest Du eine "zweite Hälfte", nach der nicht gefragt ist, hast du sie nicht gelöst. In allen Fällen hättest Du in der Schule eine Fünf bekommen.

rmw hat sie selbstverständlich auf Anhieb gelöst. Nur kommt seine "Trägheitskraft" darin nicht vor.
.
.
Ernst
 
Beiträge: 11188
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:58

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Ernst » Do 22. Mär 2012, 20:58

Highway hat geschrieben: b) weil diese Aufgabe nur einen Teil der Wahrheit beleuchtet und

Eine einfache Mechanikaufgabe ist eine einfache Mechanikaufgabe. Die enthält eine ganz konkrete Aufgabe. Deine Ansicht zur "Wahrheit" oder "Richtigkeit" der Aufgabe interessiert niemanden. Und wenn du sie nicht ohne wenn und aber lösen kannst, dann bekommst du eben eine Fünf.

Da helfen auch deine dummen Schmähungen nicht die Bohne.
.
.
Ernst
 
Beiträge: 11188
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:58

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Ernst » Do 22. Mär 2012, 21:12

Highway hat geschrieben:Ja genau Ernst. "Dann bekommst du eben eine Fünf" Ich lach mich schlapp! In welcher Welt lebst du eigentlich?

In der einen möglichen. Aber unter Menschen, die nicht die Mechanik der letzten 100-150 Jahre aus den Angeln hebeln wollen oder wie du es als deine Motivation formulierst:
die ausgetretenen Trampelpfade der letzten 100 oder 150 Jahre zu verlassen

Na denn stürz mal nicht vollends in den Abgrund. Tief gefallen bist du ja schon.
.
.
Ernst
 
Beiträge: 11188
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:58

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Ernst » Do 22. Mär 2012, 21:52

Chief hat geschrieben:....

ignored
.
.
Ernst
 
Beiträge: 11188
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:58

Re: Scheinkräfte

Beitragvon Harald Maurer » Do 22. Mär 2012, 23:26

Sensationelle Entdeckung einiger Newton-Forscher im Mahag-Forum!
Anlässlich genauen Studiums Newtonscher Texte in seiner berühmten "Principia" wurde aufgedeckt, dass nicht - wie seit Jahrzehnten irrtümlich angenommen - die Zentripetalkraft die Ursache für die Kreisbewegung eines Körpers ist, sondern dies die Zentrifugalkraft bewirkt. Die Forscher beziehen sich dabei auf folgende Textstelle:
Bild
Wie Newton hier offenbar schreibt, ist die Zentripetalkraft lediglich eine Reaktionskraft auf die Zentrifugalkraft, woraus geschlossen werden muss, dass ohne die Zentrifugalkraft auch keine Zentripetalkraft existiert. Newton schließt aus der Wirkung, welche der Körper auf einen Kreis ausübt, auf eine just auf den Körper, welcher diese Kraft ausübt, wirkenden und zum Rotationszentrum gerichtete Kraft, eben der Zentripetalkraft, was in der Folge zu einer völlig anderen Interpretation Newtonscher Gesetze führen wird, denn obwohl der Körper die nach außen gerichtete Zentrifugalkraft ausübt, gleichzeitig aber einer nach innen gerichteten Kraft gleichen Betrages ausgesetzt ist, kommt es zur kreisförmigen Bewegung des Körpers.
Der Satz, welcher zu einer Revolution der Mechanik führen wird, lautet:" Diese Summe ist aber die Kraft, mit welcher der Körper auf den Kreis wirkt, und gleich und entgegengesetzt ist ihr diejenige Kraft, mit welcher der Kreis den Körper beständig gegen den Mittelpunkt zurückstößt."
Die Kraft, mit welcher der Körper auf den Kreis wirkt, wird von den Forschern als Zentrifugalkraft bezeichnet. Man beachte: Newton schreibt die Wirkung des Körpers auf den Kreis dem Umstand zu, dass der Körper vom Kreis beständig zurückgeworfen wird, berechnet den Betrag dieser Kraftwirkung und schließt in der Folge wieder auf die Kraft des Kreises zurück, die bewirkt, dass der Körper beständig zurückgeworfen wird!
Forscher, die bisher glaubten, diesen Zirkelschluß zu erkennen und diese Textstelle Newtons als Erklärung für die Herleitung der Zentripetalkraft werteten, müssen nun umdenken. Denn der Körper, welcher offenbar mit einer Kraft vom Kreis zurückgestoßen wird, übt dennoch eine Kraft gleicher Größe auf den Kreis aus, die wiederum Ursache für die Kraft ist, die den Körper zurückstößt. Ein circulus vitiosus, wie er bisher in der Mechanik Newtons nicht bekannt war!
Zweifler an den neuen Erkenntnissen hegen allerdings immer noch den Verdacht, dass es sich bei dem Umstand, dass der Kreis den Körper beständig zurückstößt, um die Zentripetalkraft handelt und die Wirkung, welche der Körper auf den Kreis ausübt, aus seinem Bestreben kommt, sich geradlinig gleichförmig zu bewegen, was der Kreis jedoch verhindert. Diese Stümper sehen im Text Newtons lediglich eine Erklärung hiefür, dass aus einer Wirkung der Betrag der Zentripetalkraft berechnet werden kann und sprechen von einer Trägheitskraft, die nur im rotierenden Bezugssystem auftritt, weil sie nur hier als Kraft nach außen interpretiert werden kann, wogegen im nichtrotierenden Inertialsystem der gleiche Sachverhalt sich als Kraft nach innen zeigt, nämlich ausschließlich als Zentripetalkraft. Sie halten immer noch an der verwegenen Annahme fest, dass eine Zentrifugalkraft im Inertialsystem nicht existiert und sie im rotierenden Bezugssystem daher als Scheinkraft auftritt. Sie verweisen dabei auf den gleichen Text Newtons, welcher ihrer Meinung nach den Sachverhalt im rotierenden Bezugssystem beschreibt. Computeranimationen, die das Zustandekommen einer Kreisbahn mit beiden Kräften, also sowohl Zentripetal- als auch Zentrifugalkraft zeigen sollten, sind allerdings bislang fehlgeschlagen! Die Ursache hiefür wird von den Newton-Forschern noch nicht verstanden. ;)

Eine Glosse von
Harald Maurer
Harald Maurer
Administrator
 
Beiträge: 3220
Registriert: Di 30. Dez 2008, 13:05
Wohnort: Graz

Glosse

Beitragvon rmw » Fr 23. Mär 2012, 20:42

Harald Maurer hat geschrieben:dass nicht - wie seit Jahrzehnten irrtümlich angenommen - die Zentripetalkraft die Ursache für die Kreisbewegung eines Körpers ist, sondern dies die Zentrifugalkraft bewirkt. Die Forscher beziehen sich dabei auf folgende Textstelle:

Nur dass das selbst in den, was weis ich wie vielen tausenden Posts, mit aller Wahrscheinlichkeit noch kein Mensch behauptet hat.

Harald Maurer hat geschrieben:Wie Newton hier offenbar schreibt, ist die Zentripetalkraft lediglich eine Reaktionskraft auf die Zentrifugalkraft,

Newton ist in manchen seiner Formulierungen durchaus etwas schwammig, aber er beschreibt die beiden Kräfte als Kraft und Gegenkraft und das sind sie auch.

Harald Maurer hat geschrieben:was in der Folge zu einer völlig anderen Interpretation Newtonscher Gesetze führen wird,

die durchaus lachhafte Neuinterpretation ist das Abschaffen der Zentrifugalkraft, die bis zum "Erscheinen" der ART kein Mensch in Frage gestellt hatte.

Harald Maurer hat geschrieben:Zweifler an den neuen Erkenntnissen hegen allerdings immer noch den Verdacht, dass es sich bei dem Umstand, dass der Kreis den Körper beständig zurückstößt, um die Zentripetalkraft handelt und die Wirkung, welche der Körper auf den Kreis ausübt, aus seinem Bestreben kommt, sich geradlinig gleichförmig zu bewegen, was der Kreis jedoch verhindert.

In den vielen Post hat kein Mensch jemals behauptet dass nicht die Zentripetalkraft nach innen wirken würde. Freilich wirkt dem die Zentrifugalkraft entgegen.

Harald Maurer hat geschrieben:Eine Glosse von
Harald Maurer

Na ja ich bin zuversichtlich dass du schon bessere geschrieben hast.
rmw
 
Beiträge: 2387
Registriert: Di 6. Jan 2009, 14:05

Re: Glosse

Beitragvon Ernst » Fr 23. Mär 2012, 21:40

rmw hat geschrieben: die durchaus lachhafte Neuinterpretation ist das Abschaffen der Zentrifugalkraft, die bis zum "Erscheinen" der ART kein Mensch in Frage gestellt hatte.

Lachhaft ist vielmehr eine solcher eingebildeter Zusammenhang mit der ART.

Zentrifugalkraft und Corioliskraft sind ja beides Trägheitskräfte bei der Beschreibung von Bewegungen im rotierenden BS.

Wenn du nun entgegen aller angewandten Mechanik der letzten 150 Jahre behauptest, die Zentrifugalkraft sei im BS IS konspirativ "abgeschafft", in "Wahrheit" wäre sie aber vorhanden, dann muß das ja auch für die Corioliskraft gelten. Kannst du denn mal sagen, was nach deiner ausgedachten These die "nichtabgeschaffte" Corioliskraft im nichtbeschleunigten Bezugssystem so anrichtet?

Die Persiflage von Harald war ganz trefflich. Wie immer in solchen Geschichten erkennen sich die Protagonisten darin allerdings, wie man bei dir sieht, nicht selbst.
.
.
Ernst
 
Beiträge: 11188
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:58

Re: Scheinkräfte

Beitragvon julian apostata » Fr 23. Mär 2012, 23:34

Ich weiß nicht, ob ich das jemals kapieren werde, über was hier eigentlich gestritten wird. :?

Bild

Chief hat geschrieben:Was sagt die Waage? :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:


Sind wir uns alle wenigstens darüber einig? Wenn wir im Aufzug stecken bleiben dann zeigt die Waage Folgendes.

m*(M*G/r²-r*w²)

(m=zu wiegende Masse, M=Erdmasse, G=Gravitationskonstante, r=Abstand zum Erdmitttelpunkt, w=Drehgeschwindigkeit der Erde)
julian apostata
 
Beiträge: 1920
Registriert: Mi 28. Dez 2011, 12:03
Wohnort: Nürnberg

VorherigeNächste

Zurück zu Relativitätstheorie

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 20 Gäste