Die Diskussionen um die SRT scheinen kein Ende zu nehmen, aber vielleicht hat das ja auch sein Gutes. Ich habe in diesem Forum ein wenig kreuz und quer gelesen, und fand das meiste sehr interessant. Weil ich auch etwas beitragen möchte, habe ich mir überlegt, wo es am besten hinpasst. Da ich mit meinen Überlegungen in gewissen Sinne "noch mal an den Anfang" gehe, habe ich den Mut gefass, ein neues Thema zu eröffnen. Ich bin a priori nicht für und nicht gegen die SRT, allerdings von vornherein für die Wahrheit - soweit wir sie denn finden können. Hier also einige "Eingangsbetrachtungen" zu diesem Thema.
Wenn man von der Geschwindigkeit eines Autos redet, oder auch von einer Gewehrkugel, kann man diese Geschwindigkeiten als "Emissionsgeschwindigkeit" bezeichnen. Am Anfang befinden sich Auto (bzw. Kugel) "in Ruhe", werden dann beschleunigt und haben dann ihre Geschwindigkeit. Wenn also die Polizei einen Autofahrer (bei erlaubten 80 km/h) mit 95 km/h misst, dann wird sie diese als die "wahre" Geschwindigkeit amtlich festlegen. (Man kann sich nicht damit herausreden, die Geschwindigkeit sei eine Frage des Bezugsystems, und man wäre z.B. relativ zu dem Auto, dass man gerade überholte, sehr langsam gefahren).
Allgemein: Bei Teilchen (wie Geschoss oder Auto) ist die "Emissionsgeschwindigkeit" offensichtlich die physikalisch relevante Größe. (Ob wir das Licht, das sich sowohl als Teilchen wie auch als Welle verhält, hier einzuordnen haben, lassen wir zunächst einmal offen.)
Nun ist es nicht verboten, ein beliebiges anderes (unbeschleunigtes) Bezugssystem herzunehmen, und damit kommt man dann (rein rechnerisch) auf beliebige andere Geschwindigkeiten. Unser Auto mit Tempo 95 hat dann (gleichzeitig sozusagen) auch jede andere "zufällige" Geschwindigkeit. Damit allerdings auch entsprechend andere, mit der Geschwindigkeit zusammenhängende Größen wie Impuls und kinetische Energie.
Dieser Sachverhalt mag einem an dieser Stelle zu denken geben oder auch nicht. Man kann aber wohl sagen: Die Emissionsgeschwindikeit ist eine physikalisch relevante Geschwindigkeit für Teilchen. Andere "beliebige" Geschwindigkeiten (in Bezug auf beliebige Bezugssysteme) sind rein mathematischer oder rechnerischer Natur.
Ein Fußgänger im Zug auf dem Weg zum Speisewagen mag (vom Bahndammm aus betrachtet) eine Geschwindigkeit von 153 km/h erreichen, aber das würde man nicht als Weltrekord anerkennen. Gleichzeitig würde dieser Fußgänger eine ganz andere Geschwindigkeit (nun besser als Vektor betrachtet) sagen wir relativ zu einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer haben. Spätestens hier ist aber keine "physikalische Relevanz" mehr vorhanden - auch wenn die Rechnung natürlich stimmt (aber Papier ist geduldig). Die Addition von Geschwindigkeiten ist also immer möglich, ob sie physikalisch relevant ist, ist eine andere Frage.
Wer also gerade auf dem Sofa sitzt und vielleicht Schokolade isst, braucht sich keine Gedanken zu machen. Wenn man ihm sagt, er flöge gerade mit den unterschiedlichsten Geschwindigkeiten (je nach Bezugssystem) durch den Weltraum, könnte er ohne weiteres sagen "So what!".
Worauf läuft dies nun hinaus? Zunächst nur darauf, dass, wenn wir von Bewegung und Geschwindigkeiten reden, wir physikalische und rein mathematisch/rechnerische Aspekte auseinanderhalten müssen.
Wenn nun aber, wie in der SRT behauptet (manche sagen bewiesen), die Länge von starren Stäben und der Gang von Uhren von deren Bewegung abhängt, dann sind hier Probleme vorprogrammiert. Denn es ist klar, dass dann ein und derselbe Stab (je nach Bezugssystem) ganz verschiedene Längen hat (gleichzeitig natürlich). Und eine Uhr zeigt (ebenfalls gleichzeitig) die unterschiedlichsten Zeiten an. Das ist zumindest ungewohnt.
Der erste Schritt zu einer möglichen Lösung muss wohl darin bestehen, wenigstens sorgfältig zu formulieren. In der Regel wird in der Fachliteratur nicht groß unterschieden zwischen "dem Beobachter erscheint die Länge des Stabes" und "der Stab hat die Länge". Hier ein Beispiel aus einem Artikel in "Welt der Physik", wo u.a. die bekannte Einsteinsche Lichtuhr besprochen wird (Großschreibung von mir):
"Die Tickgeräusche ertönen also seltener, und der Zeittakt der bewegten Uhr ERSCHEINT dem ruhenden Beobachter verlängert, und zwar um den Lorentzfaktor. Bewegte Uhren GEHEN demnach langsamer." Das ist auch, denke ich, die zumeist offiziell und in Lehrbüchern vertretene Ansicht.
Daher: Wer den Gang einer Uhr nicht beeinlussen möchte, sollte sie also möglichst nicht aus einem bewegten Bezugssystem heraus beobachten.
Soviel erstmal. Als nächstes wäre eine etwas systematischere Betrachtung, die neben Teilchen auch Wellen mit einbezieht, sinnvoll. Dazu jeweils die Bewegung von Quelle, Medium(?),Beobachter.
Gruß, gh001
