Hallo zusammen,
ich bedaure die Häme, die sich hier schon wieder breitmacht. Aber sie zeigt eines überdeutlich: die Verbindung zwischen Wollen und Wahrnehmen funktioniert unterschiedlich bei RT-Freunden und RT-Kritikern. Wollen und Wahrnehmen bilden die Voraussetzung eines wissenschaftlichen Disputes, aber sie sind leider fast nie expliziter Teil davon.
Fachbegriffe wie Energie und Länge existieren als Konzepte innerhalb der Wissenschaft, und dort funktionieren sie ziemlich gut, so lange man innerhalb der Etikette diskutiert, mißt und arbeitet.
Zu dieser Etikette gehört beispielsweise, dass die Konzepte nicht zu anschaulich sein dürfen oder anders ausgedrückt, dass sie alle eine Spur intuitionsfeindlich sind. Diesen Ansatz hat Max Planck seinerzeit klipp und klar formuliert in Bezug auf des Ziel der Physik:
Max Planck (In seiner Rede von 1908 "Die Einheit des physikalischen Weltbildes") hat geschrieben:
"...Worauf es ... ankommt, .. ist die Anerkennung eines ... festen, wenn auch niemals ganz zu erreichenden Zieles, und dieses Ziel ist - nicht die vollständige Anpassung unserer Gedanken an unsere Empfindungen, sondern - die vollständige Loslösung des physikalischen Weltbildes von der Individualität des bildenden Geistes. ..."
Das heißt: Auch Planck nimmt die Welt zwar menschlich wahr, aber er WILL sie übermenschlich erkennen mit den Mitteln der Physik! Das ist die Agenda der Physik bis heute. Wer sie mit etwas Witz nacherzählt und nicht zu dämlich ist, der kann mit diesem Rezept gut in der Wissenschaft Karriere machen.
Doch ist ist sein zunächst plausible Ansatz heute leider völlig verkommen, und zwar übersteigert zur impliziten Forderung, dass gute Physik UNANSCHAULICH sein müsste. Die RTen sind ein schlimmes Beispiel - wer zugibt, sie nicht intuitiv zu verstehen, gehört nicht mehr "dazu" (bzw.: er hat die verdeckte/unsägliche Agenda/Etikette ausgeplaudert

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Exakt das gleiche Muster liegt hier bei der Diskussion über "Energie" und "Länge" vor: Wer einfache Fragen stellt oder gar Erwartungen hegt, anschauliche Antworten zu bekommen oder sogar eine persönliche Beziehung zur Natur und ihren Gesetzen aufzubauen, der ist "raus", der spielt nicht mehr in der "Planck"-Liga.
Ist das nicht unglaublich albern?
Denn es besteht ja ein unleugbarer Unterschied zwischen einer rein durch eine abstrakte Messoperation definierten "Länge" und einer "Länge", wie man sie aus dem Alltag kennt. Ein Stab passt quer durch eine Tür oder eben nicht, obwohl es nach Messprotokoll passen "müsste". Diesen Unterschied als inexistent zu behaupten, ist schizoid bzw. es weicht dem eigentlichen Problem aus.
Vielleicht hilft hier ein Zitat aus dem Ende der gleichen Rede von Planck, an das man sich heute seltener erinnert:
Max Planck hat geschrieben:
" ... Deshalb wollen wir ... betonen, was von uns allen jederzeit .. beherzigt werden muß: das ist in erster Linie die Gewissenhaftigkeit in der Selbstkritik, , ... in zweiter Linie die ehrliche ... Achtung vor der Persönlichkeit wissenschaftlicher Gegner, .. und im übrigen das ruhige Vertrauen auf die Kraft desjenigen Wortes, ... welches die falschen Propheten von den wahren scheiden lehrt: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! "
Wenn nun also das Dogma der Kontraintuitivität keine Früchte hervorbringt, dann sollte man darüber nachdenken, dieses Dogma zumindest etwas zu lockern

Beste Grüße
rp