Im Faden "Das Problem der Gleichzeitigkeit" wurde lediglich ein Aufsatz zitiert und den Faden gleich gesperrt. Anscheinend ist eine Diskussion darüber nicht erwünscht.
Naja, der Aufsatz enthält die üblichen Behauptungen, unsachliche Polemik und Fehlschlüsse der Gegner von Einsteins SRT.
Zum Beispiel wird behauptet "Er [Einstein] arbeitet in diesem Stadium nur mit Gedankenexperimenten, ein sonst in der Naturwissenschaft verpöntes Verfahren."
An Gedankenexperimenten ist aber nichts verpönt. Mathematik ist z.B. ist einziges großes Gedankenexperiment. Man geht aus von Axiomen und Definitionen, und kommt innerhalb des so gesetzten Rahmens zu Beweisen durch logisch Schlüsse. So ergibt sich eine in sich geschlossene und konsistente Theorie wie u.a. die SRT. Das ist ein ganz normales Vorgehen in der Wissenschaft und kein Verpöntes.
Man muss auch solchen Unsinn lesen: "Die Wissenschaft verlangt reale Experimente. Der Zug muß mindestens 100 000 Kilometer lang sein [...] Der in der Relativitätstheorie vielverwendete «Einstein-Zug» ist ein sonderbares, phantastisches Gebilde, das von der Wirklichkeit und den einfachsten experimentellen Anforderungen so weit entfernt ist wie nur möglich."
Mit dem gleichen dummen Argument könnte man auch einem Mathematiker vorwerfen, dass er vom Dreieck mit den Kathetenlängen 3 Mio km und 4 Mio km keine Hypothenusenlänge von 5 Mio km beweisen kann, weil so große Dreiecke gar nicht realisierbar sind.
Dass es ein tendenziöser und unsachlicher Artikel ist sieht man auch an Äußerungen wie "Im Einklang mit der positivistischen Philosophie, die er vermutlich nur durch Mach kannte, sagte Einstein [...]". Als ob es irgend eine Rolle spielt, woher Einstein "vermutlich" eine positivistische Philosophie kannte...
Abgesehen davon enthält der Artikel viele logische Fehler. Aber das kennt man ja von den Crackpots und Nichtverstehern. Nichts Neues also.
Für die Fachwelt war Theimers Buch nicht mehr als eine kurze, vernichtende Rezension wert:
Die Relativitltstheorie
Theirner, W., (Lehre, Wirkung, Kritik)
Bern, Miinchen: Francke, 1977. 192 S., kart.
22,- DM.
Das Buch will eine Darstellung der Relativi-
tätstheorie (RT) sein, die "auch die Argumente
der 70 Jahre nach dem Auftreten der RT im-
mer noch starken Kritik" präsentiert. Welcher
Geist darin weht, deuten die anfänglichen Zita-
te an, in denen M. Born und E. Cassirer neben
zwei Autoren aus einem schmalbrüstigen
Pamphlet der 30er Jahre gegen Einstein gestellt
werden. Das ist aber nicht das einzige unge-
reimte der Schrift. Während z. B. das Experi-
ment von Hafele u. Keating zum Gang beweg-
ter Uhren und seine Verbesserung durch Alley
und Mitarbeiter ausführlich diskutiert werden,
ist der Verf. bei den so präzisen Messungen der
Ablenkung von Radiowellen am Sonnenrand
und den Radarmessungen im Planetensystem
(Shapiro u. Mitarb.) nicht auf dem Laufenden.
Daß die Genauigkeit der Rotverschiebungs-
messungen von Pound und Rebka fälschlicher-
weise mit nur 10 % angegeben wird, liegt auf
derselben Linie. - W. Theimer legt besonderen
Wert auf logische Fehler in der RT. Die Art
seines eigenen logischen Schließens erkennt
man an folgendem Zitat (S. 34): "Wenn es a
priori ein «früher» und ein «später» gibt, ist
nicht einzusehen, warum es nicht a priori auch
ein «gleichzeitig» geben sollte."
Mit den hier herausgefischten Mängeln wird
man dem Buch natürlich nicht gerecht. Aber
auch nach gründlicher Lektüre und trotz besten
Willens kann ich in ihm weder eine sachgerech-
te noch eine kritische Verarbeitung des Stoffes
sehen.
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H. Goenner, Göttingen
(Von Prof. Dr. Hubert Goenner, In: Physikalische BIätter 37 (1981) Nr. 3)
