Highway hat geschrieben: Zur weiteren Klarstellung: Du klassifizierst also, wenn ich dich richtig verstanden habe, Trägheitskräfte prinzipiell als Scheinkräfte. Als nicht vorhandene, nicht eingeprägte Kräfte!
Richtig. Trägheitskraft und Scheinkraft ist eine identische Bezeichnung. Der Begriff Trägheitskraft wird vorwiegend in der Mechanik verwendet. Scheinkraft in der Physik. 2 Begriffe für die gleiche Sache.
Dazwischen gibt es die Möglichkeit von 0 bis 100% Teil des einen oder des jeweils anderen Bezugsystems zu sein.
Nein, das geht nicht. Die Beschreibung kann nur entweder vollständig aus dem einen oder vollständig aus einem anderen Bezugssystem erfolgen.
Es müßen zwei Bezugssysteme vorliegen. Das drückt sich im einfachsten Falle durch Kräfte aus. Dabei wird dann aber nicht mehr in eingeprägte und scheinbare Kräfte unterschieden.
Man kann beliebeig viele Bezugssysteme verwenden. Meistens sind nur zwei davon sinnvoll.
Man unterscheidet qualitativ
zwei Arten von Bezugssystemen:
1.
Inertialsysteme: In ihnen treten ausschließlich eingeprägte Kräfte auf. Und es gelten die Newtonschen Gesetze in der elementaren Form.
2:
Beschleunigte Bezugssysteme. In ihnen werdenn die Newtonschen Gesetze geltend "gemacht", indem man einen "mathematischen Trick" anwendet durch Einführung von mathematischen Krafttermen, die real nicht existieren. Das bringt den Nutzen, daß man auch komplizierte Bewegungen direkt in beschleunigten Bezugssystemen berechnen kann. Spezialfälle des Beschleunigten Bezugssystems sind gleichförmig geradlinig beschleunigte Systeme und gleichförmig rotierende Systeme.
Am Beispiel bremsendes- oder beschleunigendes Fahrzeug und Insasse. Dort gibt es offensichtlich zwei differenzierbare Bezugssysteme. Das Bezugssystem Fahrzeug und das Bezugssystem Passagier. Zwischen beiden Bezugssystemen gibt es Unterschiede in den Beschleunigungen, was sich im Auftreten von Kräften (Trägheitskräfte) manifestiert. Diese sind aber messbar und keineswegs nur scheinbar.
Nimm einen gleichförmig fahrenden Autobus. Du stehst mitten im Gang auf Rollschuhen. Nun beginnt der Bus, gleichförmig zu bremsen.
System Straßenpassant: Er sieht den Bus negativ beschleunigt infolge der (eingeprägten)Bremskraft. Dich sieht er weiter gleichförmig bewegt mit der alten Geschwindigkeit auf die Frontscheibe zu rasen. Auf Dich wirkt keine (eingeprägte) Kraft, du bleibst gleichförmig bewegt.
System Bus: Ab dem Bremsen wirst Du plötzlich relativ zum Bus beschleunigt in Richtung Frontscheibe bewegt. Als wenn etwas Dich nach vorne zieht. Du erfährst scheinbar eine Kraft nach vorne. Es ist aber weit und breit keine angreifende Kraft da. Will man Deine Bewegung relativ zum Bus mathematisch beschreiben, muß man also eine Kraft ansetzen, welche tatsächlich nicht da ist.
Unanbhängig vom Bezugssystem bleibt der Vorgang selbstverständlich unverändert. Man könnte prinzipiell stets im IS rechnen und die ermittelte Bewegung individuell ins beschleunigte BS transformieren. Das ist allerdings mitunter (etwa bei Rotation) außerordentlich kompliziert. Die Berechnungsmethode für beschleunigte BSe mittels Trägheits(Schein)kräften ist im Grunde einfach eine pauschal allgemeingültige Transformation aus dem IS ins beschleuniget BS. So hat man ein einfaches mathematisches Werkzeug, um darin direkt Relativbewegungen vorauszuberechnen, ohne stets eine aufwendige individuelle Transformation ausführen zu müssen. Mit diesem "Trick" können die Newtonschen Bewegungsgleichungen auch im IS angesetzt werden.
Gruß
Ernst