fallili hat geschrieben:Und ich bin von "klassischer" Betrachtung ausgegangen. Wenn das Uhrensystem mit 0,5 c fliegt und nach 10 Sekunden ein Funksignal aussenden soll, ist zu erwarten, dass das Signal (klassisch ohne RT Effekte) aus einer Entfernung von 5 Lichtsekunden abgesendet wird.
Also müsste es - wenn beide Uhren gleich gehen (ohne RT Effekte) - nach 15 Sekunden bei mir eintreffen.
Tut es aber nicht, sondern kommt später an - was eben nur den Schluss zulässt, dass es auch später abgesendet wurde. Dass also die 10 Sekunden im Schiff länger gedauert haben als bei mir.
Das ist doch reine Fiktion, die Du da niederschreibst. Es gibt kein Experiment dieser Art - woraus schließt Du also, dass das Signal später ankommt als erwartet? Das müsste doch zuerst einmal festgestellt werden. Wir haben einmal sogar das Gegenteil, nämlich das etwas frühere Ankommen der Pioneer-Signale, woraus auf eine geringere Entfernung zu schließen war, als erwartet, und es gibt andererseits die Verzögerung von Signalen, wenn sie sich nahe der Sonne vorbei bewegen (Shapiro) oder durch das Gravitationsfeld des Jupiters abgelenkt werden. Das sind vermeintliche ART-Effekte und haben mit der SRT-ZD nichts zu tun.
fallili hat geschrieben:Kannst Du als "Trick" bezeichnen - ist aber, wenn die Experimente der letzten 100 Jahre nicht alle lügen, ein funktionierender Trick.
Experimente lügen nicht, sondern werden interpretiert und dies ja nach Theorie unterschiedlich. Alle Experimente, die die SRT zu bestätigen scheinen, bestätigen auch diverse Äthertheorien oder Emissionstheorien. Das kommt stets nur auf die Interpretation an und darauf, was man aus dem Experiment erfahren
will. Gerade jene Experimente, mit welchen man die SRT-ZD direkt "beweisen" möchte, halten einer kritischen Analyse nicht stand. Es ist daher nicht besonders sinnvoll, mit diesen Experimenten zu argumentieren. Deshalb habe ich nach derartigem nicht gefragt, sondern klipp und klar die Frage gestellt, ob es sein kann, dass sich 2 baugleiche Lichtuhren voneinander überhaupt unterscheiden können, wenn jede anhand der vertikalen Strahlführung zwischen den Spiegeln und konstanter LG die Sekunden definiert und dies nach dem Relativitätsprinzip sowohl bei inertialer Bewegung und Ruhe keinen Unterschied ergibt. Demnach ist es unmöglich, dass zwei baugleiche Lichtuhren unterschiedlich laufen - egal ob bewegt oder ruhend!
Uhren in einem Inertialsystem messen die Eigenzeit in diesem System! Die Eigenzeit ist in der SRT invariant! Nur mit der Uhr eines relativ bewegten Beobachters gemessen ergibt sich für einen Vorgang im beobachteten System eine andere Dauer - nicht aber in diesem System selbst. Werden die das eigene System betreffenden Messungen zweier baugleicher Lichtuhren verglichen - dann werden ihre gemessenen
Eigenzeiten verglichen, was denn sonst? Und da diese invariant sind, kann keine der Uhren gegenüber der anderen anders gelaufen sein. Deshalb werden in den meisten Erklärungen zum Zwillingsparadoxon die Beschleunigungsphasen als Ursache angeführt und nicht die inertiale Bewegung der Systeme zueinander.
Die ZD der SRT kann daher prinzipiell nicht beweisbar sein, weil es keine konkrete Änderung des Gangs einer Uhr geben kann. Die gibt es in der ART und bei Lorentz, in der ART über die Abhängigkeit der LG vom Gravitationspotenzial und bei Lorentz durch einen Einfluss des Äthers.
Daher ist im Rahmen der SRT der verbreitete Ausspruch "Bewegte Uhren laufen langsamer" schlicht und einfach falsch. Sie scheinen einem relativ bewegten Beobachter langsamer zu laufen, tun's aber nicht wirklich.
Grüße
Harald Maurer