Hurra! Ralf ist wieder da!

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Re: Hurra! Ralf ist wieder da!

Beitragvon girl friday » Do 26. Apr 2012, 14:49

Jocelyne Lopez hat geschrieben:
girl friday hat geschrieben:
Ob Assistenzärzte regelmäßig Doppelschichten fahren und übermüdet sind, ob das schlecht bezahlte Pflegepersonal Überstunden macht und überfordert ist, ob den Patienten statt Essen etwas vorgesetzt wird, das aussieht, als hätte ein Hund es wieder ausgespuckt, interessiert konfessionelle Träger hingegen genauso viel bzw. wenig wie städtische ....erst bei der Sorge um Glaube und Sitte zeigt sich der wahre Unterschied!)


Dazu möchte ich eine Erinnerung aus meiner Kindheit ausgraben:

Ich bin vorwiegend in von Nonnen geführten Internaten großgeworden (in Frankreich fundieren katholische Internate als Kinderheim).

Vor und nach jeder Mahlzeit haben wir gemeinsam ein kurzes Gebet gesungen. Ich weiß noch von einem davon, sogar noch die Melodie. Es ging so:

    Bénissez-nous, Seigneur,
    Bénissez ce repas et ceux qui l’ont préparé,
    Et procurez du pain, à ceux qui n’en n’ont pas.
    Ainsi-soit-il


    In Deutsch:

    Segnen Sie uns, Herr,
    Segnen Sie diese Mahlzeit und diejenige, die sie vorbereitet haben,
    Und geben Sie auch Brot denjenigen, die keins haben.
    Amen

gefolgt von dem Lärm von Duzenden hastig geschobenen Stühlen. ;)

Bei dem Vers „Segnen Sie diese Mahlzeit und diejenige, die sie vorbereitet haben“ musste ich immer an diejenige denken, die eben unsere Mahlzeiten vorbereitet haben: Das waren die „soeurs de la cuisine“, die „Küchennonnen“. Wir kannten sie nicht, nur vom Aussehen, wenn wir gemeinsam vor und nach den Mahlzeiten in den Esssaal durch die Großküche gingen, oder aus der Kapelle. Wir hatten nie mit den zu tun, wir sprachen sie nie an, sie sprachen uns nie an, wir kannten nicht einmal ihre Namen. Es hat mich immer beeindruckt, wie sie im Lärm und Hitze und Dampf in der Großküche immer hektisch am Arbeiten waren, sie waren immer rot im Gesicht, um leichter zu arbeiten, haben sie ihre sperrigen Hauben und ihre breiten Ärmel mit Wäscheklammern zurückgehalten, ich dachte mir, dass sie bestimmt unter der Hitze gelitten haben, vor allem im Sommer, wenn es schon draußen kaum erträglich war. Sie waren immer rot im Gesicht, wir kannten ihre Namen nicht, wir sprachen sie nie an, sie sprachen uns nie an. Ich wäre nicht gerne an ihre Stelle gewesen.

Seitdem haben in meinem Leben sehr viele anderen Menschen meine Mahlzeiten vorbereiten, deren Namen ich nicht mal kenne, und es ist mir bis heute noch nicht möglich, mich über eine Mahlzeit zu beklagen, auch wenn sie mir nicht besonders geschmeckt hat.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez


Sehr schön erzählt, Jocelyne, und ich sehe auch, was du meinst.
Häufig wäre es tatsächlich eine Respektlosigkeit gegenüber dem Koch/den Köchen, sich über eine Mahlzeit zu beklagen.
Jedoch liegt in der unannehmbaren Qualität von Speisen eben umgekehrt auch manchmal eine Respektlosigkeit gegenüber denen, die sie essen sollen. Insbesondere, wenn es sich dabei um Kranke oder Alte handelt.
girl friday
 
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Re: Hurra! Ralf ist wieder da!

Beitragvon Jocelyne Lopez » Fr 27. Apr 2012, 13:08

girl friday hat geschrieben:
Sehr schön erzählt, Jocelyne, und ich sehe auch, was du meinst.


:)
Dann erzähle ich eine andere Erinnerung darüber, wie ich als Kind die christlichen Botschaften aufgenommen habe.

Es gab ein Gleichnis „la brebis égarée“ (das verlaufene Schaf?), worüber ich alleine lange nachgedacht habe, weil ich es nicht gleich verstanden habe.

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ich bin Euer Hirt, und ich liebe Euch alle gleich, aber ich werde Euch alle verlassen für einen, der sich verlaufen hat“. Ich glaube, dass ein Jünger nachgefragt hat: „Wieso? Du sagst, dass Du uns alle liebst, und doch wirst Du uns alle verlassen, nur für einen?!“ Die Frage habe ich mir auch gestellt. War etwa Gott eine Null in Mathe?
Nur die beruhigende Botschaft hab ich empfunden: Es gibt jemanden, der alles verlassen wird, nur um mir zu helfen.

Nur später habe ich die Botschaft verstanden, die sich mit der Mathematik aber nicht beschreiben lässt: Die Liebe kann man teilen, jedoch jeder bekommt sie ganz.

Ich bin jetzt schon lange nicht mehr gläubig, aber die Botschaft der Nächstenliebe der christlichen Lehre halte ich für das höchste Gut des menschlichen Denkens und des menschlichen Handeln.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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