Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Harald Maurers Thesen zur Physik, Philosophie, und Biologie

Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Sargon » Mo 18. Feb 2019, 13:35

Kant hat seine Erkenntnistheorie in der Kritik der reinen Vernunft niederlegt. Er war ein Bewunderer der Newtonschen Mechanik und dem entsprechend ist seine Erkenntnismechanik abgefasst: Es ist ein geschlossenes System des menschlichen Bewusstseins, in dem wir die Erkenntnistools vorfinden, deren Mechanik die Erkenntnis erzeugen. Erkenntnis ist somit eine interne Angelegenheit unseres Erkenntnisapparates, der folgendermaßen arbeitet:

Das eine Erkenntnistool ist die „sinnliche Anschauung“, die sinnliche Wahrnehmung dessen, was von draußen hereinströmt (Rohdaten).
Das zweite Erkenntnistool ist der dem Menschen angeborene Verstand, in dem die Erkenntnis-Begriffe (Kategorien) ihren Platz haben und der – sobald die Daten anfangen zu strömen – in Aktion tritt, dergestalt, dass er die Kategorien auf die Daten anwendet und dementsprechende Aussagen formuliert.

Beispiel:
sinnliche Daten = Beobachtung: die Sonne geht auf, es wird warm
Anzuwendende Kategorie: Kausalität (Ursache & Folge: wenn a dann b)
Aussage: Immer wenn die Sonne aufgeht, dann wird es warm.
m.a.W.: Die Sonne ist die Ursache der Erwärmung.

Die Arbeitsweise der sinnlichen Anschauung ist wie ein blindes Ventil: es öffnet sich, wenn sich Daten anmelden und schließt sich, wenn sie im Apparat sind. Dabei gibt es wegen der Blindheit keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob oder wie die Daten draußen miteinander zusammenhängen (Sonne, Erwärmung); diesen Zusammenhang stellt erst der Verstand mit seinen Kategorien her (Sonne ist Ursache der Erwärmung), der sich ohne die Daten stets im Leerlauf befindet. „Gedanken ohne Inhalt sind leer und Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“

Das bedeutet, dass wir nur Erkenntnisse von dem haben, was sich im Erkenntnisapparat befindet und nicht von dem, was sich draußen befindet oder m.a.W.: wir tun so, als ob die Sonne die Ursache ist, ob sie es wirklich ist, können wir nicht wissen. Kant nennt das, was sich draußen befindet (die Natur selbst) das „Ding an sich“.

Im Ergebnis ist also die gesamte Naturwissenschaft lediglich eine vom Verstand konstruierte Theorie, die wir der Natur (nur ihren Erscheinungen, nicht dem Wesen) überstülpen und immer geschmeidiger anpassen, die Natur an-sich (in ihrem Wesen) ist unerkennbar.

Kant behauptet weiter, dass es Aussagen gibt, die vor aller Empirie wahr sind (= a priori) und einen Erkenntnis- oder Informationszuwachs haben (= synthetisch): synthetisch-apriorische Aussagen
Aussagen, die zwar a priori, aber nicht synthetisch sind, weil das Prädikat schon im Subjekt steckt, nennt er analytische Aussagen (Ein Schimmel ist weiß). Alle Definitionen sind analytisch.

Nach meinem Dafürhalten hat dieses System mind. 4 Schwachpunkte:

1. Die Geschlossenheit des Systems. Diese Geschlossenheit kann Kant nicht konsequent durchhalten, obwohl es alles versucht, es zu tun! Aber wenn die sinnliche Anschauung nicht prüfen kann, was da hereinströmt, dann kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich so etwas wie eine verborgene Kategorie von außen einschleicht und vom Verstand modelliert wird. Damit wäre Kants Erkenntnisapparat empirisch infiziert, was er aber unter allen Umständen zu vermeiden sucht.

2. Die Kategorien. Kant begründet nicht wirklich, wie die Kategorien in den Verstand kommen, wenn er behauptet, sie verdanken sich der Spontaneität des Verstandes. Damit kann man fast alles (pseudo-) begründen. Zudem kann er nicht schlüssig darlegen, warum vom Verstand die richtige Kategorie jeweils auf die dazu passenden Daten angewendet werden können.

3. Petitio Principii. Die einströmenden Daten bewirken (= Ursache) - noch bevor der Verstand zu arbeiten anfängt - dass der Verstand in Aktion tritt und mittels der Kategorien seine Arbeit verrichtet (= Folge). Damit setzt er - bei der sinnlichen Anschauung - voraus, was er - im Verstand - eigentlich begründen will: die Kausalität als transzendentale Bedingung der Erkenntnis.

4. Das synthetische Apriori der Mathematik. Kant gibt als Beweis für eine synthetisch-apriorische Aussage 2 Beispiele:

A) 7 + 5 = 12 (Arithmetik)

Dass diese Aussage m.E. analytisch ist, zeigt folgende Überlegung:

Die “7” ist eine Kurzschreibweise für |||||||; entsprechendes gilt für 5 & 12; also:

||||||| + ||||| = ||||||||||||

Die 12 ergibt sich durch Analyse (Abzählen) der linken Seite, und das in jedem Fall, wie sich durch beliebiges Verschieben des „+“ erkennen lässt. Es gibt keinen Wissenszuwachs; ergo: Die Arithmetik ist analytisch!

B) a^2 + b^2 = c^2 (Euklidische Geometrie)

Dass diese Aussage ebenfalls analytisch ist, zeigt folgende Überlegung:

Sind a & b (bzw. deren Quadrate) in einem rechtwinkligen Dreieck gegeben, ergibt sich durch Analyse (qua Konstruktion) die Seite c (bzw. dessen Quadrat). Bei der numerischen Rechnung kann man wieder das Verfahren von A) einsetzen: Es ergibt sich kein Wissens- oder Informationszuwachs; damit ist sie nicht synthetisch.

Außerdem ist die euklidische Geometrie ein Sonderfall der allgemeineren Riemann'schen Geometrie; damit ist sie nicht a priori wahr.
ergo: Die Geometrie ist analytisch!
Sargon
 
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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Nicht von Bedeutung » Mo 18. Feb 2019, 14:29

1. Eine bzw. daraus folgernd zwei Definitionen sind ganz sicher nicht analytisch, sondern gewissenlos formuliert.

a. Die SI-Sekunde ist das 9192631770-Fache einer bestimmten Periodendauer.
b. Der SI-Meter ist die Strecke, die Licht in 1/299792458 (SI-)Sekunde zurück legt.

Damit ist der SI-Meter eine Strecke aus etwa 31 (30,6633) zu der Periodendauer der SI-Sekunde proportionalen Wellenlängen. Solange man nicht weiß, wie lange besagte Periodendauer dauert, weiß man auch nicht wie lang die dazu proportionale Wellenlänge wird. Das lässt sich nur lösen, indem man eine feste Strecke definiert (z.B. über Kristallgitterabstände) und daran Periodendauern und Wellenlängen bemisst. Auf die Art entstanden ja auch die beiden Konstanten 9192631770 und 299792458, denn ohne feste Strecken hätte man nie die Möglichkeit gehabt, auf solche Werte zu kommen.

2. 7+5 ist nicht zwangsläufig 12, sondern auch z.B. auch mal 14, D oder gar 1110 - je nachdem mit welchen Zahlensystemen analysiert wird.

3. Die Geschlossenheit des Systems kann durch verschiedene Blickwinkel umgangen werden. Es ist also vernünftiger, Daten aus verschiedenen Richtungen strömen zu lassen und je mehr Daten aus verschiedenen Strömungen man betrachtet, desto schärfer wird der Eindruck, den sie hinterlassen werden. A priory gültig ist ein Eindruck erst dann, wenn es keine unterschiedlichen Richtungen mehr gibt, die noch unterschiedliche Daten liefern und sogar bei Kepler und daraus folgernd bei Newton gibt es ganz klar noch mindestens einen Blickwinkel, der 400 Jahre lang übersehen wurde.
Nicht von Bedeutung
 

Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Kurt » Mo 18. Feb 2019, 15:00

Nicht von Bedeutung hat geschrieben:1. Eine bzw. daraus folgernd zwei Definitionen sind ganz sicher nicht analytisch, sondern gewissenlos formuliert.

a. Die SI-Sekunde ist das 9192631770-Fache einer bestimmten Periodendauer.
b. Der SI-Meter ist die Strecke, die Licht in 1/299792458 (SI-)Sekunde zurück legt.

Damit ist der SI-Meter eine Strecke aus etwa 31 (30,6633) zu der Periodendauer der SI-Sekunde proportionalen Wellenlängen. Solange man nicht weiß, wie lange besagte Periodendauer dauert, weiß man auch nicht wie lang die dazu proportionale Wellenlänge wird. Das lässt sich nur lösen, indem man eine feste Strecke definiert (z.B. über Kristallgitterabstände) und daran Periodendauern und Wellenlängen bemisst. Auf die Art entstanden ja auch die beiden Konstanten 9192631770 und 299792458, denn ohne feste Strecken hätte man nie die Möglichkeit gehabt, auf solche Werte zu kommen.


Du weist doch das das nicht funktioniert, es sich bei der SI.. nur um einen Kniefall vor einer Theorie handelt, einer Theorie die mit der Realität nichts zu tun hat.
Deine "feste Strecke" ist keine feste Strecke.
So wie die LG immer lokal ist so ist es auch mit den Kristallen, sie sind in ihrer "Grösse" immer von den Ortsumständen abhängig.
Auch die "Wellenlänge" ist von den Ortsumständen abhängig.
Du hast also keine Streckenreferenz, sondern einen lokalen Zustand deiner Längenreferenz.
Anderer Ort, andere Kristallabstandsgrösse, andere LG, andere Wellenlänge.

Mehr als eine Lokalaussage, lokal gültige Aussage, gibt deine Definition halt nicht her.

Kurt

.

Nachtrag: es gibt keine Konstante, keine einzige.
(naja...)
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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Lagrange » Mo 18. Feb 2019, 23:54

Sargon hat geschrieben:...
Außerdem ist die euklidische Geometrie ein Sonderfall der allgemeineren Riemann'schen Geometrie; damit ist sie nicht a priori wahr.
ergo: Die Geometrie ist analytisch!

Hier kann ich nicht zustimmen, die Euklidische Geometrie ist a priori wahr weil sie aus der "Homogenität" der Leere folgt. Die "Leere" kann keine andere "Struktur" als Euklidische haben.
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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Lagrange » Mo 18. Feb 2019, 23:58

Kurt hat geschrieben:Nachtrag: es gibt keine Konstante, keine einzige.
(naja...)

Haben wir nicht darüber gesprochen?

Was ist mit der Elementarladung? Kann die relativ gemacht werden?
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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Kurt » Di 19. Feb 2019, 00:17

Lagrange hat geschrieben:
Kurt hat geschrieben:Nachtrag: es gibt keine Konstante, keine einzige.
(naja...)

Haben wir nicht darüber gesprochen?

Was ist mit der Elementarladung? Kann die relativ gemacht werden?


Sowas gibt's nicht.

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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Sargon » Di 19. Feb 2019, 14:32

Nicht von Bedeutung hat geschrieben:1. Eine bzw. daraus folgernd zwei Definitionen sind ganz sicher nicht analytisch, sondern gewissenlos formuliert.

a. Die SI-Sekunde ist das 9192631770-Fache einer bestimmten Periodendauer.
b. Der SI-Meter ist die Strecke, die Licht in 1/299792458 (SI-)Sekunde zurück legt.

Damit ist der SI-Meter eine Strecke aus etwa 31 (30,6633) zu der Periodendauer der SI-Sekunde proportionalen Wellenlängen. Solange man nicht weiß, wie lange besagte Periodendauer dauert, weiß man auch nicht wie lang die dazu proportionale Wellenlänge wird. Das lässt sich nur lösen, indem man eine feste Strecke definiert (z.B. über Kristallgitterabstände) und daran Periodendauern und Wellenlängen bemisst. Auf die Art entstanden ja auch die beiden Konstanten 9192631770 und 299792458, denn ohne feste Strecken hätte man nie die Möglichkeit gehabt, auf solche Werte zu kommen.

2. 7+5 ist nicht zwangsläufig 12, sondern auch z.B. auch mal 14, D oder gar 1110 - je nachdem mit welchen Zahlensystemen analysiert wird.

3. Die Geschlossenheit des Systems kann durch verschiedene Blickwinkel umgangen werden. Es ist also vernünftiger, Daten aus verschiedenen Richtungen strömen zu lassen und je mehr Daten aus verschiedenen Strömungen man betrachtet, desto schärfer wird der Eindruck, den sie hinterlassen werden. A priory gültig ist ein Eindruck erst dann, wenn es keine unterschiedlichen Richtungen mehr gibt, die noch unterschiedliche Daten liefern und sogar bei Kepler und daraus folgernd bei Newton gibt es ganz klar noch mindestens einen Blickwinkel, der 400 Jahre lang übersehen wurde.


Der Bezug zu Kant und dem Thema erschließt sich mir nicht.
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Re: Kritische Gedanken zu Kant's Kritik der reinen Vernunft

Beitragvon Nicht von Bedeutung » Di 19. Feb 2019, 14:35

Sargon hat geschrieben:Der Bezug zu Kant und dem Thema erschließt sich mir nicht.
Das ist seltsam. Es ist nämlich "Kritik der reinen Vernunft". Bei Kant ging es doch nicht um "Kritik an der reinen Vernunft", oder doch?
Nicht von Bedeutung
 


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