Das "einfache" Beispiel der Relativität der Gleichzeitigkeit

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Das "einfache" Beispiel der Relativität der Gleichzeitigkeit

Beitragvon Harald Maurer » Sa 28. Jul 2012, 11:29

gert hat geschrieben:Jetzt möchte ich aber auch noch etwas von Dir hören, wie Du die Theorie vom Klaus Volkamer beurteilst.

Dazu kann ich leider gar nichts sagen, weil ich diese Theorie nicht kenne. Ich hoffe, dass ich mir das in absehbarer Zeit mal anschauen kann, um zu einem Urteil zu kommen. Nur soviel: von diesen Puzzlespielen mit Urteilchen und Teilchen mit zielgerichtet postulierten Eigenschaften, um damit wieder Teilchen zu konstruieren, halte ich nicht viel, denn Teilchen sind Modellvorstellungen, und es es trägt nichts zur Erkenntnis bei, wenn man Modelle mit Modellen erklärt. Gäbe es tatsächlich so etwas wie Urteilchen, würde mich die Frage sehr beunruhigen, wo denn diese herkommen. Es ist aber wohl so, dass man, je genauer man hinsieht, umso weniger etwas vorfindet, was einem ponderablen Teilchen gleicht. Da findet man nur noch Kräfte vor und so etwas wie ein Ursubstrat scheint es für das Universum gar nicht zu geben. Wir sind in einer Situation wie das Lichtbild eines Filmschauspielers auf der Leinwand, das den eigentlichen Grund seiner Wahrnehmbarkeit, nämlich die Leinwand, niemals ergründen kann. Das Universum ist so etwas wie eine holografische Projektion, was immer auch wir uns für den Projektor ausdenken, können wir nicht für wahr oder falsch halten, weil wir zur Beurteilung über keine objektive Instanz verfügen.
Die Physik ist aber nicht zur Beantwortung solcher Fragen vorgesehen. Ihre Theorien qualifizieren sich lediglich durch ihre Brauchbarkeit. Wenn die Theorie von Klaus Volkamer dieses Kriterium erfüllt, ist sie ebenso gut wie jede andere, die es kann.

Grüße
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Re: Das "einfache" Beispiel der Relativität der Gleichzeitigkeit

Beitragvon Harald Maurer » So 29. Jul 2012, 11:44

Solkar hat geschrieben:Somit gilt in Ihrem Kalkül also
λ' ⋅ f' = λ ⋅ (1+v/c) ⋅ f = λ ⋅ f + λ ⋅ f ⋅ v/c = c + c ⋅ v/c = c + v

Ich verstehe den Sinn dieser Frage nicht, weil c+/-v generell für den Doppler-Effekt die Ursache ist, auch für den relativistischen. Gibt es eine Relativbewegung gegen das Licht, dann gibt es auch eine Relativgeschwindigkeit gegen das Licht. Die winzige Korrektur mit der ZD, die bei der Blauverschiebung seltsamer Weise im Beobachtersystem auftreten soll, kann daran nichts ändern.
Solkar hat geschrieben:Welches Phänomen resp welche Gruppe von Phänomenen?
Nur diejenigen, die mit im SI-Sytem die Einheit Js haben oder auch andere?

Auch hier verstehe ich nicht, worauf diese Frage abzielt. Vielleicht erklären Sie mir, in welcher Weise die Anwendung eines bestimmten Einheitensystems die Beurteilung eines Phänomens beeinflussen kann.
Solkar hat geschrieben:Wie erklären Sie in Ihrem Modell die erfolgreiche Durchführung von Streuversuchen z.B. in Brookhaven und Genf?

Die Beschleunigung geladener Teilchen erfolgt prinzipiell mittels elektrischer Felder, die umgekehrt werden müssen, wenn das Teilchen das Feld durchquert hat, weil es sonst zurückgezogen wird. Diese Umkehrung der Felder muss natürlich synchron mit der jeweiligen Geschwindigkeit des Teilchens verlaufen. Diese Felder entstehen aber nicht instantan und kehren sich auch nicht instantan um, sondern sind zeitabhängig und damit ist diesem Verfahren eine physikalische Grenze gesetzt. Ab einer gewissen Frequenz dieser Wechselfelder ist die Synchronisation mit der Teilchengeschwindigkeit nicht mehr möglich, weil diese Umpolung der Felder nicht mehr schnell genug erfolgen kann. Die Strecken zwischen den Elektroden oder die Längen der Resonatoren wählt man deshalb so, dass sich das elektr.Feld gerade dann umkehrt, wenn das Teilchen die jeweilige Beschleunigungsstrecke verlässt. Auch da gibt es nur begrenzte technische Möglichkeiten. Die Geschwindigkeit der mit den Feldern gekoppelten Teilchen hängt also vom möglichen Tempo dieses Feldwechsels ab und nicht von der Setzung irgendwelcher Koordinatensysteme. Und auch nicht von der Stärke dieser Felder. Ob die Teilchen aufgrund gültiger SRT die Lichtgeschwindigkeit nicht überschreiten können, ist hier gar nicht die Frage, weil es die Beschleunigungsmethode selbst ist, die der Teilchengeschwindigkeit eine Obergrenze setzt. Sie können nicht schneller sein, als die elektrodynamischen Prozesse, die sie beschleunigen. Im LINAC erreichen Elektronen auch c, weil sie praktisch mit einer em-Welle mitlaufen (Wanderwellen, Wellenreiterprinzip).
Da müsste man nun noch sehr ins Detail gehen, aber kurz gesagt gilt hier einfach das Prinzip, dass Pferde eine Kutsche nicht schneller ziehen können, als sie zu laufen vermögen...

Der Zusammenhang der auftretenden Teilchenenergie mit der Stärke der eingesetzten Felder ist offensichtlich. Pro Beschleunigungsfeld wird dem Teilchen eine Energie von qV zugeführt, wenn V die Spannung des elektr. Feldes ist. Damit ergibt sich die Energie, mit der das Teilchen am Target ankommt oder mit einem anderen Teilchen kollidiert. Die deshalb mit eV angegebene Energie wird den Teilchen also zugeführt und erhöht sich bei Durchlauf jedes Beschleunigungsfeldes. Es ist demnach die Feldstärke bzw. die Spannung, die entscheidet, mit welcher Energie ein Teilchen aus dem Beschleuniger tritt. Es gibt ja Teilchen mit nahezu c bzw. c (Bertozzi) mit geringerer Energie und ebenso schnelle gleichartige Teilchen mit hoher Energie, und der Grund für den Unterschied kann deshalb nur in der Stärke der Beschleunigungsfelder liegen und nicht an der Geschwindigkeit. Dass man hinsichtlich der aufgenommenen Energie noch nicht alles weiß, zeigen die Messungen der Cern-Neutrinos, die theoretisch bei der Ankunft in Gransasso eine Energie von maximal 12 GeV aufweisen hätten dürfen, gemessen hat man aber Energien bis zu 40 GeV. Wenn die Energie nicht von der Geschwindigkeit abhängt, sondern von der durchlaufenen Spannung, sollte man eigentlich nicht von kinetischer Energie sprechen. Wahrscheinlich geschieht etwas mit der Ladung der Teilchen, wenn sie mit den elektrischen oder magnetischen Feldern (mit welchen sie auf der Bahn gehalten oder fokussiert werden) wechselwirken. Diese Veränderungen der Teilchen durch die Beschleunigung wird mit Massenzunahme umschrieben, dabei treten mit mc² die bekannten Probleme durch das Auftreten unendlicher Terme auf, die den Kunstgriff der Renormierung erfordern. Schon Lorentz und Abraham konnten die bei Beschleunigung der Teilchen auftretenden Effekte auf der Basis einer Äthertheorie erklären, wobei diese Effekte auf den Äther bezogen absolut sind. Mit der scheinbaren Widerlegung des Äthers wurden diese Theorien obsolet. Die SRT erklärt die Effekte aus der Beziehung von Koordinatensystemen zueinander, was ebenso einfach wie faszinierend ist, aber auch deshalb schon falsch sein muss, weil es sich im Teilchenbeschleuniger ausschließlich um beschleunigte Bewegungen handelt und diese von vornherein absolut sind und von der Beziehung von Inertialsystemen zueinander nicht ausgegangen werden kann. Die SRT wird da zweifellos in Prozesse hineingesteckt, wo sie gar nicht hingehört. Beschleunigungseffekte sind absolut, nicht relativ. Bestenfalls befindet man sich hier im Zuständigkeitsbereich der ART, und gegen diese habe ich prinzipiell nichts einzuwenden, weil das Machsche Prinzip auch in meiner Anschauung eine fundamentale Rolle spielt.

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Re: Das "einfache" Beispiel der Relativität der Gleichzeitigkeit

Beitragvon Jürgen » Mo 30. Jul 2012, 13:17

gert hat geschrieben:Jetzt möchte ich aber auch noch etwas von Dir hören, wie Du die Theorie vom Klaus Volkamer beurteilst. Sie ist schon sehr, sehr, sehr ähnlich mit Deiner Theorie. Er hat sie auch teilweise detaillierter ausgearbeitet. Die Ätherteilchen sind mit Eigenschaften versehen worden (wenn ich es richtig verstanden habe, haben sie Quantenzahlen: Masse, Ladung und Spin). Es scheint mir, dass er mit seinem "geometrischen Urteilchenmodell" die Eigenschaften der bekannten Elementarteilchen weitaus besser voraus sagen kann, als das mit den Stringtheorien möglich ist. Ich habe gerade nachgelesen, wie er die Struktur des Photons beschreibt - 2 parallele Strings (String nicht im Sinne der Stringtheorie, sondern eine Kette von Ätherteilchen), die ihrerseits die Struktur eines Neutrinos besitzen, wie sie von ihm beschrieben wurde. In dem Zusammenhang erwähnt er auch, dass auch de Broglie ein Photon aus 2 Neutrinos zusammengesetzt angesehen hat (da gibt's sogar einen Wikipedia-Artikel darüber: http://en.wikipedia.org/wiki/Neutrino_theory_of_light). Aber das nur am Rande, ich habe eben für das gerade interessiert.

Vor allem ist zu sagen, dass er für die meisten bekannten Elementarteilchen ein Strukturmodell aus "Urteilchen" entwickelt hat und er das jeweilige Modell benutzt, um Vorhersagen zu den Eigenschaften des Elementarteilchen zu machen - das finde ich schon sehr eindrucksvoll. Natürlich kann es sein, dass er irgendetwas übersehen hat, was in Widerspruch mit den bekannten Tatsachen steht - aber das kann ich nicht beurteilen, da frag ich eben jemanden, der mehr von Physik versteht als ich.

Es würde mich sehr freuen, etwas von Dir darüber zu hören; da bin ich schon sehr neugierig!

Gruss von Gert


Hallo gert,

die Idee von Klaus Volkamer erinnert eher an die These von Rolf K. Böttner - welcher leider schon verstorben ist - und ist unter folgendem Link einzusehen: http://www.universal-prinzip.de/gesamtframe1.htm.
Auch hier wird von grobstofflichen und feinstofflichen Feldern gesprochen. Ich habe mir auch bereits im youtube sein Interview angehört. Das unterscheidet sich schon sehr von der These Haralds.
Dass er zwischen einer zylindrischen und einer gefalteten Form mit der Zeit einen Gewichtsunterschied messtechnisch festgestellt hat, kann sehr wohl an der geometrischen Form dieser beiden Probanten gelegen haben.
Das zeigt u.a. auch Harald mit seiner Krümmkraft...nachzulesen in seinem Buch. Der Casimir_Effekt würde Klaus Volkamer bestimmt auch nach seiner These erklären wollen.
Und wenn dann einer den Anspruch besitzt - vermeinen zu wollen, alles damit zu erklären, so wirkt es doch schon sehr suspekt. 12 Dimensionen aufgrund 2 weiteren Paralleluniversen und das Ganze ins Sein geworfen durch den Willen eines Schöpfers...na ja...
Es führen scheinbar viele Wege nach Rom...die Frage ist nur, welche wirkt weniger esoterisch bzw. teleologisch...seine bestimmt nicht, wenn man seinen Worten genauer lauschen mag.

Mfg, Jürgen
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Re: Das "einfache" Beispiel der Relativität der Gleichzeitigkeit

Beitragvon Harald Maurer » Di 31. Jul 2012, 23:15

Solkar hat geschrieben:Was den Rest Ihres letzten Beitrages betrifft - darin findet sich kein Erklärungsansatz für die 256GeV aus meinem Beispiel.


Da müsste man sich schon mehr in das Thema vertiefen, als es meine Zeit zulässt. Nur soviel: Das "Elektron" ist eine Welle, hat zumindest ebenso Teilchen- wie Wellennatur wie das "Photon" oder jedes Teilchen der Materie. Wellen haben eine Frequenz. Ebenso wie beim Photon sich die Energie aus der Frequenz ergibt, erfolgt die Energiezunahme beim beschleunigten Elektron über die Zunahme der Frequenz und nicht proportional über die Geschwindigkeit.
In meiner persönlichen Anschauung ist die Ablaufgeschwindigkeit von Prozessen mit Wellencharakter durch die Eigenschaften des tragenden Mediums vorbestimmt, etwa in der Art, wie das fortlaufende Umfallen einer Dominosteinreihe einen bestimmten Geschwindigkeitswert erreicht, welcher von Vorbedingungen abhängt (Abstand der Steine, Reibung zwischen ihnen, ihre Elastizität etc.) und nicht weiter überschritten werden kann. Für die Impulsweitergabe in einer Dominosteinreihe gibt es also eine Höchstgeschwindigkeit, die von der Beschaffenheit und Aufstellungsart der Steine bestimmt wird. Die Steine sind daher für die Impulsübermittlung das "Medium".
Auf ähnliche Weise setzt das Medium der Lichtgeschwindigkeit, aber auch jedem anderen Fortpflanzungsprozess mit Wellencharakter eine auf das Medium bezogene Grenzgeschwindigkeit. Und das gilt in meiner persönlichen Anschauung für jedes "Teilchen" mit Wellencharakter - also für die "Materie" schlechthin (Materiewellen). Auch hier verhindert der sich kompensierende Doppler-Effekt die Feststellung, dass sich die Prozesse auf das Medium beziehen.
Die Zunahme der Energie bei beschleunigten geladenen Teilchen mit Welleneigenschaften erfolgt daher nicht direkt proportional aus der Geschwindigkeit, sondern aus der ansteigenden Frequenz der Teilchenwelle. Die erzielbare Geschwindigkeit ist durch die Eigenschaften des Mediums begrenzt. Der Energieanstieg darf daher nicht unmittelbar im Sinne kinetischer Energie auf die Geschwindigkeit zurückgeführt werden, weil es für die Geschwindigkeit eine obere Grenze gibt und die darüber hinaus erfolgende Energieerhöhung über die Frequenz erfolgt. Man muss den Prozess daher quantenmechanisch beurteilen, mit allem Drum und Dran, Wellenfunktion etc. Völlig analog dazu erhöht sich die Energie von Licht ja auch nur über die Frequenz, ohne dass sich dadurch die Lichtgeschwindigkeit ändert. Hat eine Elektron-oder Ionenwelle einmal die höchstmögliche Geschwindigkeit erreicht, so erhöht jeder weitere Beschleunigungsvorgang, welcher Energie zuführt, die Frequenz und somit die Energie des "Teilchens". Der simple Ansatz aus E=mc² und somit aus dem Anstieg der relativistischen Masse, ist falsch. Die höhere Frequenz der Teilchenwelle erhöht den Impuls des "Teilchens" und das hat mit kinetischer Energie ebenso wenig zu tun, wie die Zunahme des Impulses von Photonen, wo auch nur in der Frequenz die Ursache steckt.
In meiner persönlichen Auffassung gibt es keine substanziellen Teilchen. Jedes Materieteilchen ist ein Schwingungsvorgang, der sich geschwindigkeitsabhängig in Wellen auflöst, wenn sich dieser Vorgang durch das Medium bewegt. Damit unterliegen sie den gleichen Bedingungen wie jede andere elektromagnetische Welle auch. So kommt es eben, dass ein beschleunigtes Teilchen einen Impuls haben kann, welcher dem klassichen Ansatz für die kin.Energie widerspricht. Den Effekt auf die Beziehung von Koordinatensystemen zueinander zurückzuführen, ist m.E. glatter Humbug.

Grüße
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