Zur allgemeinen Anregung:
actio=reactio ist ein Denkmodell, denman zur Orientierung in der messbaren Natur verwenden kann. Aber was da actio ist und was reactio ist, ist wie ich schon schrieb BELIEBIG konstruierbar. Es ist also keine Naturwahrheit, die unabhängig von einem Experimentator existieren kann. Das Prinzip ist daher genauso dehnbar wie die Kreativität des- oder derjenigen, der/die es benutzt. Zum Beispiel kann man es auch benutzen, um aus Missverständnissen Beschimpfungen zu konstruieren. Manche befriedigt das offenbar, aber ich finde es nicht zielführend. Ist die vermeintliche Dummheit der anderen wirklich Ursache für den eigenen Zorn darüber?
All hat geschrieben:Na ja, eigentlich meine ich die gesamte mechanische (künstliche) Struktur, die in und hinter so einer Rakete steckt. Dies in Einklang mit der Natur zu bringen, dass sie funktioniert und dann noch genau zu wissen, warum die Rakete mit der Natur harmoniert, erscheint mir fast unmöglich, weil alle natürlichen Parameter können wir ja gar nicht kennen ...
Das finde das eine ziemlich spannende Frage, die denke ich auch zum Oberthema hier passt. Denn die mathematische Physik macht es sich ja gerade zur Tugend, Sachverhalte ohne Detailwissen zu beschreiben. Mathematik ist ein perfektes Werkzeug zur Verwendung von Halbwissen: Man verknüpft die Strukturen, die man kennt, durch Formeln, und das Unbekannte jenseits der Erfahrung erhofft man sich aus der formalen Logik. Seltsamerweise klappt das manchmal. Ist nicht der Raketenbau ein Beispiel dafür?
Dahinter steckt m.E. auch die vertrackte Frage, ob die Mathematik uns mit etwas verbindet, das zwar nicht Teil der (sinnesmäßigen) Erfahrungswelt ist, aber trotzdem brauchbar ist. Die Menschheit kann ganz offensichtlich Raketen bauen, und die Mathematik (bzw. die menschliche Fähigkeit, formalisiert zu planen), ist dabei ein sehr ordentliches Werkzeug. Aber so richtig aus unmittelbarer Naturerfahrung kommt diese Fähigkeit nicht, so weit ich das sehe.
Besonders bemerkenswert daran finde ich, dass der Mensch und seine Protoplasmahülle mit allen automatischen Instinkten ganz offensichtlich Teil der Natur ist, sich aber so aufführt und Leistungen vollbringt, als wäre er es nicht.
Aber nochmal meine Bitte: Wer hier in diesem Forum hat schon einmal mit Triebwerken gearbeitet? Wie sehen Praktiker die Diskussion hier? Bewährt sich in der Praxis eine SRT-Sichtweise? Oder eher eine NIcht-SRT-Sichtweise? Ich fürchte ohne technischen Bezug wird die Diskussion etwas unfruchtbar bleiben...
Ein verwandtes Beispiel nochmal der Navigationstechnik: Zur präzisen Nahorientierung wird dort der Laserkreisel basierend auf dem Sagnac-Effekt benutzt.
Die Formel zur Umrechnung von Interferenzverschiebungen in Drehwinkel basiert dort auf einer Ruhe-Ätherannahme. Das ist sehr flott und kompakt machbar, und technisch einfach umsetzbar (siehe die Formel sogar hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Sagnac-Interferometer).
"Relativistisch korrekt" ist die Berechnung eine mühselige und obendrein umstrittene Ochsentour, siehe z.B. hier:
http://arxiv.org/abs/1110.1643Vielleicht kennt jemand hier ähnliche Beispiele aus der Raketentechnik?
Grüße
rp