Lagrange hat geschrieben:Der Einfluss wurde überhaupt nicht betrachtet.

Auch das ist natürlich nicht korrekt und ist lange bekannt.
Die **Sonnenatmosphäre** kann tatsächlich eine Rolle bei der Beobachtung der Lichtablenkung spielen, insbesondere bei Experimenten, die die Ablenkung des Lichts von Sternen in der Nähe der Sonne messen. Hier sind die wichtigsten Aspekte, die den Einfluss der Sonnenatmosphäre betreffen:
### 1. **Brechungseffekte durch die Sonnenkorona**
Die äußere Atmosphäre der Sonne, die sogenannte **Korona**, besteht aus heißem, ionisiertem Gas (Plasma), das Licht brechen kann. Da die Korona sehr heiß ist (Millionen Grad Celsius), besteht sie aus geladenen Teilchen, die elektromagnetische Wellen beeinflussen können.
- **Refraktion (Brechung)**: Die Korona kann das Licht von Sternen, die in der Nähe der Sonne erscheinen, leicht brechen. Dies bedeutet, dass das Licht durch die dichte Materie in der Korona abgelenkt werden kann, was einen ähnlichen Effekt erzeugen könnte wie die von der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagte Lichtablenkung.
- Dieser Brechungseffekt ist normalerweise klein, aber er muss bei präzisen Messungen berücksichtigt werden.
### 2. **Elektronendichte und Signalverzerrung**
In der Korona gibt es auch eine hohe **Elektronendichte**, die elektromagnetische Wellen, wie Licht oder Radiowellen, beeinflussen kann. Diese Elektronendichte kann zu **Verzerrungen oder Streuungen** der Lichtstrahlen führen, was die gemessene Lichtablenkung verfälschen könnte.
- Solche Verzerrungen durch die Elektronendichte können bei Radiowellen besonders stark auftreten. Bei Lichtwellen ist der Effekt geringer, aber dennoch vorhanden und sollte in Betracht gezogen werden.
### 3. **Beeinflussung bei Sonnenfinsternis-Beobachtungen**
Viele der ersten Beobachtungen der Lichtablenkung, wie etwa das berühmte **Eddington-Experiment** von 1919, wurden während einer **Sonnenfinsternis** durchgeführt, um das Licht von Sternen in der Nähe der Sonne sichtbar zu machen. Bei solchen Beobachtungen kann die Sonnenatmosphäre (Korona) immer noch einen Einfluss auf die Lichtstrahlen haben, auch wenn die Sonne selbst verdeckt ist.
- Während einer Sonnenfinsternis sieht man oft die Korona, und das Licht von Sternen muss durch diese Atmosphäre hindurch. Daher könnte es zu leichten Verzerrungen kommen, die die Messungen der Lichtablenkung beeinflussen.
- In den frühen Beobachtungen, wie bei Eddington, war dieser Effekt möglicherweise eine Quelle für Ungenauigkeiten, da die Instrumente damals weniger empfindlich waren.
### 4. **Moderne Korrekturen und Methoden**
Mit modernen Technologien und Beobachtungsmethoden kann der Einfluss der Sonnenatmosphäre besser berücksichtigt und korrigiert werden. Es gibt verschiedene Techniken, um die Störungen durch die Korona zu minimieren:
- **Very Long Baseline Interferometry (VLBI)**: Diese Technik, bei der Radioteleskope auf weit voneinander entfernten Stationen verwendet werden, kann den Einfluss der Korona präzise modellieren und korrigieren. VLBI-Messungen zur Lichtablenkung um die Sonne erreichen eine Genauigkeit von bis zu 0,1 % oder besser.
- **Numerische Modelle der Sonnenkorona**: Es gibt Modelle, die die Dichte und Temperaturverteilung der Korona berechnen. Diese Modelle können verwendet werden, um den Brechungseffekt der Sonnenatmosphäre auf Lichtstrahlen abzuschätzen und bei Messungen zu korrigieren.
### 5. **Relevanz im Vergleich zur Raumkrümmung**
Während die Brechung durch die Sonnenatmosphäre theoretisch messbar ist, ist sie in der Praxis viel kleiner als die Ablenkung des Lichts durch die **Krümmung der Raumzeit** in der Nähe der Sonne, wie sie von der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt wird.
- Die von der Sonnenkorona verursachte Lichtbrechung ist im Vergleich zur durch die Raumzeitkrümmung verursachten Lichtablenkung ein **sekundärer Effekt**. Solche Brechungseffekte sind relativ klein, insbesondere für optisches Licht, und können in vielen Fällen durch präzise Modellierungen der Sonnenkorona herausgerechnet werden.
### Fazit:
Die Sonnenatmosphäre kann die Messung der Lichtablenkung durch **Brechungseffekte und Verzerrungen** beeinflussen, insbesondere durch die dichte Korona. Während diese Effekte in frühen Experimenten wie bei der Sonnenfinsternis von 1919 möglicherweise zu kleineren Ungenauigkeiten führten, sind moderne Techniken wie VLBI in der Lage, den Einfluss der Korona zu korrigieren. Dadurch konnte die von der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagte Lichtablenkung sehr präzise bestätigt werden, und der Einfluss der Sonnenatmosphäre ist heute gut verstanden und beherrschbar.