Highway hat geschrieben: Das ist doch eindeutig falsch - oder? Der Strahl wir doch nicht geteilt und der erste Teilstrahl macht sich auf den Weg und der zweite geruht noch ein wenig zu verweilen. Ist doch Blödsinn - oder? Was wäre das für ein Experiment, wenn das so funktionieren würde? Kopfschüttel.
Du schüttelst zurecht den Kopf. Was Ernst da auf einmal von sich gibt, hat nur den Zweck, mein Argument bezüglich der gleichen Zeitbasis für beide Teilstrahlen zu entkräften. Klar, dass von ihm nun behauptet wird, die Teilstrahlen würden ungleichzeitig abgesendet und kämen gleichzeitig im Detektor an. Aber es verhält sich natürlich umgekehrt. Das Prinzip des Experiments ist, dass gleichzeitig ausgesandte Wellenabschnitte nicht gleichzeitig im Detektor ankommen, weil ihre Laufzeiten in den Armen unterschiedlich sind. Bei Drehung des Apparats verlagert sich diese Zeitdifferenz, und das soll nun zur Verschiebung der Streifen im Interferenzmuster führen. Es ist überhaupt keine Frage, dass die Teilstrahlen am Strahlteiler gleichzeitig starten und auch praktisch Zwillinge sind, d.h.mit gleicher Phasenlage starten. Der Grund dafür ist, dass die Strahlteiler in MMIs Amplitudenteiler sind (halbdurchlässige Spiegel oder ein Strahlteilerwürfel wie im folgenden Bild).
Das heisst, die in den Wellenfronten ankommenden Amplituden werden teils durchgelassen und teils reflektiert, wobei stets sowohl die soeben durchgelassenen als auch die soeben reflektierten in derselben Wellenfront ankommen - es starten demnach stets Amplituden gleichzeitig in den jeweiligen Arm. Es ist keinesfalls so, wie Ernst das bildhaft schildert, dass eine "Mannschaft" nach der anderen startet, sondern die Mannschaften starten gleichzeitig, wobei sie zuerst in derselben Reihe stehen und dann ein Teil der Mannschaft geradeaus und der andere Teil im rechten Winkel losrennt. Es ist im Sport ja auch überwiegend üblich, dass bei einem Wettrennen die Teilnehmer beim Start auf derselben Linie stehen. Im Amplitudenteiler ist das auch so, nur dass beim gleichzeitigen Start 50% der Amplituden in eine andere Richtung starten. Der Start erfolgt demnach für alle Amplituden zweifelsfrei gleichzeitig und die Teilstrahlen machen sich in einem übereinstimmenden Zustand auf den Weg bzw. ihren "Wettlauf" zum Detektor.
Es enttäuscht mich ziemlich, dass Ernst (den ich für sehr kompetent gehalten habe) nun rabulistisch zu diskutieren beginnt und sogar das Messprinzip im MMI verdreht, bloß um auf meine Fragen überall mit "Nein" antworten zu können. Er hat aber gar nicht bemerkt, dass auch bei Annahme eines ungleichzeitigen Starts der Teilstrahlen meine Argumente genauso gelten, denn die Ungleichzeitigkeit beim Start - so wie er sie schildert - kann sich durch Drehung des Apparats von vornherein nicht ändern, und dann sind zwar die Teilstrahlen von Anfang an verschoben, bleiben aber auch bei Drehung ganz gleich verschoben, weil die gemeinsame Zeitbasis genauso gilt und der einzige Unterschied der ist, dass der eine Strahl jede Sekunde ein Maximum hätte, wenn der andere ein Minimum hätte - und auch das bliebe so bis zum Detektor trotz Drehung. Das "Nein" auf jede meiner Fragen ist als Argument daher völlig nichtssagend.
Grüße
Harald Maurer
