Gerhard Kemme hat geschrieben:
Eine Theorie muss sich auf allgemein anerkannte Erfahrungen und Lehrsätze gründen, die aus diesen Basisangaben neu hergeleiteten Schlüsse haben logisch oder mathematisch gut lesbar zu sein. Dann werden gezielt Experimente vorgenommen, um die hergeleiteten Hypothesen auf die Probe zu stellen.
[…] Die Grundkritik an der ART würde Bände umfassen und es soll nur ein Kritikpunkt herausgegriffen werden [...]
Wenn ich mir nach diesen Grundsätzen einen Kritikpunkt in der SRT herausgreife, zum Beispiel die Gültigkeit der Längenkontraktion und der Zeitdilatation, dann kann ich dabei leider nicht auf meine Erfahrung zurückgreifen, ich habe darüber absolut keine.

Ich habe also keine andere Wahl, als mich einzig und allein auf die hier „
allgemein anerkannte Erfahrung“ des Theorieaufstellers Albert Einstein zu verlassen, und sie sieht wie folgt aus:
Zitat Albert Einstein:
Wenn wir z.B. einen lebenden Organismus in eine Schachtel hineinbrächten und ihn dieselbe Hin- und Herbewegung ausführen lassen wie vorher die Uhr, so könnte man es erreichen, dass dieser Organismus nach einem beliebig langen Fluge beliebig wenig geändert wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückkehrt, während ganz entsprechend beschaffene Organismen, welche an den ursprünglichen Orten ruhend geblieben sind, bereits längst neuen Generationen Platz gemacht haben. Dies ist eine unabweisbare Konsequenz der von uns zugrundegelegten Prinzipien, die die Erfahrung uns aufdrängt. [Hervorhebung in Fett durch Lopez]
A. Einstein: Die Relativitätstheorie. In: Naturforschende Gesellschaft in Zürich. Vierteljahrsschrift.56. 1911, H. 1/2, S. 1-14; darin: S. 12.
Ich weiß nicht, wie, wann und wo diese Erfahrung sich Albert Einstein „
aufgedrängt hat“. Hat er 4-5 Jahre lang unermüdlich Käfer in einer Schachtel hin- und her geschüttelt und anschließend festgestellt, dass sie immer noch in Topform und im besten Käferalter waren, wobei viele Generationen von ungeschüttelten Käfern schon lange gestorben waren? Ist diese „
Erfahrung“, die sich Einstein "
aufgedrängt" hat, nachträglich experimentell nachgeprüft worden? Oder soll ich das einfach so glauben, weil die Natur einfach so ist, wie sie ist, wie Dr. Freistetter mir es dankenwerterweise versichert hat?
Ich habe nämlich im hier zur Diskussion gestellten Austausch mit Herrn Dr. Florian Freistetter nach einem Experiment gefragt, das die relativistische Längenkontraktion nachgeprüft und bestätigt hätte. Ich habe von ihm keins genannt bekommen. Der Teilnehmer „Johann“ hat dafür in der kompletten Diskussion „
Einstein und die Cranks“ im Blog von Thilo Kuessner mir dankenwerterweise eine experimentelle Nachprüfung "geworfen“:
http://www.scienceblogs.de/mathlog/2009 ... mment33652Zitat Johann:
@Jocelyne Lopez
Bringen Sie einen Rad mit r=0,1m auf ca. 7,63943727*10^6 Umdrehungen pro Sekunde, dann reden wir weiter, über die "unmögliche Konstellation bei der SRT".
Ich verstehe es so, dass der Teilnehmer Johann der Meinung ist, man kann die relativistische Längenkontraktion experimentell nachprüfen, indem man einen Rad mit r=0,1m auf ca. 7,63943727*10^6 Umdrehungen pro Sekunde sich drehen lässt. Dann kann man feststellen, dass die unmögliche Konstellation bei dem Faber-Paradoxon (der Umfang des Rads verkleinert sich, der Radius aber nicht) bestätigt ist. Ach so.
Ich zweifle sehr daran, dass die Behauptung bzw. der Glauben des Teilnehmers Johann sich auf einem echten Experiment stützt. Macht aber nichts, damit ist ja die SRT noch einmal brillant bestätigt, natürlich...
Eine Farce…
Viele Grüße
Jocelyne Lopez