Uli schreibt:
Mal ganz ohne jede Relativistik: du meinst, die Räder eines Fahhrrades halten entsprechenden Fliehkräften stand ???????
Nein, meine ich nicht. Ich schrieb ja, dass sich auch der Beobachter bewegen könnte (relativiste Myonen zB.) Wenn man in all diesen Paradoxa auf Nebenschauplätze ausweicht, werden sie ohnehin von vornherein unsinnig. Es fahren ja auch keine Autos mit fast c durch Garagen und es werden keine Leitern in zu kleinen Scheunen deponiert, von lichtschnellen Panzern und U-Booten ganz zu schweigen ...
Aber wenn es dem Relativisten zu eng wird, kommt er eben mit irrelevanten Argumenten daher. Eine Koordinatentransformation, die einem Rad oder einer Kugel die Identität raubt, liefert nun mal ein absurdes Ergebnis, ganz egal aus welchem Grund. Wer beschlossen hat, das Absurde als das Normale zu bezeichnen, wird das natürlich nicht erkennen!
Die Felgen werden mit einer astronomisch hohen Fliehkraft nach außen gedrückt bei einer Drehgeschwindigkeit, die das Fahhrad auf relativistische Geschwindigkeiten bringt !
Na klar doch. Und im Zwillingsparadoxon wird der Reisende nicht jünger sondern tot zurückkommen, weil er die gewaltigen Beschleunigungen nicht ausgehalten hat, die nötig sind, um einen signifikanten Altersunterschied zu erzeugen. Die Frage, die man mit Gedankenexperimenten stellt, ist, ob eine Theorie plausible Aussagen macht oder nicht. Und die SRT macht sie m.E. eben nicht.
Hmm, da kommt wieder ein typischer Kritikertext "finden im realen Sinne nicht statt".
Wie definiert sich denn für dich "Realität" ?
In der Physik definieren Messergebnisse die Realität. Längenkontraktion und Zeitdilatation sind messbar; also sind sie real.
Meines Wissens nach wurde die Längenkontraktion noch nie nachweislich gemessen.
Du willst vielleicht sagen, es handelt sich bei der Lorentzkontraktion um einen rein kinematischen Effekt; da wirkt keine Kraft, die einen bewegten Körper staucht. In diesem Sinne würde ich dir zustimmen.
Die Längenkontraktion der SRT ist ein Effekt aus der RdG, also aus dem Umstand, dass zwei Enden einer Strecke nicht in zueinander rel. bewegten IS gleichzeitig gemessen werden können. Misst der eine gleichzeitig, dann der andere eben nicht. Es ist also nicht nach der Ursache der Kontraktion zu fragen, die nur aus der Messung selbst stammt, sondern nach der Ursache für den Falschgang von Uhren! Selbstverständlich gibt es keine Kraft, die einen bewegten Körper staucht - da sind wir einer Meinung.
Hallo Joachim!
...dein Einwand, Harald, ist im Grunde sehr gut. Nur richtet er sich gegen die falsche Theorie. Er spricht stark gegen die Lorentzsche Äthertheorie und insbesondere gegen die Theorie, die von Franko Selleri vertreten wurde oder noch wird. In diesen Theorien gibt es nämlich ein ausgezeichnetes Äthersystem. Jedes Objekt, das in diesem Äthersystem bewegt wird, soll nach Lorentz und Selleri durch eine nicht näher spezifizierte Wechselwirkung mit dem Äther mechanisch verkürzt werden. Diese Verkürzung hätte nun zur Folge, dass ein bewegtes Rad ellipsenförmig würde. Wenn dieses Rad nun schnell rotiert, müsste es durch die Wechselwirkung mit dem Äther geradezu durchgewalkt werden. Dadurch müsste sich ein schnell drehendes Rad eigentlich stark erhitzen.
Es freut mich, dass Du hier mit wenigen Worten den Unterschied zwischen SRT und LET deutlich hervorhebst. Meistens wird damit argumentiert, es gäbe keinen Unterschied zwischen den beiden Theorien - aber das trifft nur auf die Mathematik zu. Du hast völlig Recht: mein Argument richtet sich auch gegen die LET. Das Argument ist der Grund, warum viele "Lorentzianer" zwar an den Uhrenfalschgang, aber nicht an die Kontraktion glauben (wie Hatch z.B.). Damit sind sie der SRT natürlich sehr nahe, in welcher grundsätzlich die Kontraktion nicht auf eine Ätherwirkung, sondern auf die Lage der Zeitachse zurückgeht - die sich ja durch den Gang von Uhren manifestiert. Viel plausibler ist das allerdings nicht, weil hier Uhren tatsächlich die "Zeit" messen müssen, was natürlich Unsinn ist. Eine Einwirkung des Äthers auf den Uhrengang (auf welche Weise auch immer) scheint mir da etwas glaubwürdiger zu sein.
...Jedes andere Koordinatensystem stellt lediglich eine Umbenennung der Raum- und Zeitkoordinaten dar und eine Umbenennung von Punkten ändert (ich wiederhole mich) an der Kinematik gar nichts. Die Ellipsenform des Rades in anderen Koordinaten resultiert tatsächlich nur daher, dass man die Zeitachse anders legt. man schneidet die Rad-Weltlinien-Wurst einfach in einem anderen Winkel an. Eine kreisrunde Wurst wird auch nicht zu einer elliptischen, nur weil man sie anders anschneidet. Aber die Scheiben sind (sogar real) größer. Ebenso erscheinen die Räder, in einem zu ihnen bewegten Koordinatensystem, beschrieben elliptisch, ohne dass sie deshalb verformt werden müssten.
Das nette Wurstbeispiel habe ich schon bei Max Born gelesen (7. Aufl.,Seite 219):
" Die Kontraktion ist also nur eine Folge der Betrachtungsweise, keine Veränderung einer physikalischen Realität. Also fällt sie nicht unter die Begriffe von Ursache und Wirkung. Durch diese Auffassung wird auch jene berüchtigte Streitfrage erledigt, ob die Kontraktion 'wirklich' oder nur 'scheinbar' ist. Wenn ich mir von einer Wurst eine Scheibe abschneide, so wird diese grösser oder kleiner, je nachdem ich mehr oder weniger schief schneide. Es ist sinnlos, die verschiedenen Grössen als 'scheinbar' zu bezeichnen, und etwa die kleinste, die bei senkrechtem Schnitt entsteht, als die 'wirkliche' Grösse." Damit wird in der SRT Schein und Wirklichkeit in einen Topf geworfen, um je nach Brauchbarkeit die Effekte als scheinbar oder wirklich einzustufen. Verbreitet ist auch das Beispiel mit der Leiter, die angelehnt eine kleinere Reichweite hat. Der Widersinn solcher Gleichnisse wird offenbar gar nicht erkannt. E
s geht nicht um die Wurst, sondern um die Scheibe. Und eine schräg abgeschnittene Scheibe
IST nun mal elliptisch! Ein elliptisches Rad ist keine Erscheinungsform eines runden Rads, sondern es ist schlicht und einfach ein elliptisches Rad, ganz besonders, wenn die Messung dies bestätigt! Man kann nicht sagen, das Rad wäre "wirklich" ein rundes und deshalb läuft es auch im elliptischen Zustand einwandfrei. Das ist schlicht und einfach Humbug - und der wird in der SRT am laufenden Band praktiziert. Wenn elliptisch verformte Räder die "Realität" sind, werden sie in der "Realität" des Beobachters nach allen Erkenntnissen der Physik eben nur unrund laufen oder gar nicht laufen. Das alles ist in Wahrheit nur mathematischer Schnickschnack, um ein irrationales Postulat aufrecht zu erhalten. Und damit das mit oder ohne Äther funktioniert, definiert man Gleichzeitigkeit auf der Grundlage der Einsteinschen Synchronisationsvorschrift von Uhren. Wendet man eine andere Synchronisation an, platzt das alles wie eine Seifenblase!
Wenn eine Gewehrkugel in einem relativ bewegten IS (in welcher aufgrund "anders gelegter Zeitachse" die ZD wirken soll) scheinbar langsamer fliegt und dennoch ein gleich tiefes Loch schiesst wie in ihrem Ruhesystem, so zwingt das zur Annahme, die Bewegungsgröße (Impuls) müsse zugenommen haben (früher "Masse"). Lediglich durch Veränderung von Koordinaten erzeugt man damit Impuls bzw. Masse - und dem Relativisten erscheint das plausibel, aber in der Beziehung zwischen der Gewehrkugel, ihrer Masse und ihres Impulses und der Zerstörung, die sie verursacht und die unabhängig jeglicher Koordinaten immer dieselbe bleibt, steckt etwas Absolutes! Dass wir diesen absoluten Vorgang unterschiedlichst messen können oder wollen (je nach Theorie und Maßstab) ändert daran nichts. Die Welt beinhaltet die Einsteinsche Relativität nicht naturgemäß, sondern sie wird mit der Theorie in sie hinein gebracht mit Hilfe von Uhren, die Zeit nicht messen sondern "erzeugen". In diesem Sinn ist die SRT sowohl richtig als auch falsch, sie ist ein abgehobenes Gedankengebäude aus Gedankenexperimenten und Postulaten und bildet eine eigene kinematische Welt, in der sie richtig ist, aber in unserer dynamischen Realität ist sie falsch.
Kondensat74:
und bis heute dachte ich, dass wir das, was wir sehen, auch messen

Eben nicht. Obwohl Einstein seine RdG ursprünglich aus Lichtlaufzeiten hergeleitet hat (in vielen Gedankenexperimenten geht er nur davon aus), spielen diese bei der LT keine Rolle und sind daher jeweils herauszurechnen; man muss daher das Sichtbare korrigieren, um auf das Messbare zu kommen. Es handelt sich stets um zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen. Die SRT ist eben keine Physik, sondern eine Ideologie der Betrachtungsweisen.
Grüße
Harald Maurer