Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Do 28. Jan 2010, 09:50

Hallo zusammen,

Ich stelle meinen gestrigen Blog-Eintrag zur Diskussion

Eine Konvention ist kein Naturgesetz

der die Frage der Umstellung 1983 der Maßeinheit „Meter“ und seiner Koppelung mit der Lichtgeschwindigkeit behandelt.

Ein Teilnehmer in einer Blog-Diskussion behauptet, dass der Meter jetzt „SRT-Konform“ als veränderlich gelten soll im Gegensatz zum alten Ur-Meter vor 1983, was ich bestreite: Ein veränderlicher Maßstab würde ja dem Messen jegliche rationelle Grundlage entziehen, oder?

Was meint Ihr?

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Britta » Do 28. Jan 2010, 10:10

Wie glauben Sie denn, dass der Wert 299 792 458 m/s zustande gekommen ist?

Mit dem Urmeter?

Aber ist doch egal. Wenn sich die Lichtgeschwindigkeit jetzt ändern würde, dann würden sich ja auch die Maße für alles Andere mitändern. Dadurch bleibt das Verhältnis der Dinge zueinander gleich.
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Kurt » Do 28. Jan 2010, 11:06

Jocelyne Lopez hat geschrieben:Ein Teilnehmer in einer Blog-Diskussion behauptet, dass der Meter jetzt „SRT-Konform“ als veränderlich gelten soll im Gegensatz zum alten Ur-Meter vor 1983, was ich bestreite:

Ein veränderlicher Maßstab würde ja dem Messen jegliche rationelle Grundlage entziehen, oder?
Was meint Ihr?


Natürlich.
Nur, es gibt ja sowieso keinen festen Meter.
Ob nun auf Paris bezogen oder auf das Verhalten von Licht.
Materie ist ortsanhängig, Lichtlaufen ist ortsabhängig.
Somit steht keine Referenz zur Verfügung die überall gültig ist.

Um einen Bezug zu haben ist einer zu erstellen.
Ein gedachter/gemachter eben.
Beispiel: um Abstände zu erfassen, Mond/Erde- Galaxieenabstände usw. ist erstmals ein"Raumaufteiler" zu erstellen.
Das geht nur mit gedachten Abständen.
Ich schlage den "Würfel" vor um dies zu bwerkstelligen.
Der "Würfel" ist eine Datenbank die die Ortsfaktoren als Variablen enthält.Dieser "Würfel" wird einfach über das zu besehende Gebiet gelegt.
Der Würfel ist in einzelne Würferl, je nach Auflösungsbedarf, aufgeteilt.
Jeder Knotenpunkt erhält dann die notwendigen Ortsfaktorwerte zugewiesen.
Dann ist ein Bezug, eine "Absolutbezug" vorhanden.
Erst dann sind Abstände und Umstände und Geschwindigkeiten erfassbar.
Die Knotenwerte sind zu ermitteln denn postulierte taugen nichts.

Kurt
Wir werden erst begreifen wie genial die Natur ist wenn wir erkennen wie einfach sie funktioniert
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon nocheinPoet » Do 28. Jan 2010, 11:59

Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Ein Teilnehmer in einer Blog-Diskussion behauptet, dass der Meter jetzt „SRT-Konform“ als veränderlich gelten soll im Gegensatz zum alten Ur-Meter vor 1983, was ich bestreite: Ein veränderlicher Maßstab würde ja dem Messen jegliche rationelle Grundlage entziehen, oder?

Wo macht wer das? Habe da nichts gefunden, zitieren Sie doch mal bitte die Aussage des Teilnehmers im Ganzen.

Und ein Meter ist ein Meter ist ein Meter. :mrgreen:

In einem IS ist ein Meter ist ein Meter ist ein Meter. Meter ist in einem IS invariant. Die Frage ist, was beobachtet ein Beobachter in einem anderen IS das sich relativ zum ersten IS bewegt.
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Do 28. Jan 2010, 13:02

Britta hat geschrieben:
Wie glauben Sie denn, dass der Wert 299 792 458 m/s zustande gekommen ist?

Mit dem Urmeter?


Ja, die Meßstrecke für diese Messung der LG wurde mit dem alten Ur-Meter gemessen - die neue Länge des Meters gibt es ja erst ab 1983. Seitdem darf es keine offizielle Messung der Lichtgeschwindigkeit mehr geben, die dabei bestimmte Länge des Meters gilt ja als Festsetzung eines Maßstabs. Die Länge des neuen Meters ist wegen Abrundung ein bisschen kürzer als die Länge des alten Ur-Meters, das spielt aber in der Empirie keine Rolle und kann vernachlässigt werden. Ich habe mir aber in einem Forum von einem Physiker erzählen lassen, dass man beim Vergleich von Längenmessungen vor und nach 1983 bei Hochgenauigkeitsberechnungen den Längenunterschied zwischen dem alten und dem neuen Meter berücksichtigen muss.

Das war eine Zweiweg-Messung (also gemittelter Wert hin- und zurück), es gibt ja leider keine Einweg-Messung der LG.
Das Licht wurde von einem zur Lichtquelle ruhenden Beobachter gemessen: Es gibt keine Messung der LG mit relativ zur Quelle bewegtem Beobachter. Das Licht wurde in Bezug auf die Erdoberfläche gemessen, die als ruhend vorausgesetzt wurde.

Ganz vereinfacht aber vielleicht nur zur Veranschaulichung:
Die anerkannten Messungen der LG entprechen die Messung der Geschwindigkeit eines Autos von A nach B auf der Autobahn, gemessen von einem am Rande der Autobahn stehenden Beobachter, und zwar nach der Formel Strecke / Zeitdauer - also mit je einer getrennten Messung der Strecke und der Zeit von einem ruhenden Beobachter.


Britta hat geschrieben:Aber ist doch egal. Wenn sich die Lichtgeschwindigkeit jetzt ändern würde, dann würden sich ja auch die Maße für alles Andere mitändern. Dadurch bleibt das Verhältnis der Dinge zueinander gleich.


Wenn man zum Beispiel jetzt bei einer neuen Messung der LG feststellen würde, dass das Licht auf einer gemessenen 1-Meter-Strecke 300 000 km/s schnell ist, dann würde sich die materielle Länge des Meters erheblich verändern, wenn man bei derselben Definition des Meters bleiben will. Das würde aber in der Praxis sehr viele Umstände mit sich bringen (Umstellung auf neue materielle Zolltöcke, Umrechnung alt/neu Meter, usw.). Deshalb werden neue Messungen der LG nicht mehr erlaubt bzw. haben sie keinen Einfluß mehr auf diese Konvention. Der Wert der LG bei dieser Konvention ist völlig willkürlich und darf auch völlig willkürlich sein. Genauso willkürlich, wie man einen materiellen Ur-Maßstab wählen darf, das darf z.B. ein beliebiges Stuck Holz oder Metal sein. Man könnte auch die Länge einer Cola-Dose als Ur-Meter wählen, das würde genauso gut funktionieren, kein Problem.

Was jedoch bei einem Meßsystem nicht sein darf, wenn es erst einmal festgesetzt wurde, ist, dass man materielle Gegenstände oder Abstände mit verschiedentlich langen Maßstäben misst. Das leuchtet wohl jedem ein. Das ist aber prinzipiell der Fall im Meßvorschrift der SRT, wo die Länge eines Objekts verschiedentlich gemessen wird je nach Beobachter. So etwas darf natürlich in einem Meßsystem nicht geben, das ist völlig abstrus und vernichtet die Grundlage des Messens. Dann wäre es unmöglich die einzige materielle Länge eines Objektes zu bestimmen und Voraussagen zu treffen.

Siehe zum Beispiel folgende haarsträubende Aussagen, zitiert in der Dokumentation von G.O. Muller:

"Wir müssen künftig in unser Hirn die widerspruchsvolle Betrachtung hineinzwängen, daß nicht überall und für jeden ein Meter wirklich ein Meter, eine Stunde wirklich eine Stunde, eine Grammasse wirklich eine Grammasse ist; wir müssen lernen, daß alles, was meßbar ist, variablen Maßwert hat, und daß dieser Maßwert abhängig ist von dem jeweiligen Bewegungszustand des Beobachters zu dem beobachteten Gegenstand oder Ereignis.“

Aus dem Artikel einer Tageszeitung, zitiert bei: L. Ripke-Kühn: Kant contra Einstein. Erfurt 1920, S. 3.


Viele Grüße
Joceyne Lopez
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon nocheinPoet » Do 28. Jan 2010, 13:29

@ Joceyne Lopez

Schauen sie sich mal ein Blatt Papier an, von oben, dann sehen sie eine Fläche, und nun was sieht ein Betrachter von der Seite?

Eben, alles relativ. :mrgreen:

Natürlich kann ein Objekt von unterschiedlichen Betrachtern auch unterschiedlich wahrgenommen werden. Stellen sie sich mal hinter einen Bildschirm, ist ein ganz anderes Erleben.

So ist er nun definiert:

1 Meter ist jene Strecke, die das Licht im Vakuum in 1 / 299.792.458 Sekunden zurücklegt.

Das haben die Relativisten aber echt geschickt eingefädelt was? Einfach an die Lichtgeschwindigkeit und die Zeit gekoppelt. :mrgreen:

Hier mal ein PDF: http://www.cool-skk.ch/Lexikon-SKK/UR-Meter_JMB.pdf
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Jocelyne Lopez » Do 28. Jan 2010, 18:04

Britta hat geschrieben:
Aber ist doch egal. Wenn sich die Lichtgeschwindigkeit jetzt ändern würde, dann würden sich ja auch die Maße für alles Andere mitändern. Dadurch bleibt das Verhältnis der Dinge zueinander gleich.


In der SRT bleibt aber das Verhältnis der Dinge zueinander eben nicht gleich. :(
Die Messvorschrift Einsteins aus seiner SRT, die dazu führt, dass je nach Geschwindigkeit des Beobachters beim Messen ein Gegenstand unendlich viele Längen hat, ist also als Messvorschrift untauglich und unzulässig. Wobei man sich hier dessen bewusst sein muss, dass es sich nicht um verschiedene optische Perspektiven handelt: Die scheinbare Veränderung von Abmessungen aufgrund von Perspektiven und sonstigen optischen Täuschungen hat mit der Relativitätstheorie und mit den scheinbaren relativistischen Effekten absolut nichts zu tun, das wissen aber offensichtlich sehr viele Forenrelativisten nicht, die das Perspektivsehen als Ursache oder als Analogie für die Längenkontraktion sehr oft fälschlicherweise anführen. Dr. Markus Pössel von MPG/AEI hat aber auch diesen streitigen Punkt 2008 geklärt, siehe: http://www.jocelyne-lopez.de/blog/2008/ ... -17190808/

Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher;
[…]
Es handelt sich nicht um optische Taeuschungen oder dergleichen, sondern um die Ergebnisse konkreter Messungen.


Man braucht übrigens die Bestätigung von Dr. Markus Pössel nicht, um selbst zu erkennen, dass es sich bei den relativistischen Effekten nicht um optischen Täuschungen und um Perspektivsehen handelt: Die scheinbaren Veränderungen der Abmessungen aufgrund von Perspektiven unterscheiden sich ganz eindeutig und für jedermann nachprüfbar von den relativistischen Effekten: Im Gegensatz zu der relativistischen Längenkontraktion, die so winzig ist, dass sie weder von menschlichen Augen wahrnehmbar, noch von Hochgenauigkeitsinstrumenten messbar ist, sind dagegen die Veränderungen von Abmessungen aufgrund von Perspektiven extrem, drastisch und von jedermann alltäglich wahrnehmbar: Der Mond passt z.B. immer ganz locker zwischen Daum und Zeigefinger eines Menschen, das kann jeder nachprüfen. ;)

In der Empirie ist jedoch das Messen von Längen und Abständen mit dem Licht eine ganz schicke Sache, da die Messfehler aufgrund der Nichtkonstanz der LG so winzig sind, dass sie in unserer Dimension völlig bedeutungslos sind. Das Messen mit Licht ist also in der Empirie ein echter Fortschritt für die Durchführung und die Bequemlichkeit von Messungen, z.B. für Vermessungstechniker, Bauarbeiter, usw.

In der Astronomie dagegen ist die Verwendung von c konstant für die Bestimmung von unbekannten Distanzen zu entfernten Himmelkörpern sehr mit Fehlern behaftet, wenn man per Konvention so tut, als ob Objekt und Beobachter zueinander ruhen würden, wenn man die Existenz einer bestimmten Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden leugnen möchte und wenn man +v oder –v unter den Teppich kehrt.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Hannes » Do 28. Jan 2010, 19:18

Hallo Frau Jocelyne !

    In der Astronomie dagegen ist die Verwendung von c konstant für die Bestimmung von unbekannten Distanzen zu entfernten Himmelkörpern sehr mit Fehlern behaftet, wenn man per Konvention so tut, als ob Objekt und Beobachter zueinander ruhen würden

Nicht nur das: die Astronomie bezieht die Messungen mit c sogar in ihre "Fehlerbalken" ein !
Das sie aber fast keine Alternative zu c hat, ist es natürlicherweise schwierig , die Messungen
mit einer anderen Methode zu überprüfen.Trotzdem wird nicht nur auf c aufgebaut.
Man weiß ganz genau, dass ein Lichtstrahl, der uns erreicht ,oftmals ganz krumme Wege
zurückgelegt hat.

Mit Gruß

Hannes
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Chief » Do 28. Jan 2010, 19:50

Jocelyne Lopez hat geschrieben:... Ein veränderlicher Maßstab würde ja dem Messen jegliche rationelle Grundlage entziehen, oder?

...

Man müsste auch gleich die ART revidieren, da die ART laut Einstein von einer variablen LG ausgeht.
Somit gilt die Definition nur für die SRT. :mrgreen:

Gruß
So the Einstein postulates have had an enormously negative influence on the development of physics, and it could be argued that they have resulted essentially in a 100-year period of stagnation of physics...

Prof. Reginald T. Cahill
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Re: Darf eine Maßeinheit veränderlich sein?

Beitragvon Hannes » Do 28. Jan 2010, 20:00

Hallo Chief !

    Man müsste auch gleich die ART revidieren, da die ART laut Einstein von einer variablen LG ausgeht.
    Somit gilt die Definition nur für die SRT.

Die besten Argumente kommen immer wieder von dir.

Hannes
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