Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 14:35

Hallo zusammen,

Ich habe neulich in einem Forum einen Austausch mit einem Teilnehmer gehabt, wo wir darüber einig waren, dass die Forderung der Falsifizierbarkeit von Karl Popper ein gegenwärtig anerkanntes Kriterium für die Wissenschaftlichkeit einer naturwissenschaftlichen Theorie darstellt. Diesen Austausch habe ich in meinem Blog übernommen:

Die Spezielle Relativitätstheorie ist weder wahr noch falsch: Sie ist eine Glaubenfrage

Ich habe hier den Einwand gebracht, dass die Spezielle Relativitätstheorie diese Forderung Poppers nicht erfüllt, da sie Scheineffekte beschreibt, die weder messbar, noch in der Natur materiell wechselwirken können. Der Experte für die Relativitätstheorie, Dr. Markus Pössel vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik / Albert Einstein Institut hat mir auch 2008 in einer Korrespondenz über die Natur der relativistischen Längenkontraktion (eine Kernaussage der Theorie) bestätigt, dass die Längenkontraktion von bewegten Objekten nicht materiell ist: http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2008/ ... -17190808/

Zitat von Dr. Markus Pössel:

Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher;


Meine Überlegung: Vorgänge, die sich jeglicher konkreten Messung entziehen, weil sie nicht von materieller Natur sind, sind experimentell nicht nachprüfbar und fallen daher nicht im Bereich der Naturwissenschaften. Man könnte zum Beispiel nicht die genauen Maßen einer Fata Morgana ermitteln, obwohl dieses Phänomen im Gehirn eines Menschen existieren kann.
Aus diesem Grund ist für mich die Spezielle Relativitätstheorie nicht falsifizierbar und daher nicht wissenschaftlich im Sinne Poppers, genauso wie Glaubenfragen, die prinzipiell nicht falsifizierbar sind.

Was meint Ihr über meinen Einwand?

Viele Grüße
Jocelyne Lopez

(siehe auch die Diskussion im Blog von Jörg Friedrich, wo ich auch diese Frage zur Diskussion gestellt habe: Wann ist Wissenschaft?)
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 15:18

Highway hat geschrieben:Hallo Jocelyne,

Jocelyne Lopez hat geschrieben:Meine Überlegung: Vorgänge, die sich jeglicher konkreten Messung entziehen, weil sie nicht von materieller Natur sind, sind experimentell nicht nachprüfbar und fallen daher nicht im Bereich der Naturwissenschaften.


Ich denke diese Aussage ist eher eine Bahauptung als eine Tatsache. Ich bin persönlich auch noch nicht im Reinen mit der SRT was die pysikalische Deutung anbelangt, aber die SRT kommt meiner Auffassung nach zu korrekten Ergebnissen. Das würde mich auch wundern wenn nicht nach mehr als hundert Jahren eventuell in der SRT schlummernde mathematische Fehler aufgedeckt worden wären.


Es geht hier nicht um mathematische Fehler, sondern um Logik.

1) Die Längenkontraktion von bewegten Objekten ist nicht materiell, d.h. die bewegten Objekte behalten bei Bewegung ihre Ruhelänge bei.

2) Bei Wechselwirkungen mit Materie (also bei Experimenten und empirischen Anwendungen) ist also einzig und alleine die Ruhelänge der Objekte maßgebend. Ein physikalisches Ereignis wird folglich in der Natur nicht zu dem Zeitpunkt und am Ort geschehen, die unter Berücksichtigung der Längenkontraktion vorausgesagt werden, weil diese Längenkontraktion immateriell ist und in der Natur nicht stattfindet, sondern zu dem Zeitpunkt und am Ort geschehen, die von der klassischen Physik unter Berücksichtigung der Ruhelänge der Objekte vorausgesagt werden. Die klassische Physik bewährt sich auch jeden Tag glänzend.

3) Es kann also kein Experiment geben, das eine immaterielle Längenkontraktion nachprüfen kann. Das ist also ein Verstoß gegen die Forderung der Falsifizierbarkeit im Sinne Poppers für eine wissenschaftliche Theorie.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 16:11

Highway hat geschrieben:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Es geht hier nicht um mathematische Fehler, sondern um Logik.

1) Die Längenkontraktion von bewegten Objekten ist nicht materiell, d.h. die bewegten Objekte behalten bei Bewegung ihre Ruhelänge bei.


Zu 1.) Aha. Nehme ich zur Kenntnis und werde mich bemühen danach zu handeln.


Es geht nicht darum, danach zu handeln, es geht in der Tat darum es zur Kenntnis zu nehmen. ;)
Diese Auskunft wurde nämlich von einem Experte der Relativitästheorie erteilt, der eine durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung autorisierte Kompetenz ausweist (Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik / Albert Einstein Institut in Potsdam), siehe hier.



Highway hat geschrieben:Zu 2.) Da hast du meiner Meinung nach, du verzeihst mir hoffentlich die offenen Worte, zu wenig Phantasie. Man kann sich schon eine LK und ZD vorstellen wenn man die Rahmenbedingungen via Postulat so setzt wie es Einstein seinerzeit getan hat. Ich kann mir auch vorstellen meine Größe in Nanosekunden zu berechnen wenn ich mich darauf verlassen kann das die Lichtgeschwindigkeit konstant ist und ich über eine mathematische Beziehung jederzeit meine Größe in Metern ausrechnen kann wie ich es bisher gewohnt war. Ich kann mir auch vorstellen das Uhren langsamer oder schneller gehen müssen um eine kürzere oder längere Zeit darstellen zu können. Der mathematische Zusammenhang ist wichtig. An deiner Stelle würde ich mir eher Gedanken machen wie den der mathematische Zusammenhang sein müßte damit du wieder in deiner gewohnten Uhrzeit rechnen und vor allen Dingen auch auf der uhr ablesen kannst. Mit ein wenig Phantasie hast du diesbezüglich jedenfalls schon deutlich weniger Bauchschmerzen.


Aber doch, ich kann mir schon vorstellen, dass man mit verschiedenen Meßmethoden abweichende Längen für ein und dasselbe Objekt ermitteln kann, vor allem bei bewegten Objekten, wo die Messung naturgemäß sehr empfindlich ist. Doch, ich kann mir in der Meßkunde abweichende Ergebnisse schon vorstellen, auch ohne viel Fantasie. ;) Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die materielle Ruhelänge des Objektes sich bei Bewegung nicht ändert. Abweichende Ergebnisse sind also Scheineffekte, oder Messillusionen, oder Messfehler, egal wie man sie nennen möchte, das spielt keine Rolle. Tatsache bleibt: Nur die unveränderte Ruhelänge des Objekts ist in der Natur maßgebend und kann bei physikalischen Ereignisse in der Natur wechselnwirken.

Ich könnte mir dagegen nicht vorstellen, dass ein und dasselbe Ereignisse zu zwei verschiedenen Zeitpunkten und an zwei verschiedenen Orten bei abweichenden Längenmessungen stattfinden könnte, dafür hätte ich in der Tat keine "Fantasie". ;) Ein Ereignis findet nur einmal statt, zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort, unter Berücksichtigung einer bestimmten materiellen Länge. Alles Anderes wäre Illusion, Magie oder Esoterik.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 17:54

Highway hat geschrieben:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Diese Auskunft wurde nämlich von einem Experte der Relativitästheorie erteilt,...


Was soll mir diese Aussage jetzt sagen, also so rein logisch betrachtet, das Herr Richter es nicht zur Kenntnis nimmt (aus guten Gründen) oder das du nicht verstanden hast was er dir höfflich mitzuteilen versucht hat?


Die Aussage will uns jetzt sagen, was sie sagt, und zwar, dass gemäß Auslegung eines Experten aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung genannten Institut die Längenkontraktion gemäß Spezieller Relativitätstheorie nicht materiell ist. Albert Einstein hat also keine materielle Veränderung der Ruhelänge eines bewegten Objektes in seiner Theorie angenommen. Was ist denn da für Dich unverständlich? Es ist doch eine klare Aussage, oder?

Oder bist Du denn persönlich der Meinung, dass die Objekte gemäß Spezieller Relativitätstheorie ihre Ruhelänge doch materiell verändern, wie andere Wissenschaftler es aus der SRT deuten? Stellst Du die Auffassung von Dr. Markus Pössel in Frage? Oder wo ist hier genau Dein Problem? Das müssen wir erst einmal klären, bevor wir weiter diskutieren, sonst werden wir die ganze Zeit wohl aneinander vorbeireden. :(

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 20:53

acadam hat geschrieben:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:
1) Die Längenkontraktion von bewegten Objekten ist nicht materiell, d.h. die bewegten Objekte behalten bei Bewegung ihre Ruhelänge bei.


zu punkt 1) Was ist materiell? Wo ist der Unterschied zwischen materiell und energetisch?


Materiell ist materiell. Da wollen wir bitte nicht wieder anfangen auf diesen Grundbegriff rumzureiten, das haben wir im Nebenthread "Die Längenkontraktion ist nicht materiell" reichlich getan... :(
Wenn ich die Länge eines Objekts messe, messe ich seine materielle Länge (ein Ansammlung von Atomen, wenn Du es so beschreiben willst, bin ich einverstanden), und ich messe dabei nicht seine Energie. So viel Ahnung von Meßtechnik hat schon jeder, sogar ich. ;)


acadam hat geschrieben:
zu Punkt 3) Eine Falsifizierbarkeit gibt es überhaupt nicht.


Gibt es sehr wohl: Der Begriff ist definiert, und zwar die Falsifizierbarkeitsforderung, die von Karl Popper für die Wissenschaftlichkeit einer physikalischen Theorie aufgestellt wurde, die in der theoretischen und experimentellen Physik allgemein anerkannt ist, sowohl von Relativisten als auch von Kritikern, und die wir hier in diesem Thread hinsichtlich der relativistischen Längenkontraktion untersuchen wollen.

Ich bin wie gesagt der Meinung, dass sie für die Kernaussage der SRT Längenkontration nicht vorliegt: Nicht nur, dass seit 100 Jahren die Längenkontraktion experimentell nie nachgewiesen wurde, sie ist auch prinzipiell nicht nachweisbar, weil von immateriellen Natur. Anders gesagt, man kann nicht eine Verkürzung messen, die nicht stattfindet.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Gerhard Kemme » Fr 22. Mai 2009, 21:44

Eine Theorie - oder der Teil einer Theorie - sollte einen Wahrheitsanspruch haben. Wenn also durch eine überzeugende Methode, z.B. Experiment oder logischer Schluss, nachgewiesen werden kann, dass die Postulate, Grundaussagen oder Hypothesen Unsinn darstellen, dann wäre meines Erachtens eine Widerlegung oder auch Falsifizierung erfolgt. Und da hätte ich bei der SRT keinen Zweifel, dass sie falsifizierbar ist. Es ist klar, dass sich diese Theorie stark gegen eine Überprüfung und gegen Kritik Immunisiert, doch wären da völlig unsinnige Erläuterungen zur Zeitdilatation, z.B. das Zwillingsparadoxon, und viele andere Theoriebestandteile klar widerlegbar. Eine Frage ist, ob die "Gläubigen" der RT dies anerkennen - aber darauf kommt es nicht an.
Nehmen wir als Beispiel die hübsche Menschheits-Entstehungs-Geschichte im Buch Genesis von Adam und Eva. Wenn jemand behauptet, dass so genau die Menschen entstanden wären, dann würde man nach den Belegen für diese These fragen, wenn es dafür keine überzeugenden Belege gibt, dann sind die Behauptungen unbegründet und die Theorie ist wiederlegt. Wobei sich diese Widerlegung auf die unmittelbar vorhandene Theorie bezieht und nicht auf den Sachverhalt als solchem, d.h. es kann ja eine Unsinns-Theorie zu einem wahren Sachverhalt geben, wobei dann die Unsinns-Theorie widerlegt wird, aber die Frage nach der Wahrheit des Sachverhaltes damit nicht berührt wird.

mfg
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 22. Mai 2009, 22:48

Gerhard Kemme hat geschrieben:Eine Theorie - oder der Teil einer Theorie - sollte einen Wahrheitsanspruch haben. Wenn also durch eine überzeugende Methode, z.B. Experiment oder logischer Schluss, nachgewiesen werden kann, dass die Postulate, Grundaussagen oder Hypothesen Unsinn darstellen, dann wäre meines Erachtens eine Widerlegung oder auch Falsifizierung erfolgt.


In der Physik führt die Forderung der Falsifizierbarkeit dazu, dass es für eine Theorie ein Experiment geben muss, das die Theorie bestätigen (oder widerlegen) kann.

Meine Überlegung ist: Da die Längenkontraktion lediglich ein Scheineffekt ist, der weder eine materielle Ursache noch eine materielle Wirkung in der Natur hat, kann sie prinzipiell nicht experimentell verifiziert werden, sprich weder experimentell bestätigt noch experimentell widerlegt werden.

Wenn ich zum Beispiel halbverdurstet in der Wüste einen Brunnen sehe, würde kein Mensch in der Lage sein diese Erscheinung zu widerlegen oder zu bestätigen: Sie hat in der physikalischen Natur keine materielle Ursache und keine materielle Wirkung, sie ist rein abstrakt, sie existiert in der physikalischen Welt nicht, sie existiert nur biologisch in meinem Gehirn. Sie kann von den Physikern weder gemessen, noch erklärt werden, sie gehört nicht zum Bereich der Physik. Man kann mir auch nur glauben oder nicht glauben, dass ich einen Brunnen sehe: Meine Aussage ist eine Glaubenfrage. Und so ist es auch für die Längenkontraktion, man kann sie in der Physik weder bestätigen noch widerlegen.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon contravariant » Fr 22. Mai 2009, 23:29

Jocelyne Lopez hat geschrieben:Meine Überlegung ist: Da die Längenkontraktion lediglich ein Scheineffekt ist, der weder eine materielle Ursache noch eine materielle Wirkung in der Natur hat, kann sie prinzipiell nicht experimentell verifiziert werden, sprich weder experimentell bestätigt noch experimentell widerlegt werden.

Dann ist deine Überlegung wohl falsch.
http://arxiv.org/abs/0710.3489v2
The proposal is submitted for the measurement of the relativistic length contraction using the nanoscopic dumbbell moving in LHC or ILC. Some paradoxes concerning the length contraction and simultaneity are discussed. The dynamical states of rods and strings accelerated by the gravitational field and non-gravitational field are discussed. The realizaton of the acceleration of the nanotube charged dumbbell in LHC, ILC and other accelerators is evidently the prestige problem for the experts working in the accelerator physiocs.

Dort wird genau das vorgeschlagen, was du für unmöglich erklärst. Wie wäre es, wenn du den Artikel einmal lesen würdest?
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Sa 23. Mai 2009, 08:23

Highway hat geschrieben:
Jocelyne Lopez hat geschrieben:...In der Physik führt die Forderung der Falsifizierbarkeit dazu, dass es für eine Theorie ein Experiment geben muss, das die Theorie bestätigen (oder widerlegen) kann...


Experimente in diesem Sinne gibt es doch zur Genüge. Fizeau, Michelson-Morley, Michelson-Gale usw. usw.


Sorry, aber bei keinem dieser Experimente wurde die Länge von bewegten Objekten gemessen, ergo sind sie nicht geeignet, die Längenkontraktion von bewegten Objekten nachzuprüfen, geschweige denn zu bestätigen. :(


Highway hat geschrieben:Um deiner Argumentation zu folgen würde das aber bedeuten das du mir ein Experiment anbieten müßtes damit ich erst mal deine Behauptung falsifizieren kann oder alternativ zeigst du mir ein Experiment was die SRT falsifiziert. Dann wäre beiden Forderungen genüge getan und die Wahrheit gefunden. Da du aber weder das Eine noch das Andere lieferst, jedenfalls kann ich nicht unmittelbar erkennen wo denn das gewesen sein sollte, bleibt nur anzunehmen das die SRT richtig ist.


Ich argumentiere ausgerechnet die ganze Zeit darüber, dass es eben kein Experiment geben kann, das die Längenkontraktion von bewegten Objekten nachprüfen kann, weil dieses Phänomen rein abstrakt ist und weder eine Ursache noch eine Wirkung in der physikalischen Realität hat... :( Man kann also keine Aussage über die Längenkontraktion treffen, weder, dass sie richtig ist, noch dass sie falsch ist. Sie ist nach der Falsifizierbarkeitsforderung Poppers nicht falsifizierbar, sie ist eine Glaubenfrage, die prinzipiell auch nicht falsifizierbar und weder richtig noch falsch sind.



Highway hat geschrieben:
Zur Vollständigkeit ein zitat aus Wikipedia

Falsifizierbarkeit ist ein Kriterium, das empirische von nicht-empirischen[5] Aussagen abgrenzen soll. Eine Theorie ist demnach dann empirisch, wenn es mindestens einen Beobachtungssatz gibt, dessen empirische Prüfung logisch zu einem Widerspruch führen kann. „Morgen regnet es“ ist falsifizierbar, nicht jedoch „Morgen regnet es oder regnet es nicht“ (eine Tautologie, die bereits rein logisch aus dem tertium non datur folgt). Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass in der Praxis wegen des Fehlens geeigneter Experimente (zum Beispiel in der Astronomie oder in der Atomphysik) eine Falsifikation gar nicht durchgeführt werden kann. Popper unterschied daher grundsätzlich die „logische Falsifizierbarkeit“ von der „praktischen Falsifizierbarkeit“...


Nicht nur bei der „praktischen Falsifizierbarkeit“ erfüllt die Längenkontraktion nicht die Forderung Poppers, sondern auch nicht bei der „logischen Falsifizierbarkeit“: Man kann nicht gleichzeitig behaupten, ein bewegtes Objekt verändert seine Ruhelänge nicht, und im gleichen Atemzug Voraussagen für die Empirie als richtig ansehen, die unter Berücksichtigung dieser nicht existierenden Längenkontraktion berechnet werden. Das ist ein Widerspruch. :( Wenn das Objekt seine Ruhelänge bei Bewegung beibehält, dann sind in der Empirie einzig die Voraussagen richtig anzusehen, die eben unter Berücksichtigung seiner Ruhelänge berechnet werden, logisch. Also sind die Voraussagen der klassischen Physik als richtig anzusehen, die immer mit der Ruhelänge eines bewegten Objekts berechnet werden.



Highway hat geschrieben:
Um noch einmal auf deinen in dem vorherigen Posting angegebenen Link zurück zu kommen. Ich möchte dich bitten in Zukunft die Kernaussagen die du transportieren möchtest hier als Zitat unterzubringen und nicht nur einen wilden Links anzugeben der es erfordert sich deinen halben Blog anzulesen weil man befürchten muss irgendwelche Aussagen um die Ohren gehauen zu bekommen auf die dieser Link überhaupt nicht zielt. Im übrigen halte ich es für schlechten Stil immer wieder in einem Forum auf den eigenen Blog zu verweisen. Es gibt Menschen die verstehen das als Spamming was nur dazu dienen soll das Ranking in Google zu pushen. zu dieser Kathegorie von Menschen zähle ich mich auch!


Was Deine gedachten Menschen als Spamming verstehen oder nicht verstehen, darüber brate ich mir ein Ei.

Ich habe mir nämlich im Gegenteil zu Dir seit Jahren die Mühe gegeben in meinem Blog Ausführungen über meine persönlichen Auffassungen zu formulieren, die ich nicht wiederholen möchte und auch nicht in einer neuen Diskussion neu zu formulieren habe, wenn diese Punkte erneut in einer Diskussion auftauchen. Diese Sisyphus-Arbeit über Monaten und Jahren möchte ich mir sparen, wenn Du erlaubst, und auch wenn Du nicht erlaubst. Wenn Du oder andere Teilnehmer keine Lust und kein Interesse haben, die in einer Diskussion von Teilnehmern angegebenen weiterführenden Links zu einem gerade behandelten Punkt zu lesen, dann sollt Ihr sie eben nicht lesen, ganz einfach, das kostet wiederum keine Mühe und keine Arbeit. Wo ist Dein Problem? Oder willst Du etwa in Foren-Diskussionen verbieten, dass weiterführende Links zu einem behandelten Punkt angegeben werden? Na. Dann sollte man vielleicht in erster Linie Wikipedia-Verlinkungen verbieten, die die Auffassungen von in der Diskussion unbekannten Autoren vorstellen sollen.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Ist die Spezielle Relativitätstheorie falsifizierbar?

Beitragvon Gerhard Kemme » Sa 23. Mai 2009, 08:39

Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Gerhard Kemme hat geschrieben:Eine Theorie - oder der Teil einer Theorie - sollte einen Wahrheitsanspruch haben. Wenn also durch eine überzeugende Methode, z.B. Experiment oder logischer Schluss, nachgewiesen werden kann, dass die Postulate, Grundaussagen oder Hypothesen Unsinn darstellen, dann wäre meines Erachtens eine Widerlegung oder auch Falsifizierung erfolgt.


In der Physik führt die Forderung der Falsifizierbarkeit dazu, dass es für eine Theorie ein Experiment geben muss, das die Theorie bestätigen (oder widerlegen) kann.


Die Experimentlastigkeit der heutigen etablierten Physik sehe ich als ideologisch an, da die Kritiker der RT keinen Zugang zu Versuchslabos und Forschungsanlagen haben, kann mit der Forderung, dass Widerlegung nur per Experimente vorgenommen werden kann, jegliche Falsifizierung verhindert werden.
Aus der Sachlogik und der wissenschaftlichen Praxis ergibt sich, dass es darum geht, eine Qualitätskontrolle für physikalische Theorien zur Verfügung zu haben. Die Durchführung einer solchen Qualitätskontrolle kann nicht bereits vor aller Prüfung auf eine enge Auswahl von Methoden, die dann auch wiederum nur den Autoren der zu überprüfenden Theorie zur Verfügung stehen, beschränkt werden. Es geht darum eine Aussage treffen zu können, ob eine Theorie falsch ist oder ob sie allen bisherigen Versuchen der Widerlegung standgehalten hat.

Somit fallen mir momentan die folgenden zulässigen Methoden ein, um eine physikalische Theorie zu widerlegen:

    Physikalische Theorien stützen sich oftmals auf mathematische Ableitungen. Wenn eine solche Beweiskette unrichtig ist, d.h. nicht den mathematischen Regeln entspricht und danach eine falsche Aussage heraus kommt, dann ist die Theorie widerlegt.

    Physikalische Theorien verwenden Aussagen, welche Anhand allgemeiner menschlicher Erfahrungen überprüft werden können. Wenn eine Theorie aussagt, dass Uhren im Flugzeug langsamer gingen, dann widerspräche es der Erfahrung, dass die Zeitangabe auf der eigenen Uhr nach der Landung mit der Uhr des Flughafens übereinstimmt. Also wäre die Aussage, dass Uhren bei Bewegung langsamer gingen, falsch.

    Physikalische Theorien haben logische Beziehungen richtig zu verwenden, wenn sie dies nicht tun, dann sind sie falsch. Insbesondere können sie somit durch logische Argumentationen widerlegt werden. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Widerlegung der Argumentation, dass ein Lichtstrahl Fahrzeuge, die unterschiedlich schnell sind, mit gleicher Geschwindigkeit überholt. Hier wäre die menschliche Grunderfahrung, dass es solche Überholvorgänge nicht gibt. Danach käme dann die logische Argumentation, dass es irgendwo eine Geschwindigkeitsgrenze geben müsste, ab der dieser absurde überholvorgang stattfindet. Wenn nur die Behauptung im Raum steht, dass es diesen absurden Überholvorgang gäbe, dann wäre die Theorie wegen nicht ausreichender Begründung der Aussagen widerlegt.

    Somit wären unbegründete physikalische Phantasieaussagen oder ausschließlich verworrenes Zeug ebenfalls Grund, eine solche Theorie als widerlegt zu bezeichnen.

Ich sehe das irgendwo als Lehrer, wenn ich einer Theorie "Mangelhaft" oder "Ungenügend" geben müsste, dann wäre sie in meinen Augen widerlegt. Ein anderes Beispiel wäre die Güteprüfung oder Tüvkontrolle, das Durchfallen eines zu prüfenden Produktes bzw. die Nichtaufklebung der Prüfplakette entspräche der Widerlegung oder Falsifikation einer Theorie.

mfg
Gerhard Kemme
 
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