Ernst hat geschrieben:Nein, das ist ein fundamentaler Irrtum. Dann gäbe es ja keine RdG. Nur wenn in S die mittlere Uhr auf Null springt, stehen alle Uhren in S' auf 0. Springt in S die hintere Uhr auf 0, so stehen alle Uhren in S' auf 0,577s. Springt in S die vordere uhr auf 0, so stehen alle Uhren in S' auf -0,577s.
Das ist m.E. falsch. Die Uhren in S springen ja nicht zu unterschiedlichen Zeiten auf Null, sondern - falls es überhaupt mehrere Uhren gibt, was ja gar nicht vorausgesetzt werden muss! - zeigt die Uhr in S die Zeit dieses Systems an. D.h. gibt es mehrere Uhren, so sind sie synchronisiert und laufen alle gleich mit gleicher Zeitanzeige.
Das Gleiche gilt für die Uhr in S'. Sie zeigt die Zeit im System S' an - und auch hier genügt zur Feststellung der Zeit schon diese einzige Uhr. In keinem System springen irgendwelche Uhren zu unterschiedlichen Zeiten weiter, denn in beiden Systemen würden Eigen-Uhren synchron laufen. Ob es nun eine Uhr jeweils in den Systemen gibt oder mehrere, spielt gar keine Rolle. Gibt es aber mehrere, so stehen sie beim Zeitpunkt t=t'=0 alle auf Null. Logischerweise, da in jedem System die eigenen Uhren mit der eigenen Uhr in der Mitte synchron laufen. Dieses Bild von Petry zeigt die Situation beim Zeitpunkt Null daher richtig an:

Vor dem Zeitpunkt Null und nach diesem Zeitpunkt laufen die Uhren zwar ebenfalls in den Eigensystemen synchron, aber unterschiedlich in den Systemen zueinander durch die ZD. Die Zeit ist in jedem System immer einheitlich, da gibt es keine Uhren, die nacheinander auf eine andere Zeit springen. Keine Zeitanzeige springt auf eine andere Anzeige. Das wären ja dann sehr seltsame Uhren.
Nach dem Zeitpunkt Null (und auch vorher) laufen die Uhren in den Systemen unterschiedlich schnell. Zu diesem Zeitpunkt Null in beiden Systemen schlagen in S die gleichzeitigen Blitze ein, und die LT ergibt, dass in S' der rechte Blitz schon vorher eingeschlagen hat und der linke erst einschlagen wird! Das ergibt sich durch die Transformation, die ja eine Momentaufnahme des Zeitpunkts der Blitzschläge transformiert, und daher mit der Minuszeit angibt, dass zu diesem Zeitpunkt für S' der eine Blitz schon 0,57735 s früher eingeschlagen hat als in S und der andere 0,57735 s später einschlagen wird als in S! Im Minkowski-Raum wird das mit der Schräglage des Zugsystems begründet, die zeigen soll, dass die Gegenwarts-oder Gleichzeitigkeitsebenen der Systeme zueinander verdreht sind. Der Raum zwischen den verdrehten Achsen ist undefiniert bzw. das "Anderswo".
WIe sich die Uhren in den Systemen verhalten, zeigt Petry hier
http://de.wikibooks.org/wiki/Spezielle_ ... e:_Teil_IIausführlich:
"1. Wir betrachten zur Zeit t' = 0 die Uhr, die im Nullpunkt O' des Systems S' steht. Die ihr gegenüberstehende Uhr im Nullpunkt O des Systems S zeigt dann (verabredungsgemäß) ebenfalls gerade t = 0 an. Nach 1 Mikrosekunde (gemessen im System S, also zur Zeit t = 1 µs) hat die erste Uhr sich um 100 m weiterbewegt und befindet sich an einer Stelle, die im System S die Koordinate x = 100 m hat.

Daraus ergibt sich mit Gleichung (C) die Zeit, welche diese Uhr dann anzeigt:

Die betrachtete Uhr geht also gegenüber den Uhren im System S nach."
Also zur Zeit t=1µs (gemessen in S) zeigt die Uhr in S' t'=0,943 µs an. Die Uhr in S zeigt dann 1 µs an. Sind mehrere Uhren in den Systemen, so zeigen im System S zur Zeit t=1µs selbstverständlich alle diese Zeit an. Und da zeigen mehrere Uhren in S' selbstverständlich alle die Zeit t'=0,943 µs an! Mehrere Uhren in den Systemen sind innerhalb des Systems ja selbstverständlich synchronisiert. In keinem System gibt es abhängig von der Aufstellung der Uhren womöglich unterschiedliche Zeiten! Der Gang der Uhren in den Systemen kann sich nur durch die ZD unterscheiden! Sie laufen gleichmäßig dahin, wie dies Uhren zu tun pflegen und keine springt beim Einschlag der Blitze auf irgendeine andere Zeit. Das müsste sich dann sofort ein Uhrmacher anschauen! Die LT berücksichtigt mathematisch, dass Vergangenheit und Zukunft in den Systemen nicht übereinstimmen. Jedes der Systeme hat sein eigenes Zeitkontinuum. Die Zeitspanne zwischen Null und -0,57735 s vergeht im "anderswo", d.h. die Raumzeit zwischen den verdrehten Gegenwartsebenen ist undefiniert.

Das soll begründen, dass im Zugsystem die Ereignisse früher und später stattfinden können als im Bahndammsystem, weil sich der Zug in einer anderen Zeit befindet. Das ist eine andere
Zeit und nicht nur das Vorliegen unterschiedlicher Zeitskalen. Denn diese unterscheiden sich ja nur durch die ZD. Das ergibt aber einen absurden Knoten in der Logik, weil diese Zeiten zum Zeitpunkt Null in beiden Systemen übereinstimmen. Und daher gibt es mit den imaginären Zeitspannen im "anderswo", im undefinierten Nirvana, eben ein Problem. Denn die LT ist eine lineare, affine Transformation und impliziert deshalb sehr wohl eine lineare Vergleichsmöglichkeit der Zeiten zueinander und kein System ist in Wahrheit verdreht zum anderen! Interessanterweise haben diese imaginären Zeitspannen im anderswo stets genau das Ausmaß, welches das c+/-v in einem Äther verschwinden lässt. Das Ganze ist also eine Konstruktion zu diesem Zweck mit esoterischer Erklärung, Physik mit mystischen Zeitspannen im "anderswo", somit relativer Vergangenheit und Zukunft. Und das ist tatsächlich der esoterische Überbau, der von Minkowski über die Gleichungen von Lorentz gestülpt wurde, um der Interpretation dieser Gleichungen durch Einstein eine Grundlage zu verleihen. Und jemand, dem das seltsam vorkommt, wird mit der Behauptung abgeschmettert, man dürfe die Zeiten nicht vergleichen. Wie soll man auch, wenn das "anderswo" dazwischen liegt!
Du hältst das für logisch und richtig und wirst Deine Meinung nicht mehr ändern (Du hattest schon mal eine andere Meinung!).
Und wann konvertierst Du endgültig zur SRT?
Grüße
Harald Maurer