Lübecker hat geschrieben: Kein Beobachter ins bevorzugt. Es kann auch nicht unterschieden werden, in welchem System die Welle sich nun real vom Nullpunkt ausbreitet, und im anderen nicht. Es ist wie mit dem Einschlagspunkt der Blitze, beleibt dieser nun ruhend im Bahndammsystem oder klebt der am Zugende fest? Jeder Beobachter kann den Punkt in seinem IS „markieren“, der Wärter sagt, da hinten Punkt A an den Gleisen schlug der Blitz ein. Der Schaffner sagt, da hinten im Zug. Und wer auf dem Mond sagt, nein, der Punkt ist ein ganz anderer, die Erde hat sich mit über 1000 km/h vom Punkt weggedreht. Also warum sollte ein Beobachter bevorzugt werden? Wenn dann dem im blauen System, die Farbe hat was. Im Ernst, es gibt kein bevorzugtes System.
Also, Du hast dich für das blaue IS A entschieden. Also dieses:

Du hättest dich aber auch völlig frei für das andere IS B entscheiden können, nicht wahr? Und weil's ja völlig schnuppe ist, für welches IS man sich entscheidet, nehmen wir den Systemen die Farbe weg (Koordinatensysteme haben ja keine Farbe):

Und nun machen wir aus zwei solcher Systeme eines. Wir haben dann genau so ein IS, wie wir es im Bahndamm-Zug-Szenario voraussetzen. Zwei Blitze leuchten links und rechts auf...

Ist das jetzt der Bahndamm, oder der Zug? Sagen wir einfach, es ist der Bahndamm. Den Wärter stellen wir in die Mitte der beiden Blitze. Das Licht der Blitze erreicht ihn dann "gleichzeitig". Freilich könnte da auch der Schaffner stehen, wenn wir sagen es handelt sich um den Zug. Denn es ist ja gleichgültig, von welchem IS aus wir in unserer Betrachtung ausgehen.
Also, die Blitze leuchten gleichzeitig auf und... Moment mal, woher will der Wärter denn wissen, dass die Blitze gleichzeitig sind? Wieso haben wir eigentlich einfach postuliert, die Blitze seien gleichzeitig? Einfach aus der Betrachtung eines 3. Bezugssystems heraus geschlossen? Hoppla, da wären die Blitze im IS A dann gar nicht gleichzeitig! Wir stoßen da auf den ersten Denkfehler, der in diesem Szenario von Anfang an gemacht wird. Der Wärter kann die Gleichzeitigkeit der Blitze in seinem IS nur dann feststellen, wenn er an den Endpunkten synchron laufende Uhren hat. Weder wir als Außenbetrachter, noch der Wärter können von vornherein die Gleichzeitigkeit der Blitze postulieren. Der Wärter synchronisiert daher seine Uhren mit der Einstein-Methode: er schickt von der Mitte aus zwei Signale zu den Endpunkten. Jetzt hat er vorne und hinten synchrone Uhren - aber sie sind nur in
seinem IS synchron! Wenn schon SRT, dann schon von Anfang an richtig! Wir können natürlich auch gleich die Blitzeinschläge mit dieser Methode synchronisieren, um sicher zu sein, dass sie im Bahndamm garantiert gleichzeitig einschlagen! Das sieht dann im Bahndamm-System, für das Du dich entschieden hast, so aus:

Die Blitze sind jetzt wahrhaft gleichzeitig im IS A. Sie blitzen synchron auf, das Licht trifft sich gleichzeitig in der Mitte des Systems beim Beobachter A. Hätte wir anfangs das IS B ausgewählt, dann sähe das ganz gleich aus, nur stünde dann halt Beobachter B in der Mitte. Wir sind aber in A, und hat der Schaffner im Zug seine Uhren auch synchronisiert, dann stimmen sie mit den Uhren in A nicht überein. Das muss uns eigentlich gar nicht besonders interessieren, denn wir wissen schon von Beginn an, dass sich aus der Transformation des Systems A das System B ergeben wird und ergeben muss - denn wir hatten die freie Wahl des Systems! Wir hatten ja IS A:

Und wie fb... geschrieben hat...
"Stimmt. Beide Animationen sind richtig. Bobachter A sieht die in Animation 1 dargestellte Situation. Bobachter B sieht die in Animation 2 dargestellte Situation."...muss sich nach Transformation das Szenario IS B ergeben, das wir ja auch als Anfangsszenario hätten wählen können.

Nach den Werten, die der Schaffner am Ereignis des Wärters misst, sieht die Transformation ins IS B dann so aus:

Und wie wir sehen, wird das Licht der Blitze auch Beobachter B im Endeffekt gleichzeitig erreichen!
Jetzt hast Du was zum Nachdenken! Wo steckt der Fehler, der von Anfang an gemacht wird. Der Wärter (Beobachter A) verabsolutiert seine Situation und nimmt a priori an, die Blitze seien gleichzeitig. Das führt zu einer Auszeichnung seines Systems. Und mit der Transformation in die Sicht des Beobachters B meint er, da gehöre das eigene Ereignis des Beobachters B dazu. Der interessiert sich aber nur für den Wärter. Es ist also Mumpitz, eine fiktive Situation, die man bei B annimmt ins IS B zu transformieren. Und ohne vorausgehende Synchronisation ist das alles vergeblich. Synchronisiert man aber gleich mal die Blitze richtig, dann erhalten wir die Werte, die wir auch erhalten haben, als wir das Szenario mit dem einen Blitz aus der Mitte gerechnet haben, d.h. von der richtigen Gleichzeitigkeit der mit diesem einen Blitz synchronisierten Blitze ausgehend, sind in der Folge beide Szenarien identisch. Und da haben wir schon im Szenario mit dem einen (Synchron-) Blitz festgestellt, dass zwar jeder Beobachter beim anderen Beobachter Ungleichzeitigkeit annehmen wird, er selbst aber das Licht gleichzeitig empfängt! Und da darf es keinen Unterschied geben. Gibt es einen, ist das Postulat samt SRT im Eimer. Der Beobachter B darf niemals in der Lage sein, an einer Ungleichzeitigkeit der Lichtankunft seinen Bewegungszustand festzustellen. Und Detektoren in den Mitten der Systeme dürften niemals in die Schwierigkeit kommen, wissen zu müssen, auf welches System die Wahl gefallen ist. Sie werden in beiden Systemen die Gleichzeitigkeit der Lichtankunft registrieren - falls die SRT richtig ist!
Grüße
Harald Maurer