Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Uli » Sa 18. Apr 2009, 17:00

Hallo Harald,

Harald Maurer hat geschrieben:Uli schreibt:

Es mag ja in der Tat eine Herausforderung an die Materialien sein, mit einem Fahrrad eine relativistische Geschwindigkeit zu erreichen. Ich denke mal, das wird das Rad aber auch in Newtons Theorie kaum aushalten.


In Newtons Theorie hält das Rad das spielend aus, denn nicht das Rad muss eine relativistische Geschwindigkeit erreichen, sondern es reicht die relativistische Geschwindigkeit eines Beobachters relativ zum ruhenden Rad.



Mal ganz ohne jede Relativistik: du meinst, die Räder eines Fahhrrades halten entsprechenden Fliehkräften stand ???????
Die Felgen werden mit einer astronomisch hohen Fliehkraft nach außen gedrückt bei einer Drehgeschwindigkeit, die das Fahhrad auf relativistische Geschwindigkeiten bringt !

Harald Maurer hat geschrieben:Wenn die Theorie (SRT) schon mal absurde Ergebnisse bringt, kann der Hinweis auf die QED auch nichts nützen. Ob eine Theorie Lorentz-kovariant ist oder nicht, ist bloß eine akademische Betrachtung ... und allein damit kann man nicht beweisen, dass eine Theorie, wie SRT oder QUED, eine tatsächlich zutreffende Naturbeschreibung ist.


Es gibt keine absurden Ergebnisse.

Harald Maurer hat geschrieben:
Nur wer sich und andere verwirren will, diskutiert die Stabilität des Vielteilchen-System eines starren Körpers von einem Bezugssystem aus, in dem er sich schnell bewegt. In den genannten Diagrammen geht es einzig um eine Veranschaulichung der Lorentz-Kointraktion; selbst die "Relativisten" wissen, dass ein Fahrradfahrer in der Praxis keine relativistische Geschwindigkeit erreichen kann. :)

Aber Myonen können es zum Beispiel. Und die kommen auch an Fahrrädern vorbei. 8-) Aus der Tatsache, dass diese (aus der Sicht der Myonen!) nicht biegen und brechen, kann man ersehen, dass die SRT keine Beschreibung der Natur mit relativen Räumen und Zeiten ist, sondern bestenfalls Messfehler an bewegten Objekten behandelt. Zeitdilatation und Lorentzkontraktion finden demnach im realen Sinn nicht statt - und relativistisch vorbeifahrende Fahrräder auszumessen, hat bislang auch noch keiner versucht.


Hmm, da kommt wieder ein typischer Kritikertext "finden im realen Sinne nicht statt".
Wie definiert sich denn für dich "Realität" ?
In der Physik definieren Messergebnisse die Realität. Längenkontraktion und Zeitdilatation sind messbar; also sind sie real.
Du willst vielleicht sagen, es handelt sich bei der Lorentzkontraktion um einen rein kinematischen Effekt; da wirkt keine Kraft, die einen bewegten Körper staucht. In diesem Sinne würde ich dir zustimmen.

Gruß,
Uli
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Uli » Sa 18. Apr 2009, 18:45

Im Gegensatz zu dir hat Mike das tatsächlich.
Oder willst du etwa sagen, du hast ein abgeschlossenes Physik-Studium hinter dir ?
Wenn ja, wann und wo ?

Gruß,
Uli
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Trigemina » Sa 18. Apr 2009, 19:15

Zunächst mal habe ich eine algebraische bandwurmartige, aber immerhin geschlossene Lösung für die Bestimmung der Eigenzeiten und Eigenwinkel gefunden. Jedoch wüsste ich nicht wie sich die Minkowski-Metrik für 3 Raumdimensionen und einer Zeitdimension anhand animierter flacher Bilder auf die euklidische Ebene projizieren liesse. Für manche ist es ja schon schwer genug, ein Minkowski-Diagramm mit einer Raumdimension und einer Zeitdimension korrekt zu visualisieren und zu interpretieren, da sich die Metrik durch Beschleunigungen ändert.

Wer sich das Ehrenfest-Paradoxon mal zur Probe vor Augen halten möchte, muss sich invariante radiale Abstände und Winkel vorstellen, während orthogonale Abstände (in Richtung des tangentialen Geschwindigkeitsvektors) im Laborsystem des stationär rotierenden Zahnrads kontrahiert sind. Kurz: Radiallabstände bleiben erhalten, Winkel ebenfalls, Umfangslinien sind Lorentz-kontrahiert.

Im Laborsystem wäre die meiner Meinung nach für das Ehrenfest-Paradoxon einzige sinnvolle Zeichnung (oder bewegte Animation als Funktion der Zeit) ein Abbild der Ruhesysteme von Zahnrad und Zahnstange, die an ihren Berührungspunkten sowieso eine Relativgeschwindigkeit von Null zueinander aufweisen. Darin die 4-dimensionale Raumzeit abzubilden ist bei kontrahierten Umfangslinien, invarianten Winkel und Radialabständen unmöglich. Im Zahnstangensystem wird zwar das Zahnrad wegen seiner Translationsbewegung als elliptische Form gemessen, jedoch heben sich darin Translations- und Rotationsbewegung zu Null auf und es passt auch dort alles wunderbar zusammen.

Der wichtigste Parameter in diesem Paradoxon – und der am schwersten darzustellende – ist die Zeit in einer von radialem Abstand und Umfangsgeschwindigkeit abhängigen Metrik.

Gruss
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Faber » Sa 18. Apr 2009, 22:35

Kondensat74 hat geschrieben:
Ich weiß nicht, meiner Meinung nach muss die Geschwindigkeit oben v und unten -v sein.

du vergisst die zeitdilatation

Wenn die Zeitdilatation nicht herausgerechnet ist, dann zeigt Ihr Bild irgendetwas, nicht aber eine Darstellung eines Sachverhaltes in einem wohldefinierten Bezugssystem.

Gruß
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Trigemina » Sa 18. Apr 2009, 22:52

Kondensat74 hat geschrieben:habe ich....aber die interessiert hier eh keinen....

fakt ist, dass das hier
Bild

mit sicherheit richtiger dargestellt ist, als die versuche von faber


Das ist das was wir sehen, also gleichzeitig auf unsere Netzhaut trifft. Dies unterscheidet sich wesentlich von dem was wir messen. Und nur Letzteres ist physikalisch relevant.

Gruss
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Faber » So 19. Apr 2009, 00:57

Trigemina hat geschrieben:Zunächst mal habe ich eine algebraische bandwurmartige, aber immerhin geschlossene Lösung für die Bestimmung der Eigenzeiten und Eigenwinkel gefunden. Jedoch wüsste ich nicht wie sich die Minkowski-Metrik für 3 Raumdimensionen und einer Zeitdimension anhand animierter flacher Bilder auf die euklidische Ebene projizieren liesse. Für manche ist es ja schon schwer genug, ein Minkowski-Diagramm mit einer Raumdimension und einer Zeitdimension korrekt zu visualisieren und zu interpretieren, da sich die Metrik durch Beschleunigungen ändert.

Wer sich das Ehrenfest-Paradoxon mal zur Probe vor Augen halten möchte, muss sich invariante radiale Abstände und Winkel vorstellen, während orthogonale Abstände (in Richtung des tangentialen Geschwindigkeitsvektors) im Laborsystem des stationär rotierenden Zahnrads kontrahiert sind. Kurz: Radiallabstände bleiben erhalten, Winkel ebenfalls, Umfangslinien sind Lorentz-kontrahiert.

Im Laborsystem wäre die meiner Meinung nach für das Ehrenfest-Paradoxon einzige sinnvolle Zeichnung (oder bewegte Animation als Funktion der Zeit) ein Abbild der Ruhesysteme von Zahnrad und Zahnstange, die an ihren Berührungspunkten sowieso eine Relativgeschwindigkeit von Null zueinander aufweisen. Darin die 4-dimensionale Raumzeit abzubilden ist bei kontrahierten Umfangslinien, invarianten Winkel und Radialabständen unmöglich. Im Zahnstangensystem wird zwar das Zahnrad wegen seiner Translationsbewegung als elliptische Form gemessen, jedoch heben sich darin Translations- und Rotationsbewegung zu Null auf und es passt auch dort alles wunderbar zusammen.

Der wichtigste Parameter in diesem Paradoxon – und der am schwersten darzustellende – ist die Zeit in einer von radialem Abstand und Umfangsgeschwindigkeit abhängigen Metrik.

Können Sie bitte kurz zusammenfassen, was Sie damit sagen wollen? Was heißt das nun alles für die Zahnradbahn? Kann sie zwar auf der Zahnschiene ruhen, sich aber nicht bewegen? Oder kann sie sich bewegen, aber Sie können nicht angeben wie?

Gruß
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Harald Maurer » So 19. Apr 2009, 09:17

Uli schreibt:
Mal ganz ohne jede Relativistik: du meinst, die Räder eines Fahhrrades halten entsprechenden Fliehkräften stand ???????


Nein, meine ich nicht. Ich schrieb ja, dass sich auch der Beobachter bewegen könnte (relativiste Myonen zB.) Wenn man in all diesen Paradoxa auf Nebenschauplätze ausweicht, werden sie ohnehin von vornherein unsinnig. Es fahren ja auch keine Autos mit fast c durch Garagen und es werden keine Leitern in zu kleinen Scheunen deponiert, von lichtschnellen Panzern und U-Booten ganz zu schweigen ...
Aber wenn es dem Relativisten zu eng wird, kommt er eben mit irrelevanten Argumenten daher. Eine Koordinatentransformation, die einem Rad oder einer Kugel die Identität raubt, liefert nun mal ein absurdes Ergebnis, ganz egal aus welchem Grund. Wer beschlossen hat, das Absurde als das Normale zu bezeichnen, wird das natürlich nicht erkennen!

Die Felgen werden mit einer astronomisch hohen Fliehkraft nach außen gedrückt bei einer Drehgeschwindigkeit, die das Fahhrad auf relativistische Geschwindigkeiten bringt !


Na klar doch. Und im Zwillingsparadoxon wird der Reisende nicht jünger sondern tot zurückkommen, weil er die gewaltigen Beschleunigungen nicht ausgehalten hat, die nötig sind, um einen signifikanten Altersunterschied zu erzeugen. Die Frage, die man mit Gedankenexperimenten stellt, ist, ob eine Theorie plausible Aussagen macht oder nicht. Und die SRT macht sie m.E. eben nicht.

Hmm, da kommt wieder ein typischer Kritikertext "finden im realen Sinne nicht statt".
Wie definiert sich denn für dich "Realität" ?
In der Physik definieren Messergebnisse die Realität. Längenkontraktion und Zeitdilatation sind messbar; also sind sie real.

Meines Wissens nach wurde die Längenkontraktion noch nie nachweislich gemessen.

Du willst vielleicht sagen, es handelt sich bei der Lorentzkontraktion um einen rein kinematischen Effekt; da wirkt keine Kraft, die einen bewegten Körper staucht. In diesem Sinne würde ich dir zustimmen.


Die Längenkontraktion der SRT ist ein Effekt aus der RdG, also aus dem Umstand, dass zwei Enden einer Strecke nicht in zueinander rel. bewegten IS gleichzeitig gemessen werden können. Misst der eine gleichzeitig, dann der andere eben nicht. Es ist also nicht nach der Ursache der Kontraktion zu fragen, die nur aus der Messung selbst stammt, sondern nach der Ursache für den Falschgang von Uhren! Selbstverständlich gibt es keine Kraft, die einen bewegten Körper staucht - da sind wir einer Meinung.

Hallo Joachim!

...dein Einwand, Harald, ist im Grunde sehr gut. Nur richtet er sich gegen die falsche Theorie. Er spricht stark gegen die Lorentzsche Äthertheorie und insbesondere gegen die Theorie, die von Franko Selleri vertreten wurde oder noch wird. In diesen Theorien gibt es nämlich ein ausgezeichnetes Äthersystem. Jedes Objekt, das in diesem Äthersystem bewegt wird, soll nach Lorentz und Selleri durch eine nicht näher spezifizierte Wechselwirkung mit dem Äther mechanisch verkürzt werden. Diese Verkürzung hätte nun zur Folge, dass ein bewegtes Rad ellipsenförmig würde. Wenn dieses Rad nun schnell rotiert, müsste es durch die Wechselwirkung mit dem Äther geradezu durchgewalkt werden. Dadurch müsste sich ein schnell drehendes Rad eigentlich stark erhitzen.


Es freut mich, dass Du hier mit wenigen Worten den Unterschied zwischen SRT und LET deutlich hervorhebst. Meistens wird damit argumentiert, es gäbe keinen Unterschied zwischen den beiden Theorien - aber das trifft nur auf die Mathematik zu. Du hast völlig Recht: mein Argument richtet sich auch gegen die LET. Das Argument ist der Grund, warum viele "Lorentzianer" zwar an den Uhrenfalschgang, aber nicht an die Kontraktion glauben (wie Hatch z.B.). Damit sind sie der SRT natürlich sehr nahe, in welcher grundsätzlich die Kontraktion nicht auf eine Ätherwirkung, sondern auf die Lage der Zeitachse zurückgeht - die sich ja durch den Gang von Uhren manifestiert. Viel plausibler ist das allerdings nicht, weil hier Uhren tatsächlich die "Zeit" messen müssen, was natürlich Unsinn ist. Eine Einwirkung des Äthers auf den Uhrengang (auf welche Weise auch immer) scheint mir da etwas glaubwürdiger zu sein.

...Jedes andere Koordinatensystem stellt lediglich eine Umbenennung der Raum- und Zeitkoordinaten dar und eine Umbenennung von Punkten ändert (ich wiederhole mich) an der Kinematik gar nichts. Die Ellipsenform des Rades in anderen Koordinaten resultiert tatsächlich nur daher, dass man die Zeitachse anders legt. man schneidet die Rad-Weltlinien-Wurst einfach in einem anderen Winkel an. Eine kreisrunde Wurst wird auch nicht zu einer elliptischen, nur weil man sie anders anschneidet. Aber die Scheiben sind (sogar real) größer. Ebenso erscheinen die Räder, in einem zu ihnen bewegten Koordinatensystem, beschrieben elliptisch, ohne dass sie deshalb verformt werden müssten.


Das nette Wurstbeispiel habe ich schon bei Max Born gelesen (7. Aufl.,Seite 219):

" Die Kontraktion ist also nur eine Folge der Betrachtungsweise, keine Veränderung einer physikalischen Realität. Also fällt sie nicht unter die Begriffe von Ursache und Wirkung. Durch diese Auffassung wird auch jene berüchtigte Streitfrage erledigt, ob die Kontraktion 'wirklich' oder nur 'scheinbar' ist. Wenn ich mir von einer Wurst eine Scheibe abschneide, so wird diese grösser oder kleiner, je nachdem ich mehr oder weniger schief schneide. Es ist sinnlos, die verschiedenen Grössen als 'scheinbar' zu bezeichnen, und etwa die kleinste, die bei senkrechtem Schnitt entsteht, als die 'wirkliche' Grösse."

Damit wird in der SRT Schein und Wirklichkeit in einen Topf geworfen, um je nach Brauchbarkeit die Effekte als scheinbar oder wirklich einzustufen. Verbreitet ist auch das Beispiel mit der Leiter, die angelehnt eine kleinere Reichweite hat. Der Widersinn solcher Gleichnisse wird offenbar gar nicht erkannt. Es geht nicht um die Wurst, sondern um die Scheibe. Und eine schräg abgeschnittene Scheibe IST nun mal elliptisch! Ein elliptisches Rad ist keine Erscheinungsform eines runden Rads, sondern es ist schlicht und einfach ein elliptisches Rad, ganz besonders, wenn die Messung dies bestätigt! Man kann nicht sagen, das Rad wäre "wirklich" ein rundes und deshalb läuft es auch im elliptischen Zustand einwandfrei. Das ist schlicht und einfach Humbug - und der wird in der SRT am laufenden Band praktiziert. Wenn elliptisch verformte Räder die "Realität" sind, werden sie in der "Realität" des Beobachters nach allen Erkenntnissen der Physik eben nur unrund laufen oder gar nicht laufen. Das alles ist in Wahrheit nur mathematischer Schnickschnack, um ein irrationales Postulat aufrecht zu erhalten. Und damit das mit oder ohne Äther funktioniert, definiert man Gleichzeitigkeit auf der Grundlage der Einsteinschen Synchronisationsvorschrift von Uhren. Wendet man eine andere Synchronisation an, platzt das alles wie eine Seifenblase!

Wenn eine Gewehrkugel in einem relativ bewegten IS (in welcher aufgrund "anders gelegter Zeitachse" die ZD wirken soll) scheinbar langsamer fliegt und dennoch ein gleich tiefes Loch schiesst wie in ihrem Ruhesystem, so zwingt das zur Annahme, die Bewegungsgröße (Impuls) müsse zugenommen haben (früher "Masse"). Lediglich durch Veränderung von Koordinaten erzeugt man damit Impuls bzw. Masse - und dem Relativisten erscheint das plausibel, aber in der Beziehung zwischen der Gewehrkugel, ihrer Masse und ihres Impulses und der Zerstörung, die sie verursacht und die unabhängig jeglicher Koordinaten immer dieselbe bleibt, steckt etwas Absolutes! Dass wir diesen absoluten Vorgang unterschiedlichst messen können oder wollen (je nach Theorie und Maßstab) ändert daran nichts. Die Welt beinhaltet die Einsteinsche Relativität nicht naturgemäß, sondern sie wird mit der Theorie in sie hinein gebracht mit Hilfe von Uhren, die Zeit nicht messen sondern "erzeugen". In diesem Sinn ist die SRT sowohl richtig als auch falsch, sie ist ein abgehobenes Gedankengebäude aus Gedankenexperimenten und Postulaten und bildet eine eigene kinematische Welt, in der sie richtig ist, aber in unserer dynamischen Realität ist sie falsch.

Kondensat74:
und bis heute dachte ich, dass wir das, was wir sehen, auch messen :?:


Eben nicht. Obwohl Einstein seine RdG ursprünglich aus Lichtlaufzeiten hergeleitet hat (in vielen Gedankenexperimenten geht er nur davon aus), spielen diese bei der LT keine Rolle und sind daher jeweils herauszurechnen; man muss daher das Sichtbare korrigieren, um auf das Messbare zu kommen. Es handelt sich stets um zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen. Die SRT ist eben keine Physik, sondern eine Ideologie der Betrachtungsweisen.

Grüße
Harald Maurer
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Uli » So 19. Apr 2009, 10:13

Mojn mojn Harald,

Harald Maurer hat geschrieben:...
Na klar doch. Und im Zwillingsparadoxon wird der Reisende nicht jünger sondern tot zurückkommen, weil er die gewaltigen Beschleunigungen nicht ausgehalten hat, die nötig sind, um einen signifikanten Altersunterschied zu erzeugen. Die Frage, die man mit Gedankenexperimenten stellt, ist, ob eine Theorie plausible Aussagen macht oder nicht. Und die SRT macht sie m.E. eben nicht.


Naja, dieser Effekt wurde ja nun schon experimentell verifiziert (z.B. Lebensdauer relativistischer Myonen, Hafele-Keating Typ Experimente*); hier sind keine Gedankenexperimente mehr notwendig. Aber auch das Gedankenexperiment selbst ist prinzipiell machbar, wenn man etwa 1 Jahr lang mit 1 g beschleunigt und wieder bremst.

Harald Maurer hat geschrieben:Meines Wissens nach wurde die Längenkontraktion noch nie nachweislich gemessen.


Ich wüsste auch von keiner unmittelbaren Messung der Längenkontraktion eines makroskopischen, relativistisch schnellen Objektes. Wahrscheinlich gibt es im All in unserer Umgebung kaum Probekörper, die schnell genug sind.
Andererseits weiß ich, dass die Längenkontraktion sehr schneller schwerer Ionen bei Experimenten berücksichtigt werden muss, wenn man sie korrekt auswerten will. Das ist ein - zugegeben etwas indirekter - Nachweis.

Harald Maurer hat geschrieben:Die Längenkontraktion der SRT ist ein Effekt aus der RdG, also aus dem Umstand, dass zwei Enden einer Strecke nicht in zueinander rel. bewegten IS gleichzeitig gemessen werden können. Misst der eine gleichzeitig, dann der andere eben nicht.


Da bin ich 100% d'accor.

Gruß,
Uli

___
* wobei Hafele-Keating Experimente eine Kombination aus gravitativer und Bewegungs-Dilatation messen
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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Jocelyne Lopez » So 19. Apr 2009, 10:47

Uli hat geschrieben:
Chief hat geschrieben:...
Woher weiß ein Gegenstand, dass es überhaupt bewegt wird? Und in welcher Richtung? :mrgreen: :mrgreen:



Stimmt schon, die moderne Welt der Technik ist schon verwirrend. Woher weiß das Auto überhaupt, dass es fahren muss, wenn du das Gaspedal trittst ?



Das Auto „weiß“ es, weil mechanische Kräfte auf ihn wirken und seine Bewegung erzeugen. Ohne erzeugbare und messbare Kräfte kann sich kein Auto relativ zur Erdoberfläche bewegen. Einverstanden?

Genauso „weiß“ ich, dass ich mich auf der Erdoberfläche als Fußgänger bewege, wenn ich Muskelkräfte zur Erzeugung meiner Bewegung einsetze. Ohne erzeugbare und messbare Kräfte, die auf meinen Körper wirken, kann ich mich auf der Erdoberfläche nicht bewegen, einverstanden?

Genauso „weiß“ der Zug, dass er sich auf die Schiene bewegt, weil mechanische Kräfte zur Erzeugung seiner Bewegung sich auswirken. Einverstanden? Dagegen können die Schiene nicht „wissen“, dass sie sich relativ zum Zug bewegen, weil keine Kräfte zur Erzeugung einer Bewegung der Schiene sich auswirken. Die Schienen „wissen“ also nur, dass sie relativ zum Zug ruhen.

Wenn ich vor meinem PC ganz ruhig sitze, weiß ich, dass ich relativ zur Eroberfläche ruhe, einverstanden?

Wenn jetzt auf einmal meine Nachbarin vom Einkaufen zurückkommt kann ich nicht wissen, dass ich mich relativ zu ihr bewege. Wie könnte ich das wissen? Keine Kräfte wirken auf meinen Körper, wenn meine Nachbarin vom Einkaufen zurückkommt, ich kann also nicht wissen und auch nicht messen, dass ich mich bewege - ich weiß ja sogar u.U. nicht einmal, dass meine Nachbarin gerade vom Einkaufen nach Hause zurückkommt, einverstanden? In der Realität kann ich also rein gar nichts messen und es passiert mit meinem Körper rein gar nichts, wenn meine Nachbarin vom Einkaufen zurückkommt - außer dass der Abstand zwischen uns beiden sich ständig verändert, aber diese Erkenntnis ist ja keine Revolution des Denkens und keine Genialität, oder?

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Re: Scheinbares? Garagenparadoxon --- reloaded and exploded

Beitragvon Hannes » So 19. Apr 2009, 12:22

Hallo Frau Lopez !

    Wenn jetzt auf einmal meine Nachbarin vom Einkaufen zurückkommt kann ich nicht wissen, dass ich mich relativ zu ihr bewege.
Leider kann ich dir nicht recht geben !

Du musst deine geozentrische Weltansicht aufgeben. Das sind Sichtweisen aus dem Altertum.
Schau doch in den Weltraum hinaus ! Da gibt es keinen Himmelskörper, der irgendwo angenagelt ist.

Alles bewegt sich, alles wirbelt durcheinander, selbst die an wenigsten bewegten riesigen Galaxienhaufen mit ihren gravitativ gekoppelten Gasen......... bewegen sich !

Keiner „ weiß“ vom anderen, dass er sich bewegt. Aber über die Gravitation ist jeder mit jedem verbunden, selbst über die größten Entfernungen hinweg.

Die einzige Möglichkeit, einen „ruhenden“ Punkt zu finden ist nur
die Übereinkunft zweier Menschen, ein drittes (größeres) Objekt ( Erde oder Sonnensystem oder Galaxie) als „ruhend“ zu bezeichnen.

Deshalb halte ich die Erfindung des Relativitätsprinzips durch die Menschen vor und um Albert Einstein als die wichtigste Erkenntnis der Neuzeit.

Leider konnte sich auch Einstein seinem Erdendenken nicht entziehen und hat in seiner Theorie wiederum „ruhende“ Inertialsysteme zugelassen. Dadurch ist z.B das Zwillingsparadoxon entstanden.

Die Frage : woher weiß Einer von dem Anderen ist falsch. Es braucht Einer von dem Anderen gar nichts zu wissen, denn die Gravitiation erfordert keine wissentliche Handlung.

Einstein hat mit seinen Beispielen immer wieder auf das Relativitätsprinzip vergessen.

Es gibt keine Geschwindigkeit ohne Angabe zu welchem Bezugsobjekt.
Wenn ich sage : Ich bewege mich mit 100 km/h muss ich immer sagen: relativ zu dem oder dem Objekt.
Aus dem gleichen Grund gibt es auch keine Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ohne Angabe zu welchem Objekt.

Die sogenannte „Invarianz“ der LG ist eine solche Geschwindigkeitsangabe ohne Bezug zu einem Objekt und deswegen ist sie falsch

Nicht etwa, weil sie Albert Einstein und seine Zeitgenossen erfunden haben,

Mit besten Grüßen !

Hannes
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