Wer hat Arnold Schwarzenegger entdeckt?

Nicht von seiner Filmkarriere soll hier die Rede sein, sondern von seiner Laufbahn als Body Builder. Es mangelt ja nicht an Personen, die behaupten, mit ihm trainiert zu haben (abgesehen von jenen Hundertschaften, die mit ihm auf derselben Schulbank gesessen haben wollen), und es gibt auch mehrere Personen, die vorgeben, ihn trainiert, also ihn quasi entdeckt oder sogar "erfunden" zu haben.
Was davon ist eigentlich wahr?
Ich lernte Arnold im Sommer 1963 am Thalersee kennen, als ich mit Kurt Marnul dort baden war und mit ihm am Ufer entlang spazierte. Sowohl Kurt als auch ich waren damals schon recht gut durchtrainiert, was dem Burschen, der da auf einer zwischen Bäume geklemmten Stange Klimmzüge produzierte, nicht entging. Er ließ sich herab fallen und kam auf uns zu. Wie wir zu unseren Muskeln gekommen seien, wollte er wissen. Dem folgenden Gespräch war für mich nicht zu entnehmen, dass sich Kurt Marnul und Arnold bereits gekannt hätten. Ich habe jedenfalls Arnold in diesem Moment sicher das erste Mal gesehen. Kurt Marnul wird später ebenso wie ich diese Begegnungssitutation schildern und in Fernsehdokumentationen sogar die Bäume zeigen, welche die Klimmzugstange trugen. Die Besonderheit dieses Ereignisses kann daher auch für ihn nur darin gelegen haben, Arnold das erste Mal zu Gesicht bekommen zu haben.
Arnold war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt, bzw. wurde er am 30. Juli 1963 gerade 16.

Im Verlauf des damaligen Gespräches stellte sich heraus, dass Arnold in der Neubaugasse eine kaufmännische Lehre absolvierte, was ganz in der Nähe meiner Wohnung (Defreggergasse 1) gelegen war. Ich hatte in dieser Wohnung einen großen Raum eigens für Trainingszwecke adaptiert. Darin gab es extra angefertigte Geräte (die es in Österreich noch gar nicht zu kaufen gab) und sogar eine Original Ben-Weider Hantelausrüstung, die ich per Schiff aus USA hatte kommen lassen.

Ich hatte auch elektronische Vorrichtungen gebaut, welche die Trainingssätze und Wiederholungen automatisch mitzählten - eine Besonderheit, die Arnold später immer wieder erwähnen wird, wenn das Gespräch auf mich kam (Charly Temmel berichtete mir oft, was Arnold über die damalige Zeit erzählte).
Ich schlug Arnold vor, er könne nach seiner Arbeit abends zu mir kommen, um gemeinsam ein Trainigsprogramm zu absolvieren. Er lief folglich täglich die Mariahilferstraße hinunter, überquerte den Südtirolerplatz und war am Ziel.
Wir trainierten täglich bis zu 3 Stunden. Oft versäumte Arnold dadurch den Bus nach Thal und ich erinnere mich, dass er einige Male per pedes nach Hause rannte - was für ihn wohl schon damals nichts anderes als ein "Kardiotrainig" war.

Marnul verlagerte in Interviews diese erste Begegnung mit Arnold seltsamer Weise in den Juli 1961, und andere Beteiligten behaupteten hingegen, es sei Juli 1962 gewesen (in Wendy Leighs unautorisierter Biografie, siehe Bild links, wird das auf Seite 23 erwähnt).

Aber die Wahrheit ist, dass es im Juli 1963 geschah. Im April 1964 fand dann die Veranstaltung im Grazer Steirerhof statt, in welcher Arnold das erste Mal auf einer Bühne posierte und ich den Mr. Styria gewann.

Kurt Marnul

behauptete immer wieder, erster "Trainer" von Arnold gewesen zu sein. Er setzte diese Behauptung auch als Werbung für sein Trainingsstudio in der Hüttenbrennergassse ein (mit dementsprechenden Beschriftungen auf seinem Jeep etc.) und in diversen Interviews brüstete er sich überhaupt gerne damit, dass er "Arnold groß gemacht habe...", wie z.B. in der Orf-Reportage "Am Schauplatz", gesendet am 1.6.2007.
Doch diese Behauptungen sind - gelinde gesagt - etwas übertrieben. Richtig ist, dass Arnold und ich anfangs nur das Beintrainig im damaligen Gewichtheberverein Athletik Union unter der Tribüne des alten Liebenauer Stadions durchführten. Richtig ist auch, dass Arnold das Training dort fortsetzte - nachdem ich im Sommer 1964 zum Bundesheer einberufen wurde - und bald darauf ebenfalls zum Bundesheer einrücken musste. Aus dieser Bundesheer-Zeit stammen die Geschichten von den nächtlichen Einbrüchen in das Liebenauer Trainingsstudio, die Marnul gerne zum Besten gab und die auch durchaus ihre Richtigkeit haben.

Kurt Marnul war sicher eine der führenden Persönlichkeiten in Bezug auf Body Building in diesen vergangenen Zeiten. Sowohl für Arnold als auch für mich stellte Kurt ein Vorbild dar - und sicher haben uns seine Ratschläge und Anleitungen sehr viel weiter geholfen. Arnold und ich bezogen aber die Trainingspläne und Methoden hauptsächlich aus amerikanischen Zeitschriften.

Der junge Arnold

Arnold war vom Sommer 1963 bis zum meinem Einrücken zum Bundesheer praktisch täglich bei mir. Er war ein groß gewachsener, schlanker Bursch und ich habe ihn eigentlich als nicht besonders redselig in Erinnerung. Das besonders Auffallende für mich war damals seine Ehrlichkeit - er erschien mir als sehr "gerader" Charakter und ich habe ihn auch nie bei einer Lüge erwischt. Er konnte mit unglaublicher Konzentration trainieren und sprach dabei so gut wie kein Wort. Ich habe daher speziell über seine Familie wenig erfahren und kannte zwar seine Mutter, die einen sehr resoluten Eindruck machte, habe aber Vater und Bruder auch dann nicht gesehen, wenn ich ihn in Thal besuchte. Ich kann mich noch an sein Zimmer dort erinnern, welches im oberen Stock des Hauses lag und das Erste, das man sah, wenn man die Holztreppe hochkam, war eine riesige schwarze Kugelhantel. Es gab auch ein großes Poster von Reg Park an der Wand und Arnold betonte oft, dass er eines Tages diesen Athleten und Filmstar besiegen werde und selbst der größte Bodybuilder sein werde - selbstverständlich auch mit entsprechenden Filmrollen versehen. Ich war nicht der Einzige, der ihn deshalb belächelte ... obwohl ich selbst ganz dasselbe Ziel vor Augen hatte (mein Idol war damals Steve Reeves). Ich kann nicht behaupten, dass Arnold damals besonders vergnügungssüchtig gewesen wäre, es gab zwar einige kleine Partys in meiner Wohnung (und vielleicht kann er sich noch an meine Freundin Christa erinnern ...) aber weder er noch ich tranken Alkohol oder rauchten. Alles war auf Gesundheit und Training ausgerichtet. Vor allem bereiteten wir uns auf die Mister-Wahlen vor, die im April 1964 im Hotel Steirerhof angesagt waren.

Nach dem Bundesheer ging Arnold nach München, wo ich ihn mehrere Male (meist zusammen mit Kurt Marnul) besuchte. Er war dort als Trainer tätig. Als er nach England bzw. USA ging, habe ich den Kontakt endgültig verloren - seinen Karriereweg aber stets mit Interesse verfolgt. Mein Archiv beherbert nahezu alles, was von Arnold stammt oder über ihn geschrieben wurde. Seinen unglaublichen Aufstieg zum größten Bodybiuilder aller Zeiten habe ich mit Stolz und Freude beobachtet und ich bewundere diesen Mann noch immer ohne Neid. Ihn persönlich zu kennen ist eine ganz besondere Erfahrung.

Anabolika?

Damals gab es noch nicht diese Vielzahl an Präparaten, die heute von den Athleten geschluckt oder gespritzt werden (jedenfalls von vielen). Auf den Markt gekommen waren gerade DIANABOL (heute steckt derselbe Wirkstoff in NEROBOL, THAI-METAS oder NAPOSIM) und Arnold hat gar nicht bestritten, sie auch genommen zu haben (Zitat: "Ich hätte auch Sch..... gefressen, wenn das Muskeln erzeugt hätte ...") Beim Sportarzt ließen wir uns einmal wöchentlich eine Injektion "ANADUR" verabreichen (heute ist der Wirkstoff als NANDROLONE oder DECA DURABOLIN bekannt). Sie enthielten die lächerlich geringe Wochendosis von 50 mg - heutzutage geben sich die Athleten denselben Wirkstoff mehrmals wöchentlich mit 250 mg. Das sind ganz andere Kaliber als die winzigen Dosen, die wir mit Kraftdrinks aus Trockenmagermilch und großen Mengen Dorschfilets ergänzten. Eiweißpräparate gab es auch noch keine und die heute gebräuchlichen starken Anabolika (z.B. OMNADREN, SUSTANON, WINSTROL etc.) waren noch völlig unbekannt. Im Vergleich zur jetzigen Zeit könnte man unseren Anabolikagebrauch als sehr geringfügig bezeichnen - kein Bodybiulder würde sich heute von den lächerlichen Mengen einen Erfolg versprechen. Bei uns dürften sie auch eher einen Placebo-Effekt bewirkt haben.

Dass ein Körper. wie ihn Arnold später der Welt präsentierte (und er war in meinen Augen jedenfalls der BESTE, der jemals auf einer Bühne posierte!) so ganz ohne Chemie entwickelt werden konnte, mag wohl nur einer glauben, der von Bodybulding keine Ahnung hat ...

Dieser Mann hat sich selbst entdeckt!

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